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Billie Holiday, Summertime, 1936

Text/Musik/ George Gershwin

Produzent/ John Hammond

Label/ Columbia

„Summertime“ ist zunächst einmal die wichtigste, die zentrale Arie von „Porgy And Bess“. Die Komposition kommt in allen drei Akten vor, insgesamt vier Mal. Die späteren Jazz- und Popversionen beziehen sich speziell auf die erste Szene des ersten Akts der Oper – da singt Bess das hoffnungsfrohe Lied vom leichten Leben an einem Sommertag.

Die Stücke, die George Gerswhin für „Porgy And Bess“ komponierte, sind voller Hinweise auf Gospel und Blues, beziehen sich auf volkstümliche Musik speziell des US-amerikanischen Südens – und auf Dixieland und frühen Jazz. Die Ausnahme ist „Summertime“, das Gershwin auch als erste Komposition beendete. Die Idee für dieses Lied kam ihm bereits 1926, als er das ukrainische Wiegenlied „Ein Traum geht am Fenster vorbei“ hörte. Den melancholischen, eigentlich im Kontrast zum Text stehenden Grundton der osteuropäischen Komposition behält Gershwin bei. Er setzt das Stück jedes Mal kurz vor einem Todesfall ein, im ersten Akt fungiert es aber tatsächlich als Wiegenlied.

„Summertime“ wird bis heute immer wieder neu aufgenommen. Ein erstes Mal landete das Wiegenlied bereits 1936 in der Hitparade: Billie Holiday schaffte es mit ihrer Version auf Platz zwölf. Die Menge der hervorragenden, hörenswerten Varianten ist unüberschaubar, erwähnt seien hier die Versionen von Sam Cooke, Al Martino und Ricky Nelson. Kommerziell besonders erfolgreich und besonders ungewöhnlich ist die Aufnahme des Soulsängers Billy Stewart von 1965, der den Song als imposante Scat-Nummer zelebriert.

Hörenswert ist auch die raue Version von Janis Joplin aus dem Jahr 1969, an die man sich vielleicht zuerst einmal gewöhnen muss. Aber gerade diese eigenwillige, aggressive und fast bis an die Schmerzgrenze reichende Stimme hat für mich etwas faszinierendes. Zudem ist ihre Interpretation dieser Gershwin-Komposition ein Zeitdokument, das die damalige Stimmung bestens trifft.

 

9 Gedanken zu “

    1. Die Version von Janis Joplin ist sehr eigenwillig, aber gerade dadurch unschätzbar. Sie singt den Song vollkommen in heiserer Manier, fast wie eine völlig verrückte Hexe. Eine internationale Gesellschaft von Sammlern von Aufnahmen des Songs, die sich „The Summertime Connection“ nennt, sammelt Coverversionen dieses Liedes. Mit Stand vom 1. Februar 2016 verzeichneten sie etwa 52.300 komplette Aufnahmen von Summertime. (Wikipedia)

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      1. Da hast du recht! „Summertime“ ist eines der am meisten interpretierten Musikstücke überhaupt. Kommerziell dürfte allerdings Paul McCartneys „Yesterday“ erträglicher sein, denn „Summertime“ war und ist kein wirklicher Chartbreaker. Wohl aber eines der einflussreichsten Stücke des Jazzkanons und der Popgeschichte.

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    1. Billie Holiday’s „Summertime“ is gorgeous. It’s a absolutely superb and relaxing slice of Lady Day. I also like Janis‘ version. She turns the song into a blues rock. Her voice hurts in my ears a little…

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      1. Like i said Billie is easily one of my top 3 vocalists and for the reason you noted. „relaxing“ and subtle. All great singers live the song, none better than her. I do like Joplin’s take but yeah she does the same to me. It would have been interesting if she would have toned it down as she got older. Sort of like Joe Cocker.

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