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The Mothers Of Invention, Fillmore East – June 1971, 1971

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Bizarre Records

Dies ist das erste offizielle Live-Album von Frank Zappa. Nach den Aufnahmen zu „200 Motels“ ging Zappa 1971 mit der neuen Mothers-Besetzung auf Tournee. Dazu gehörten Flo und Eddie, die Underwoods, Jim Pons (Ex-Turtles-Bassist), George Duke, Ansley Dunbar und Jimmy Carl Black. Gerade noch rechtzeitig vor der Schliessung des Fillmore East in New York fanden im Juni 1971 die Aufnahmen zum gleichnamigen Album statt.

„Fillmore East – June 1971“ hatte ein Cover aus schlichtem weissen Karton, das einem der gerade beliebt werdenden Bootlegs ähnelte. „Fillmore East“ profitierte von dem Schwung der Proben zu „200 Motels“. Flo und Eddie erreichten neue Gipfel des Improvisations-Kabarett-Gesangs und krönten die trashige Performance mit einer Smash-Hit-Version des Turtles-Klassikers „Happy Together“. Am letzten Tag schauten John Lennon und Yoko Ono vorbei und kamen auf die Bühne. Das Ergebnis war eher unerquicklich, vorallem dank Yokos sinnlosem Geschrei und der miesen Mischung, die im Juni des Jahres auf Lennons Album „Sometimes In New York City“ veröffentlicht wurde. Sehr zum Ärger Zappas wurde er auch noch um einige Urhebertrechte gebracht, die er sich dann aber durch eigene Veröffentlichungen und Remixe im Handstreich wieder zurückholte.

Am 4. Dezember 1971 spielten die Mothers in Montreux. Dort brach bei einem Gig Feuer im Casino aus. Deep Purple verewigten diesen Vorfall in ihrem Hit-Song „Smoke On The Water“. Die Mothers konnten sich wie alle anderen in Sicherheit bringen. Doch die gesamte Anlage verbrannte. Dennoch liess sich Zappa überreden, die Tournee mit gemietetem Equipment fortzusetzen. Dadurch sollte als noch schlimmer werden. Beim Konzert im Rainbow Theatre in London lief alles glatt bis zum Ende der ersten Zugabe, dem Beatles Hit „I Want To Hold Your Hand“. Als Frank danach unter Beifall wieder auf die Bühne kam, um eine weitere Zugabe anzukündigen, wurde er von einem Konzertbesucher in den Orchestergraben gestossen, wo er mit schweren Verletzungen liegenblieb. Der Täter wurde festgenommen. Als Motiv nannte er Eifersucht, weil seine Freundin auf Frank Zappa gestanden habe. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das entsprach ungefähr dem Zeitraum, den Frank benötigte, um von seinen Verletzungen zu genesen.

16 Gedanken zu “

  1. Der Beitrag sagt sehr wenig über die Live-LP selbst, und das passt auch, über diese Scheibe gibt es neben der altbekannten Entstehungsgeschichte nicht viel zu berichten, außer das sie eine der schlechtesten Zappa-Live-Aufnahmen ever ist.

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    1. Als Fan von Zappas Musik, vor allem in der Schweiz, musste man im Vor-Informations-Zeitalter, mangels Lagerbestand in den Plattenläden, das neue Album oft selbst bestellen. Es dauerte einige Woche, bis dann die Schallplatte kam. Dafür hatte das Produkt auch einen hohen und langen Gebrauchswert. Auf „Fillmore East – June 1971“ war ich damals besonders stolz. Es ist eine sehr humorvolle Scheibe. Zappa als Komiker, dazu Flo und Eddie, die den Gesangsteilen neuen Drive und Glanz verleihen. Stücke wie „Bwana Dik“, „What Kind Of Girl?“ und „Do You Like My New Car?“ sind einfach aberwitzig, zumindest wenn man die Texte versteht.

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      1. Hinsichtlich Texten ist das so, war ja bei Zappa in der Regel nie anders. Musikalisch mochte ich die Scheibe nie, wie auch die Beiträge von Flo und Eddie nicht. Hab das Teil irgendwann beim Second-Hand-Dealer verhökert und die Entscheidung nie bereut ;-))

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      2. Eigentlich lassen sich ja alle Alben von Zappa wie unterschiedliche Entwicklungsstufen hören. Insofern ist „Fillmore East – June 1971“ vorallem eine Entfaltung eines viele Jahre zurückliegenden musikalischen Ansatzes (Lenny Bruce lässt grüssen!). Zappa Scheiben verlangten genaues Zuhören, dass Erfolgsgruppen wie Led Zeppelin oder Deep Purple den Pop-Fans abgewöhnt hatten.

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      3. Das kann man absolut so sehen, mal dahingestellt, ob die einzelnen Phasen allesamt auf individuelles Wohlwollen stoßen. Nach der „Fillmore“-Scheibe wurde es in den frühen Siebzigern bald wieder richtig spannend bei FZ, allerspätestens mit „The Grand Wazoo“ + Fortfolgende…

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  2. Ein heißes Häppchen Rockgeschichte. Aber so richtig wurde ich mit ihm nicht warm. Ein paar der kommerzielleren Alben – okay: Sheik Yerbuti, You are what you is, Joes Garage ; mit den Jahren wurde er immer unsympatischer, weil bekannt wurde, wie er seine Mitmusiker um Autorenschaften erpresste, für Einfälle, die gar nicht seine waren… er kritisierte immerwieder das Establishment und starb. In Mecklenburg gründete sich die Zappanale: Ein paar Althippies und Zappa-Enthusiasten holten Bands zusammen für ein progressives Ost-Wacken (mit deutlich kleinerer Anziehungskraft); die Witwe Zappa erfuhr davon und verklagte die Macher auf Berge von Geld oder Einstellung ihrers Betreibens. US-Anwälte gegen ein paar Idealisten. Schönen Dank auch Frau Witwe vom Mr.Profitgiergeißler!
    Irgendwie ging es in 1.Instanz noch gut für die Idealisten aus. Aber von der Zappanale hab ich lang schon nichts mehr gehört.

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    1. Das Universum Zappa war und bleibt ein offenes System, das von verschiedenen Seiten her betreten und in verschiedene Richtungen begangen werden kann. Einen Rang als konsequenter Innovator hat er im Kontext der progressiven Rockmusik dauerhaft sicher. Anderseits war Zappa, wie von Dir schon erwähnt, in seinem Festhalten an einem veralteten bürgerlichen Werk-Begriff ausgesprochen konservativ. Als ausgeprägt unternehmerischer Individualist war er wohl nicht fähig, als Gleicher unter Gleichen zu arbeiten. Zappa führte seine Musiker wie ein Orchester-Chef und liess ihnen nur dann Freiraum, wenn es ihm ins Konzept passte. Dabei hätte gerade er, der mit hierarchisch verfassten, bürokratisierten Klangkörper nichts als schlechte Erfahrungen gemacht hatte und sich immer wieder kritisch über das bornierte System der E-Musik-Fabrikation äusserte, es besser wissen müssen.

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  3. Naja, wenn schon Zappa Live, dann aber eher Roxy & Elsewhere, oder?

    Ich bin aber kein Zappa-Spezi, viele seiner Werke gehen oder gingen mir eher auf die Nerven.
    So bin ich eher bei den „Pop“-Alben gelandet und geblieben, wie Hot Rats, Over-Nite Sensation, Apostrophe,
    Roxy & Elsewhere, One Size Fits All, Bongo Fury und Zoot Allures. Und Ruben & The Jets.

    Aber das sind ja auch schon ein paar Scheiben, oder? 😉
    1977(?) habe ich ihn mal Live in Wiesbaden gesehen, das war richtig gut!

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    1. „Fillmore East -June 1971“ ist eigentlich eine Entwicklung des „200 Motels“-Projekt. Zappa verquirlte hier seine Songs mit allerhand Pseudo-Symbolik zu einer surrealistischen Show mit Unterhaltungswert. Einige der Anspielungen und Querverweise dürften wahrscheinlich nur von den Bandmitglieder selbst verstanden worden sein, andere, wie etwa die Diskussion von Penis-Längen, hatten gerade universellen Charakter. Dazu kamen Fachfragen, etwa den korrekten Umgang mit Groupies oder Makrobiotik betreffend. Die Besprechung von dem Album „Roxy & Elsewhere“ findest Du in meiner Backlist. Ein Zappa-Konzert habe ich 1979 in Zürich auch einmal besucht. Eines der schönsten und lustigsten Zappa-Bücher, die ich kenne, ist immer noch Urban Gwerders „Alla Zappa“.

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  4. Vielleicht auch noch ein kurzer Kommentar von mir: Die Platte Freak Out, Absolutely Free und 200 Motels sind Konzeptalben, die aber mit klassischen Kompositionsmethoden (wenn auch sehr modernen) realisiert wurden. Dagegen stehen frühe Alben wie Weasels ripped my flesh und seine Reminiszenz an seine Lieblingsmusik: Cruising with Ruben and the Jets als Alben ohne eindeutiges Konzept.. Live at the Fillmore ist aus verschiedenen Gründen neu: Es ist ein Konzept Rock Album (Es gibt 2 Alben, die teilweise Konzept Rock Alben sind, die allerdings erst danach veröffentlicht wurden: Just another band from L.A., auf deren einer Seite Billy the Mountain ist, die andere Platte heisst Studio Tan, ist 2 Jahre später herausgekommen und beinhaltet das Stück Gregory Peccary, über das arbeitsame Wildschwein aus Südamerika); er bereitet eine verifizierte Geschichte auf; er verbindet es mit der Realität der Musiker, die zu dem damaligen Zeitpunkt für ihn gearbeitet haben (Flo & Eddie von den Turtles).
    Die Geschichte ist die der Band (the Mothers), die sich im Edgewater Inn in Seattle befinden, bzw. etwa 200 m im Pazifik, wo man sich an der Rezeption eine Angelrute leihen kann. Das taten einige Mitglieder der Mothers. Es gab aber auch Groupies, die an den Bandmitgliedern interessiert waren.
    Ein Groupie im besonderen war bereit mit einem „mud shark“, wohl einem kleineren Hai, zusammen in die Badewanne zu steigen, um ihrem Ziel näher zu kommen und die Lust verschiedener Bandmitglieder zu befriedigen. Carmine Appice, der berühmte Schlagzeuger der Band „Vanilla Fudge“ stieg zur gleichen Zeit mit seiner Band dort ab und bekam die Geschehnisse mit und meinte, er hätte nie etwas Verruchteres gesehen. Zappa, der ein distanziertes Verhältnis zu seinen Musikern pflegte, bekam all das bestimmt am Rand mit, und machte daraus sofort eine Reihe von Texten (belegt von seinem authorisierten Autographen, der Bobby Martin (Keyboards, Saxofon, Falsett, 1. Geige) zitiert, der meinte, das Zappa „ALLES“ festhält.
    Wenn man den Text der einzelnen Stücke betrachtet, geht es erst um das anbandeln zwischen 2 Groupies und den Band Mitgliedern, dann wird die Sache konkreter und die Mädchen wollen erst eine Bestätigung, dass die Musiker auch wirklich Stars sind (a hit single with a bullet…) es kommt zu einem „tribal dance“: I am Bwana Dik, me Bwana Dik, den ich als einen ironischen Kommentar zu rassischen Diskussionen der Zeit werte. Und dann sagt Mark Volman, der Flo von den Turtles: Bend over and spread ‚em, cause here comes my bullet! Und sie singen ihren Hit. Zappa beschreibt für mein Gefühl die Pervertierung der freien Liebe der 60er, die er zuhause aber lebte. Wie immer bei Zappa, sind die Einlassungen, pointiert und/oder pornographisch immer auch ein Kommentar über die damalige Zeit.

    Ich mag wirklich alle Zappa Alben, wenn es auch bei mir welche gibt, die ich nicht ganz so sehr liebe. Es aber angemerkt, dass es bis zur Trilogie Joe’s Garage dauern sollte, bis ein weiteres Konzept Album herauskam, und danach wieder Zeit verstrich bevor er sich dem Mammut Projekt Thing Fish zuwendete.
    Zu seinem Stil, alles selbst zu machen, gibt es folgendes zu sagen: frühe Dokumente weisen darauf hin, dass er anfangs immer wieder grosse Summen verlor und er merkte, das die (ebenbürtigen) Bandmitglieder kein Interesse an teilen (im Guten wie im Schlechten) hatten. Er löste nach 1971 die Mothers auf und war danach Chef. Man kann sich diverse (Film) Dokumente anschauen -Interviews, Grandmothers, man wird eigentlich niemanden finden, der über Zappa ein schlechtes Wort verliert, und die Liste fantastischer Musiker, die gerne für ihn arbeiteten, ist lang.

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    1. Sehr gut gesagt. Danke für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass es doch noch einige unabhängige, freilaufende Zappa-Fans gibt. Zu erwähnen wäre hier noch der Musikfilm „200 Motels“ von 1971, dessen revolutionäre Ästhetik damals kaum gross verstanden wurde. Das Script zu „200 Motels“ hatte Zappa aus unendlichen Mengen von Notizen collagiert, die er auf Tourneen der Mothers auf Zettel und Notenpapier gekritzelt und gesammelt hatte, quasi als soziologisches Substrat des Films. Zappa bezieht sich dabei auch nicht auf die autoritäre Authentizität des Symphonieorchester wie etwa Deep Purple in „Concerto For Group And Orchestra“ (1969), sondern er verfolgt dessen innere Logik bis zum Punkt der Absurdität und Zerstörung. „200 Motels“ ist ein nicht auszuinterpretierendes Gesamt-Kunstwerk, das seine hirnzellenanregende Funktion auch bei mehrfachem Genuss nicht verliert, sondern eher steigert.

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    1. Funny Flo & Eddie of the Turtles with Frank Zappa, what a team! I was just 18 when the record came out in 1971. The language paints some explicit pictures with hilarious references and a quirkiness of this time.

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