front.jpg

Captain Beefheart And the Magic Band, Ice Cream For Crow, 1982

Produzent/ Captain Beefheart

Label/ Virgin Records

Captain Beefheart verbrachte einen Grossteil seines Lebens in der Mohave-Wüste, was an sich schon kurios ist, denn er litt unter einer Sonnenallergie und kam erst im Dunkeln aus seinem Wohnwagen heraus, um buchstäblich den Kojoten gute Nacht zu sagen. „I was born in the desert“ ist der erste Vers, der auf Beefhearts Debutalbum „Safe As Milk“ zu hören ist. Nicht zufällig begann auch PJ Harvey ein Album mit diesen Worten, stand sie doch laut eigener Aussage seit vielen Jahren im regelmässigen Telefonkontakt mit Van Vliet. Sie übernahm sogar das Anfangsriff und pitchte es auf Zeitlupe herunter.

Auch in Van Vliets Malerei ist die Wüste omipräsent und ubiquitär belebt. Jeder energisch gezogene Strich, jede in diffusen Grenzen ausfliessende Farbfläche auf der Leinwand scheint ein Eigenleben zu leben. Menschliche Gestalten haben Tierköpfe, auf Tierkörpern thronen menschliche Fratzen, Gliedmassen ragen undefinierbar aus den Körpern heraus. Seine Bilder überlagern sich in verwirrender Gleichzeitigkeit, wie es seine musikalischen Ideen ebenfalls zu tun pflegen. Legendär ist das grosse Skizzenbuch, das Beefheart in den 1970er Jahren häufig in einer Plastiktüte bei sich trug, und das randvoll bemalt war mit den zwittrigen Wesen seiner wüsten Fantasie.

Nach dem Album „Ice Cream For Crow“ verkündete Beefheart seinen Abschied von der Musikszene und widmete sich ganz der Malerei. Der Maler und Filmregisseur Julian Schnabel machte ihn in Kunstkreisen bekannt, die Galerie Ludwig stellte aus, Beefhearts Bilder erzielten hohe Preise, und erstmals konnte Don Van Vliet von seiner Kunst gut leben.

9 Gedanken zu “

    1. Ob es nur am mageren Verkauf seiner Alben oder auch an anderen Gründen lag, dass der Captain seinen Abschied von der Musikszene verkündete, kann ich nicht sagen. Aber wenn ich mir das von Anton Corbijn geknipste Foto auf der Cover-Vorderseite von „Ice Cream For Crow“ ansehe, habe ich den Eindruck, dass ihm diese Entscheidung damals schon irgendwie ins Gesicht geschrieben war. Für ihn persönlich war die Entscheidung goldrichtig, weil er als Maler unter seinem bürgerlichen Namen Don Van Vliet nachher viel mehr verdiente als je zuvor. Und dass er als Musiker ein gewaltiges Werk hinterlassen hat, dürfte wohl jedem klar sein, der an Bluesmusik mit persönlicher Note und gesundem Experimentiergeist interessiert ist.

      Gefällt 1 Person

    1. Obwohl Zappa und Beefheart eine lange musikalische Geschichte miteinander verband, gibt es relativ wenig gemeinsame Produktionen. Das mag sicherlich auch an den kleineren bis mittleren Streitereien zwischen den beiden gelegen haben. Doch „Bongo Fury“ scheint alle positiven Energien dieser Kooperation freizusetzen. Allein was sich Beefheart auf „Debra Kadabra“ aus der Seele schreit ist unglaublich! Ein Meisterwerk ist auch das von Captain Beefheart gesungene „Willie The Pimp“ auf Frank Zappas „Hot Rats“.

      Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.