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The Byrds, So You Want To Be a Rock’N’Roll Star, 1967

Text/Musik/ Jim McGuinn, Chris Hillman

Produzent/ Gary Usher

Label/ Columbia

Herrlicher, buttriger Schnippizismus! „So You Want To Be A Rock’N’Roll Star“ geschrieben von McGuinn und Hillman, ist eine praktische Abhak-Liste, ein kundiges Mitsingseminar, ein satirischer Schwinger – in Richtung all jener Bands, die nach den anfänglichen Grosserfolgen der Byrds nun die Charts und Hörerherzen blockieren. Exemplarisch sind da vorallem die Monkees zu nennen, die von den Byrds als blosse Plastikchargen gesehen wurden, künstlich nach Publikumswirksamkeit zusammengebastelt und auf schnellen Verkaufserfolg modelliert. Allerdings verkauften sie mit diesem Bauplan nichtsdestotrotz Millionen Platten, wohingegen die Byrds selbst seit ihrem dritten Album eher auf mittelprächtigen Speersitzen in den Charts Platz nehmen mussten. 1966, als „So You Want To Be A Rock’N’Roll Star“ geschrieben wurde, zählten die Monkees unbestritten zu den populärsten amerikanischen Bands.

Roger McGuinn schildert die Inspiration zu dem Song in einem Interview: „Plötzlich machten Hans und Franz und ihre Schwippschägerin und ihre Mutter und sogar ihr zahmer Ochsenfrosch Rock’n’Roll. Und wir dachten jeder sollte eine Zutaten-Checkliste haben – so eine Art Baukasten – , damit noch mehr Leute Rock’n’Roll-Stars werden konnten.“

Um ihre Botschaft zu übermitteln, wählten die Byrds die direktestmögliche Ansprache – eine Platte, die sich gleich mit dem zweiten Wort unmittelbar an ihre Zuhörer wendet. Verstärkt wurde dieser Effekt noch durch das „so“, das Vertraulichkeit und einen bereits bestehenden Diskurs suggeriert: Es wird nicht relativ neutral die Möglichkeit  angenommen, der Zuhörer oder die Zuhörerin könnte sich selbst eine Musikkarriere erträumen, wie es ein Wörtchen „if“ ausgedrückt hätte, sondern es wird scheinbar an eine bereits vorangegangene diesbezügliche Willenserklärung des lauschenden Gegenübers angeknüpft: „Aha, du willst also ein Rock’n’Roll Star werden, Freundchen? Dann pass mal auf!“

22 Gedanken zu “

    1. Die Version von Patti Smith gefällt mir auch; ziemlich atemlos als könnte sie den Zug verpassen. Das Original von den Byrds zeigt allerdings eher parodistische Züge, unter anderem mit dem akustischen Effekt von einem Rudel kreischender Mädchen, der, quasi als Beglaubigung der Rockstar-Kompetenz, eingespielt wurde.

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  1. Prima interpretation die Sache mit dem IF und SO. 🙂 Der Song an sich, najaaaaaa, geht so. Die Byrds sind für mich sowas wie wollte und konnte nicht CCR (II) geblieben. Eigentlich isses sogar ähnlich wie bei den Talking Heads: Ein paar Hits gibt es; aber keine LP im Ganzen, die funktionieren würde. Die Dylan-Cover sind klasse. Mit 8 Miles high kannste mich jagen.

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    1. Die Byrds sind tatsächlich eine Sache für sich – allein die ständigen Personalwechsel lassen die Bandgeschichte stellenweise wie eine Soap mit extrem aussteigungsfreudigem Personal erscheinen. Auch ihre Lieder haben allerlei Themen und Formen: Folk-Songs, Dylan-Covers, Science und Schmalz, Rockkritik und Retro-Verliebtheit. Vielleicht ist es gerade diese stilistische Vielfalt – von den psychedelischen Irrungen und Schwirrungen bis zum handfest-hemdsärmligen Huttipper – die am Ende alles zusammenhält.

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      1. The reason I related it was the Byrds reaction to The Monkees. The Wiggins (The Shaggs) father wanted to cash in on this „rock n roll“ thing. Zappa was my intro to them. I played it for my daughter when she was a teen and we still sing a few cuts together. ‚My Pal Foot Foot‘

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