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Iggy Pop, Brick by Brick, 1990

Produzent/ Don Was

Label/ Virgin Records

In den 80er Jahren wandelt sich Iggy Pop – teilweise finanziell völlig mittellos – vom Pogo-Propheten zum Disco-Draufgänger. Doch bei allen instrumentalen Glättungen und gezähmten Titeln auf Alben wie „Party“ (1981) oder „Zombie Birdhouse“ (1982) entzieht sich Iggys traumatisches Timbre allen Domestizierungsversuchen. Bowies Produktion „Blah, Blah, Blah“ (1986) lässt mit ihrem artifiziellen Touch und elektronischen Design den früheren Punk-Performer als Soundtrack-Lieferanten für die Yuppie-Generation erscheinen. Erst der versierte Produzent Don Was bringt den schlingernden Pop zur alten Erfolgsformel zurück: laut, lasziv und rau. Ob wohl seine Leidenschaften sich mittlerweile als Linien tief in sein Gesicht eingekerbt haben, beweist „The Ig“ mit dem Album „Brick By Brick“ seine stürmische Vielfalt.

Von Knochenbrecher-Hymnen im Verein mit Slash und Duff von Guns N‘ Roses bis zu folkloristischen Variationen mit David Lindley und Waddy Wachtel reicht der Spannungsbogen. Besondere Mühe hat Hr. Osterberg sich auf diesem Album auch mit dem Songwriting gegeben – einzig „Butt Town“ und „Moonlight Lady“ klingen etwas beliebig – der Rest ist wirklich überdurchschnittlich – vor allem im Hinblick auf Iggy’s Gesamt-Oeuvre.

Von den nicht Krachern seien vor allem die Balladen „Main Street Eyes“, „Candy“ (tolles Duett mit der B-52’s Sängerin Kate Pierson) und natürlich der Klassiker „Livin‘ On The Edge Of The Night“ hervorzuheben, aber auch das Titelstück ist sehr gelungen. „Starry Night“ hat eine eigentümliche, aber äusserst einnehmende Reggae Anmutung, und bei den Rockern kann man sich kaum entscheiden, welcher jetzt von „Home“, „Neon Forest“, und „My Baby Wants To Rock & Roll“ stärker abgeht. „Pussy Power“ – was für ein Titel – ist dann der beste Sisters Of Mercy Song, den diese nie geschieben haben und „I Won’t Crap Out“ und „The Undefeated“ sind grosse Akustik gitarrenlastige Pop Pop-Songs.

16 Gedanken zu “

    1. Das war zwar nicht mein erstes Album von Iggy Pop, aber ich finde „Brick By Brick“ wirklich gut. Wer eher auf die exzentrischen Kult-Alben steht, wird vielleicht von der Solidität enttäuscht sein.

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  1. As much as I like Iggy, I’m not actually familiar with this one… one of those that I grabbed when I was getting into his stuff, but I don’t recall ever listening to it. I’ll make sure I give it a listen!

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    1. Some people might not like „Brick By Brick“ due to it’s calmer nature but I personally like this album. It’s not „Raw Power“ or „Fun house“, but it’s still a pretty good album. Iggy shows his talents as a song writer here as evidenced by such songs as „Mainstreet Eyes“ and „Home“ and a few others. And it has the classic Iggy song „Candy“, also my „My Baby Wants To Rock And Roll“ is a nice song.

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  2. „Lust for life“ und „Avenue B“ sind meine Lieblingsalben von Iggy. Platz 3 ist die überall unterschätzte „New Value“. Die „Brick by Brick“ hab ich damals übersehen. Mal schauen. Nachträglich. Es war ja noch die Zeit der Nachholkäufe nach dem Mauerfall und da gab es eben wichtigeres, wie z.B. die „Lust for Life“, denn der „Passenger“ musste unbedingt ins eigene Archiv.

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    1. „The Passenger“ ist scheppernder, sich stets wiederholender Schrammelpunk, pure und simpel – und eben daher unerreicht genial! Auf „Brick By Brick“ zeigt der zu dieser Zeit schon über 40- jährige Iggy zeigt mehr seine romantische Seite, und lässt weniger den Punk- Rocker raushängen. Aber überzeugen tut er auf jeden Fall.

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  3. „Lust for Life“ und „Idiot“ sind sicherlich zu recht sehr hoch gepriesene Alben von Iggy. „Brick by Brick“ sollte ich vielleicht mal wieder eine Chance geben….viel zu wenig beachtet ist meiner Ansicht nach „American Caesar“, mag aber auch sein, dass aufgrund persönlicher Ereignisse das Album bei mir so positiv gefärbt ist 🙂

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    1. „Brick By Brick“ ist ein Album, das mir persönlich sehr gefällt. Es hat eine durchgängige Linie und kaum ein Song hat einen Durchhänger. Obwohl Iggy als der Inbegriff der harten Tour gilt, ist seine Zerbrechlichkeit in jeder Note spürbar. „American Caesar“ ist für mich eher Mittelmass, wobei man allerdings sagen muss, dass die Aggression und teilweise absichtliche Atonalität des Albums generell einen gewissen Charme versprüht.

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