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The Cramps, Songs The Lord Taught Us, 1980

Produzent/ Alex Chilton

Label/ IRS

„Songs The Lord Taught Us“ zelebriert die kitschigen Elemente der Americana des 20. Jahrhunderts. Beim Debüt zerkauen die Cramps Rockabilly-Riffs, Punkrebellion und B-Film-Metaphern und spucken einen glorreich-urzeitlichen Klumpen Rocklärm aus.

Zur Aufnahme der schrägen Vision begab sich die Band ins Sam C. Philips Studio in Memphis, wo Elvis und Jerry Lee Lewis ihre frühen Songs eingespielt hatten. Die Lieder sind nostalgisch, doch unglaublich frisch. Bei „TV Set“ – der grotesken Story eines Irren, der seine Freundinnen schlachtet – wird der Surfbeat von Lux Interiors Wolfsgeheul und dem Punklärm von Poison Ivys Gitarre durchbohrt.

„I Was A Teenage Werwolf“ und „The Mad Daddy“ klingen wie Direktübertragungen aus Draculas Schloss, dank der aufeinandergeschichteten Echos des Produzenten Alex Chilton.

Eigentlich hätte „Songs The Lord Taught Us“ ein Riesenerfolg werden müssen. Die Kritiker waren begeistert, doch Probleme innerhalb der Band machten alle Erfolgschancen zunichte. Während einer US-Tournee 1980 entführte der Gitarrist Bryan Gregory den Van der Band mit der gesamten Ausrüstung, verkaufte die Geräte zur Finanzierung seiner Drogensucht und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Vielleicht war die LP kommerziell ein Desaster, doch sie schlug riesige Wellen. Gruppen wie The Gun Club und The Birthday Party erkannten, dass sie Musik nur auf eigene, verbogene Weise neu erfinden mussten.

14 Gedanken zu “

  1. Mordsgeil. Immernoch und immerwieder. 🙂 Eine Assoziation hätte ich noch anzubieten: Screaming Lord Sutch aus den frühen 60ern; produziert von Joe Meek – legendär abgefahren. Da stellt sich die Gleichung: Lord Sutch mal Ramones geteilt durch Lou Reed = The Cramps.

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    1. Interessante Mischung! Ich würde da noch Elvis hinzunehmen. Insgesamt eine wahrhaft uramerikanische Kreation im Sinne des Cadillacs oder des Hamburgers oder der Fender Stratocater.

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    1. Das meiner Meinung beste Album von den Cramps ist immer noch „ A Date With Elvis“. Live hat sich die Band von ihrer besten Seite gezeigt. Das habe 1986 im Volkshaus in Zürich erlebt: Das Konzert war radikal, obsessiv und gefährlich. Lux war die Boxentürme zum Balkon hochgeklettert und hatte dort von einem Skinhead einen Faustschlag verpasst bekommen. Blutüberströmt kletterte er auf die Bühne zurück und setzte die Show fort, als wäre nichts gewesen. Währenddessen krochen in der Menge ein paar Leute am Boden herum und kassierten Fusstritte. Masochismus pur. Aber das passte zu den Cramps.

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      1. Das Klettern auf den Boxentürmen hat er gerne gemacht. Der Mann konnte was wegstecken, keine Frage. In München hat er mal eine Flasche Rotwein vor dem Konzert weggezogen und diese dann beim Turnen auf den Lautsprechern kopfüber wieder von sich gegeben, Konzert ging trotzdem intensivst weiter. Ein anderes Mal ist er unversehens durch die marode Bühnenbretter nach unten durchgebrochen, jeder andere hätte bei so einem Mist sofort das Konzert abgebrochen, der gute Lux hat’s mit Humor genommen…

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      2. Der gute Lux lebte einfach etwas wilder und gefährlicher. Dass er 63jährig gestorben ist, hat mich nicht erstaunt. Die Musik und die Texte der Cramps haben diesen gesamten Lebensstil widerspiegelt.

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      1. The dark side of rockabilly! The Cramps took good ol‘ rockabilly and make it rabid and raunchy. Poison Ivy was HOT, the guitar work super, Lux Interior was the dark Elvis. The Cramps had a smirky humor in their songs; without it, you might think that they took themselves and their music too seriously. By the way, they were fantastic in concert, I saw them 1986 in Switzerland!

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      2. That concert was obsessive, dangerous, offside. Poison Ivy was hot and vulgar and cool. Lux Interior climbed the loudspeaker towers up to the balcony and received a fist blow. He climbed back to the stage covered with blood and sang on. In the audience some people crawled on the floor, who were kicked by others with feets. It was pure masochism. But somehow it suited to the Cramps

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