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Frank Zappa, You Are What You Is, 1980

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Barking Pumpkin

1980 erschien das inhaltlich starke Album „You Are What You Is“, das die satirische Linie intelligenter Unterhaltung fortführte, die Zappa in den folgenden Jahren ein neues, wenn auch nicht immer angenehmes zuführen sollte. Diese erste ausschliesslich im massenmedialen Zeitalter sozialsierte Jungkonsumer-Generation stiess sich mitnichten an der zunehmenden Drastik der Zappaschen Texte. Sie kam um sich zu amüsieren. Für sie war Zappa eine Art Stand-Up-Comedian mit Band, dessen ausschweifende Gitarren-Soli und instrumentalen Ambitionen sie als Pausenfüller zwischen den richtigen Songs nahmen, analog zu den Werbeblöcken im Fernsehen.

„You Are What You Is“ bediente schon im Titel-Song die neue Zielgruppe bestens. Kein Wunder, dass die seriöse Rock-Kritik so ein Album kaum beachtete. Dabei enthielt sie durchaus formal spannende Elemente. Das Album waren in drei Suiten aufgeteilt, betitelt „Teen-Age-Wind“, „Society Pages“ und „You Are What You Is“.

Zappa thematisierte und ironisierte die neue Situation mit vertrauten Mitteln: DooWop, Country-Songs, Rock. Sein besonderes Augenmerk richtete er auf die rechtsreaktionären Fernseh-Evangelisten vom Schlag eines Billy Graham oder Jerry Falwell, deren gelebte Doppelmoral mit ihren märchenhaften Einkünften glänzend korrespondierte. Der republikanische Cowboy-Präsident Reagan hatte es nicht zuletzt mit ihrer Hilfe an die Macht gebracht, um Amerikas reiche konservative Oberschicht und einige verkokste Yuppies und Börsenspekulanten durch die Segnungen seiner Reaganomics noch reicher zu machen. Das Video, das Zappa zum Titelstück herstellte, zeigte einen Doppelgänger Reagans.

10 Gedanken zu “

  1. Spitzenalbum. Wirklich. Deutlich besser als Joe’s Garage und Tinsel town rebellion. Alle ungefähr zur selben Zeit. Ab Sheik Yerbouti mochte ich ihn sehr. Das gab sich dann allerdings in den 90ern relativ schnell. Heute komme ich ohne ihn aus. By the way: Die Vinylausgabe hatte auf der Innenseite des Klappcovers einen viehisch guten Text, schade, das er für den keine Klänge erfand: Those who eaten cheese (So hieß er glaub ich, oder war das nur die Poente, die sich mir eingeprägt hat?) Gerade wieder absolut aktuell.

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    1. Von heute aus gesehen stellt „You Are What You Is“ den den Glücksfall eines ungewöhnlich stimmigen und anspielungsreichen Albums dar. Zappas soziologische, politische und amateuranthrophologische Kommentare haben hier die Schärfe seiner alten Sachen. Leider habe ich die Vinyl-Ausgabe mit den Liner-Notes nicht mehr. Aber auch die ellenlangen Songtexte zeigen, dass Zappa ein besonders raffinierter Textschreiber war. Der Video-Clip zum Titelsong wurde übrigens von MTV damals nicht ausgestrahlt.

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  2. Für mich läutet Sheik Yerbouti diese neue Ära ein, obwohl ich es so eigentlich noch nicht betrachtet habe.
    Was aber real passiert, ist, daß die Zappa’sche Poetik markant verändert, von vorher wahnwitzigen aber im Webster’s verifizierbaren Wortgetümen (zB auf Over-Nite Sensation, Apostrophe (‚) oder One size fits all), zu einer Art von Sprachminimalismus, der sich mit Allerweltswörtern begnügt (Beispiel: City of tiny lights, das einfach nur das Leben in der City beschreibt, um am Ende zu schlussfolgern – tiny is as tiny do- man ist so klein wie man sich verhält 🙂 )
    Auch die Alltagsbeschreibung ‚Flakes‘ beschreibt in gewöhnlichen Worten einen urkomischen Fall von Handwerkspfusch mit Dylanesker Einlage.
    Die Platte wird wie ein Live Mitschnitt abgemischt, daher stammt auch die Atemlosikeit der Performances.

    Tinseltown Rebellion find ich im Vergleich dazu fast noch abgedrehter, You are what you is ist eher das Ankommen in einem neuen (alten) Stil.

    Joe’s Garage gehört für mich zu einem anderen Zyklus, dem der Rockoper, das eine Menge seiner ewigen Themen neu ordnet und aufbereitet, wie eine Autobiographie. Der zweite und dritte Teil gehören hier dazu, wie auch, wenn auch allgemeiner gehalten ‚Thing Fish‘, die Verballhornung der amerikanischen Serie King Fish komplett mit einer bösartigen Abrechnung mit dem Amerika der 50er, 60er und 70er Jahre.

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    1. In den 80er Jahren wurde ja der Zugang zu Zappas Werk immer nerdhafter. Es war auffällig, dass der Meister sich zunehmend selbst zitierte. Auf Alben wie „Joe’s Garage“ und „You Are What You Is“ gelang es ihm noch dieses Manko durch einen tollen Sound und abwechslungsreiche, kommerziell orientierte Musik wirkungsvoll zu kaschieren.

      Auf „Tinseltown Rebellion“ kam aber dieser kreative Stillstand erstmals so richtig zutage, nicht nur in Form zahlreicher Liveversionen älterer Titel, die ausnahmslos schwächer waren als die Originale, sondern auch mit neuem Material, das qualitativ nicht im entferntesten an die alten Mothers oder an die von Dir erwähnten Alben „Over-Nite-Sensation“ oder „Apostrophe (!)“ heranreichte.

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    1. „You Are What You Is“ is a unique album in the Zappa lexicon, a political/social satire without any complex musical passages. Instead, Zappa uses complex arragements on the vocals, some of the best vocals that he ever recorded. Ike Willis, Ray White, and Zappa’s own voice blend here superlatively.

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  3. Was Zappa angeht, bin ich als alter Jazzer eher der Seiteneinsteiger; die paar Alben, die ich habe, höre ich aber immer wieder gerne. Ich muß mir wohl dieses auch mal genauer ansehen…

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    1. „You Are What You Is“ würde ich für einen alten Jazzer nicht unbedingt als Einsteiger-Album empfehlen. „Hot Rats“ hingegen ist ein hervorragendes Instrumentalalbum, ausser einem einzigen Stück mit Gesang von Captain Beefheart.

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