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The Sonics, Psycho, 1965

Text/Musik/ Jerry Roslie

Produzent/ Buck Ormsby

Label/ Etiquette

Lange vor der Grunge-Ära hatte der Pazifische Nordosten den Ruf, wunderbar elementaren Arbeiter-Rock’n’Roll hervorzubringen, weit weg vom Glamour der Musikbusiness-Zentren wie Los Angeles und New York. Bands wie die Kingsmen aus Seattles waren geographisch so abgeschieden, dass sie ihren eigenen Sound herausarbeiten konnten und mangels Zugang zu grossen Studios eine Do-It-Yourself-Ethik praktizierten, aus der sich später die Punk-Szene entwickelte.

Die Sonics, das waren fünf Teenager aus dem nieseligen Tacoma, Washington, deren verrückte Debüt-Single „The Witch“ ein örtlicher DJ entdeckte und zu einem regionalen Hit machte. Als ihnen klar wurde, dass sie von der B-Seite ihrer Single – ein Cover von Little Richards „Keep a Knockin“ – keine Lizenzen erhielten, beschlossen sie, nach einem ihrer regelmässigen Samstag-Abend-Auftritte im Nachtclub Red Carpet selber einen Song zu schreiben.

Das Ergebnis war „Psycho“ – energiegeladener, rauher Rock’n’Roll, der auch Jahrzehnte später noch mitreisst: Drei der Gründungsmitglieder – Gitarrist Larry Parypa, Saxophonist Rob Lind und Komponist und Sänger Jerry Roslie – spielten im Jahr 2007 in Brooklyn, New York wieder ein Konzert. Dort mussten sie Blut geleckt haben. Denn seither spielen The Sonics bei ihrer Reunion-Tour weltweit in vollen Hallen. Und so bleibt es uns erhalten: das originale Schreien, Stampfen und Übersteuern.

10 Gedanken zu “

    1. The Sonics liesse sich auch mit die Unumstösslichen übersetzen. Sie sind gewissermassen Pioniere des Rock’n’Roll: Mit ihnen wurde das Swingende, Fröhliche durch Geradlinigkeit und Düsternis ausgetauscht

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      1. Ich habe mir gleich heute morgen noch das entsprechende Album hineingezogen, auf dem der Song “Psycho” erscheint: “Here Are The Sonics”.

        Dieser wilde und raue Sound macht einfach Spaß. Neben dem verzerrten Gesang und den verzerrten Gitarren gefällt mir insbesondere das “schreiende” Saxophon – erinnert etwas an Little Richard Nummern.

        Bei dieser flotten Musik lief grinsend durch Manhattan in mein Büro, und so manche Leute dachten vermutlich, daß ich einen Schuß weghabe. Andererseits gibt es wohl kaum etwas, was einen eingefleischten New Yorker erschüttern kann.

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      2. Das Debütalbum „Here Are The Sonics“ ist einfach Klasse. Es gibt da auch ein paar abgefahrene Coverversionen. Viele britische Bands der frühen 60er haben sich von diesem cleveren Mix aus Surfgroove und schwarzem R’nB inspirieren lassen. Mit diesem Album geht Dir die Arbeit im Büro bestimmt leichter von der Hand. Für die meisten New Yorker gehört Musikhören ja fest zum Alltag. Ich habe übrigens in den frühen 80er ein halbes Jahr an der Spring Street in SoHo gewohnt.

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      3. Wow, in Soho für ein halbes Jahr zu wohnen hört sich cool an, zumindest wenn man jung und ohne Familie ist.

        Wohingegen ich seit 20 Jahren in New York arbeite, habe ich nie in Manhattan gelebt mit einer Ausnahme: Im Sommer 1992 machte ich ein mehrwöchiges Praktikum bei der UN und wohnte während dieses Zeitraums in einem Studentenheim der NYU auf der 5th Avenue, ganz in der Nähre des Washington Square Parks – vermutlich das letzte Mal in meinem Leben, daß ich eine 5th Avenue-Adresse hatte!😀

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      4. Ich hatte in frühen 80er Jahren die Möglichkeit als junger Kulturschaffender mit einem Stipendium ein halbes Jahr in New York zu leben. SoHo war damals ein ziemlich heruntergekommenes Viertel, gleichzeitig aber auch das Zentrum der New Yorker Kunstszene. Da gab es Leute, die wohnten in grossen, alten Loftwohnungen für 200 Dollar Miete im Monat. Heute gibt es keine Garantie mehr, dass sich hart arbeitende New Yorker eine Wohnung in Manhattan leisten können.

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      5. Das kannst Du aber laut sagen, dass Manhattan fuer normal sterbliche unbezahlbar ist! Es sei denn man nimmt in Kauf, sich mit anderen Leuten ein Wohnung zu teilen, was gang und gaebe ist, insbesondere unter juengeren Leuten.

        Viele meiner jungen Arbeitskollegen wohnen in WGs. Solange man keine Familie hat und mit wenig Platz sowie seinen Mitbewohnern auskommen kann, kann dies bestimmt eine spannende Option sein.

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      6. Ja, natürlich hast Du recht! Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass Metropolen wie New York, London oder Paris heute mehr Einfluss haben als so mancher Staat. Moralisches oder gar ästhetisches Empfinden darf man bei Investoren auf dem Immobilienmarkt nicht erwarten. Aber irgendwann ist es unbezahlbar und die Landflucht beginnt wieder. Was übrigens in Zeiten der Digitalisierung leichter werden könnte, denn gewisse Jobs lassen sich inzwischen auch gut vom Home-Office aus erledigen.

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