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Frank Zappa/ Mothers, Over-Nite Sensation, 1973

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Discreet

Mehrere Jahre hatte sich Zappa vornehmlich in jazzigen Gefilden getummelt, doch sein Publikum hatte dafür offenbar nicht so viel übrig. Daher kehrte der Maestro auf „Over-Nite-Sensation“ wieder zu satirischen Rocksongs zurück, die oftmals zweideutige Texte enthielten und ausserdem sehr eingängig waren. Schlichtweg genial waren die Arrangements und Produktionsideen sowie Zappas Gitarrensoli, die viel Anschauungsunterricht für ambitionierte Nachwuchsmusiker boten.

„Camarillo Brillo“ – ein witziger Song über eine Liaison mit einer mexikanischen Magierin – besitzt Hitpotential und enthält viele interessante kleine Farbtupfer, beispielsweise die Country-Piano-Fills und die Bläsersätze mit Mexiko-Feeling. Bei „I’m The Slime“ entdeckt Zappa den Sprechgesang und beschreibt auf bissige Weise den Einfluss des Fernsehens auf alle Gesellschaftsschichten. „Dirty Love“ , das Einflüsse aus Bluesrock und Funk aufgreift, ist eine lässige Persiflage auf typisches Macho-Verhalten und hat ein erstklassiges Gitarrensolo. „Fifty-Fifty“ ist im Kontext des Albums der einzige etwas schwächere Song, da Ricky Lancelottis Gesang eher gewöhnungsbedürftig ist – die Synthesizer- Geigen- und Gitarrensoli reissen das Stück dann aber doch noch heraus. Absurder wird es in „Zomby Wolf“, das von einem Zombie handelt, den es nach sexueller Befriedigung gelüstet. Auch bei „Dinah-Moe Humm“ geht es textlich zur Sache, denn dieses Stück handelt davon, wie man eine Frau zum Höhepunkt bringt: „I whipped off her bloomers and stiffened my thumb/ And applied rotation on her sugar plum“. Abgerundet wird „Over-Nite Sensation“ durch den grandiosen späteren Live-Favoriten „Montana“, der die überdrehte Geschichte eines Mannes erzählt, der nach Montana ziehen will, um dort Zahnseide anzubauen.

20 Gedanken zu “

    1. „Camarillo Brillo“ oder „Zomby Woof“ sind griffige Titel, die sich unwiderruflich in den kleinen grauen Gehirnzellen festsetzen. Das absurdeste ist aber wohl eine Hymne an die Zahnhygiene mit dem Titel „Montana“, auf der Tina Turner & The Ikettes Background singen.

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      1. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Zappa in seinen Rechten der freien Meinungsäusserung und der freien Ausübung seiner künstlerischer Darstellung immer wieder offen oder versteckt behindert wurde. Er hat trotzdem nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten.

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    1. Auf „Overnight Sensation“ erscheint oft das Wort Pudel. Zappa verwendet das Wort so oft er kann, was eindeutig komisch wirkt, weil es in den unmöglichsten Momenten auftaucht. So kommt z.B. nach „zurkon encrusted tweezers“ oder „dental floss“, immer wieder das Wort „poodle“. Ich habe mich schon gefragt, ob sich Zappa für Hunde interessiert hat?

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      1. Gute Interpretation! Danke! Ich denke, wenn man irgendein beliebiges Wort nimmt, es häufig genug wiederholt und an Stellen einsetzt, wo man es nicht erwartet, nimmt es eine neue Dimension an.

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  1. Meine Lieblingsphase von Frank Zappa war von „Uncle Meat“ bis „Zoot Allures“ und so gegen 1977 hab ich ihn auch live in Wiesbaden gesehen, einfach toll.

    Dann habe ich aber das Interesse verloren, Künstler, die fünfzig Alben veröffentlichen, waren mir irgendwie zu anstrengend… 😉

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    1. Zappa entwickelte sich mit den Jahren zu einem Workaholic und der Zugang zu seinem Werk wurde immer nerdhafter. Er selber unterstützte diese Veröffentlichungspolitik, mit seinem Hang zur Umbenennung und ständigen Überarbeitung älterer Stücke. Zudem kursierten jede Menge illegale Mitschnitte von Konzerten auf Bootlegs. Live habe ich den Meister auch einmal gesehen, 1979 in Zürich.

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    1. I am gross and perverted
      I’m obsessed ’n deranged
      I have existed for years
      But very little has changed
      I’m the tool of the Government
      And industry too
      For I am destined to rule
      And regulate you

      „I’m the slime“

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      1. I was influenced by the radio in my youth because we didn’t had a record player at home. In the mid-sixties, I often heard Radio Caroline a pirate radio station who broadcasted from a ship on the English coast. Later I listen to John Peel’s famous „Festive 50“ on Dandelion Radio. In the 70s was Francois Mürner Mr. Radio in Switzerland. He played a lot Zappa stuff. Even „Bobby Brown“ went through without protest from the churches or radical feminists.

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      2. I had some great late night jocks but you were lucky with what you were listening to. No wonder you have such eclectic tastes. TV was a wasteland . A few programs slipped by like you say. That whole „Radio Caroline“ is so cool.

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