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Ry Cooder, The Prodigal Son, 2018

Produzent/ Joachim Cooder, Ry Cooder

Label/ Fantasy Records

Seit mehr als vierzig Jahren bin ich ein Van Morrison Fan – und nun fassungslos, was der in letzter Zeit für lustlose, belanglose Dudel-Alben veröffentlicht. Eben solange bin ich auch begeisterter Hörer der Musik Ry Cooders – und im Gegensatz zu Van Morrison hat der nun ein ein Album zum Träumen veröffentlicht. Die alten Vocalists sind wieder dabei (auch noch der leider im Januar verstorbene Terry Evans), Sohn Joachim und einige wenige Studiomusiker. Den Rest der Instrumente, natürlich alle Gitarren, hat Ry Cooder selbst übernommen. Rys Stimme ist dunkel, fest, besser denn je und passt zu den Songs so gut, dass man sie sich von niemand anderem gesungen wünscht. Er legt eben seine Seele hinein (was Van Morrison auch einmal getan hat, aber nicht mehr willens ist zu tun).

Die Hauptsensation sind aber die Songs selbst, einige Eigenkompositionen, aber vor allem Schätze aus dem amerikanischen Folk-, Blues- und Gospel-Book. Ry Cooder scheint es um eine Erinnerung an die Grundwerte der Moral zu gehen, und er bedient sich dabei vor allem der Tradition schwarzer, religiöser Musik. Dies geht unter die Haut, selbst wenn man kein religiöser Mensch ist. Nach „You Must Unload“ möchte man garantiert einiges von seinem Plunder verschenken. Die zentrale Botschaft, die eigentlich in allen 11 Songs zu finden ist: Wenn wir unser Leben – persönlich wie global – nicht ändern, sind wir verloren, haben wir unsere Chance gehabt, aber verspielt. Wer möchte solche Aussagen angesichts unserer Gegenwart da einfach als „naiv“ vom Tisch wischen? Ry Cooder hat ein Album gemacht, das man in mehrfacher Hinsicht als „himmlisch“ oder „für die Ewigkeit“ bezeichnen kann. Man kann sich auch als Träumer wehren, dank der Kraft dieser Musik. Thanks, Ry!

12 Gedanken zu “

    1. Van Morrison ist zu einem Sänger geworden, der glatt an der Oberfläche seinen Job erledigt. Ry Cooder hingegen ist zum Folk, Blues und Gospel zurückgekehrt. Dank seinen Arrangements sind aus Traditionals oder Songs von Oldtime-Musikern wie Blind Willie Johnson oder Blind Alfred Reed wunderbar groovende, ekstatische Songs geworden, die in den heutigen, zerrissenen Zeiten wie ein aktueller Appell wirken.

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      1. So ist es. Alles, was der Ungustl aus Belfast nach der „Healing Game“-Scheibe unters Volk gebracht hat, war die Zeit zum Anhören nicht wert, Cooder hat dagegen seit seinem exzellenten Debüt mit Ausnahme von ein paar schwindligen Soundtracks in der Regel Roots-Musik, Working Class Blues und „Weltmusik“-Kollaborationen auf höchstem Niveau geliefert.

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  1. This is fantastic. Don’t give up on Van. Funny you should mention him. I was listening to his ‚Magic Time‘ this morning. But I do get your point. There are a few of the old school that I’d like to see strip it down like this Ry stuff. He just keeps doing it.

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    1. The last album of Van Morrison, that sounds clear, precise and sensitive to me, is „The Healing Game“. I don’t like the synthesizer-mucus-clouded sound of its later albums so much. But such albums as „Astral Weeks can only be made once in a lifetime …

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      1. All those scientology and new age kitsch self-confession efforts on „Beautiful Vision“ (1982), „Inarticulate Speech Of The Heart“ (1983), and „Sense Of Wonder“ (1985) don’t need a review but a doctor.

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    1. The album has a lot secular blues material and religious material from the early 20th century. I’m not sure of Ry Cooder’s beliefs, nor am I that interested. I think of him as I do on Robert Johnson, Blind Willie McTell, Woody Guthrie, Charley Patton, etc. as a pure, primal force and expression of all that is great in American music.

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