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Grateful Dead, In The Dark, 1987

Produzent/ Jerry Garcia, John Cutler

Label/ Arista

Nachdem die Grateful Dead in den 60 Jahren in der Psychedelic Szene von San Francisco erfolgreich waren, anschliessend in den frühen 70er Jahren mit den Meisterwerken „American Beauty“ und „Workingmans Dead“ mit eher folkmässigem Sound eine bewegte Karriere vorzuweisen hatten, schien trotz erfolgreicher Konzerte in den 80er Jahren die Kreativität nachzulassen, und die Luft immer mehr draussen zu sein.

Die Band war vorallem durch Drogenskandale und der Verhaftung von Jerry Garcia in den Schlagzeilen. Auch sein zeitweiser Fall ins Koma schien auf eine Ende der Hippie-Legende hinzudeuten. Ebenso hatte sich der generelle Musikgeschmack gewandelt. Viele Helden der 60er und 70er Jahren konnten sich in den 80er Jahren nur noch durch fleissiges Touren über Wasser halten.

Doch wie aus dem Nichts zauberte Grateful Dead in dieser Phase ein Hitalbum sondergleichen und mit „Touch of Grey“ ihren grössten Hit überhaupt. Zum ersten Mal schien es gelungen zu sein den Live-Sound der Band auch im Studio solide aufzunehmen. Fett und kompakt kommt die Produktion daher. Die Platte hat in ihrer ursprünglichen Form sieben Titel. Neben „Touch of Gray“ sind hier mächtige „Tons Of Steel“ und die zwar etwas traurige, aber wunderschöne Schlussnummer „Black Muddy River“ zu erwähnen.

„In The Dark“ ermöglichte es Grateful Dead zu den Grossverdienern der Mega-Liveshows wie den Rolling Stones oder The Who – vor allem in den USA – aufzuschliessen und sorgte dafür, dass den Musikern um Jerry Garcia die Drogen nie mehr ausgehen würden. Während es immer hipper wurde auf einem Grateful Dead Konzert gesehen zu werden, bemängelten die Fans der ersten Stunde, dass die Zeit der Auftritte in normalen Hallen für die Band endgültig vorbei war. Bis zum Tode Garcias 1995 waren dies jetzt Mega-Events – Grateful Dead wurden zur kommerziellen Geldmaschine. Was eine einzige Platte mit einem Hit doch alles verändern kann!

11 Gedanken zu “

  1. Und vor allem muss man ihnen ja bis heute die Füße küssen, dass sie in den 80ern nicht den Fehler so vieler anderer Kollegen gemacht haben und auf diesen rumms-plautz- electro-drum-kit-sound hereingefallen sind.

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    1. Die Stärke von Grateful Dead war von Anfang an das Livespiel. Sie spielten auf der Bühne niemals einen Song zweimal auf dieselbe Weise. Und sie hatten auch nie einen Song in den Charts. Mit einer Ausnahme: „Touch Of Grey“ – aber das war erst 1987. Danach wurde aus den Grateful Dead eine gut organisiertes Unternehmen. Die Fans, die immer noch wie zu Hippiezeiten mit der Band von Konzert zu Konzert zogen, hatten sich ebenfalls gut organisiert. Es gab Radiostationen, die ausschliesslich Grateful Dead Musik spielten. Die Deadheads hielten eigene Video-Konferenzen ab, und entwickelten mit der Organisation der Band eigene Vertriebswege. Das gab allen Fans das Gefühl, hier stünde jemand ausserhalb des herrschenden Systems. Was sie ja bis zu einem gewissen Grad auch taten: eine grossen Teil der Einnahmen überliessen die Dead einer Stiftung, die sich für die Förderung zeitgenössischer klassischer Musik einsetzte. Aber ob man ihnen deswegen gleich die Füsse küssen muss?

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      1. Naja, es war schon ätzend, wer da schlagartig alles Murks machte, bloß weil plötzlich eine 8 an dritter Stelle der Jahreszahl aufgetaucht ist: Alle Ex-Eagles zum Beispiel, Heart, Hall&Oates, sogar Dylan ließ sich mal kurz infizieren, allerdings erst in der Mitte des Jahrzehnts.

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      2. Ich habe mich lange von dem „Dylan & The Dead“ Album ferngehalten, weil es von den Kritikern absolut zerrissen wurde. So schlecht ist die Platte aber gar nicht. Die Musiker verstehen alle ihr Handwerk. Nur die künstlerische Kooperation ist halt weit hinter der vermuteten Summe beider Teile zurückgeblieben. Mag sein, dass sich sowohl Dylan wie auch die Dead damals gerade in einer Krise befanden und mit den Konzerten die letzten Hardcore-Sechziger-Fans hinter dem Ofen hervor in die Konzertsäle locken wollten.

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      3. Apropos „so schlecht ist das Album gar nicht“ in Bezug auf Dylan – da musste ich in den 80ern mehrfach zynisch zwischenlachen. Da wurde er generell für die falschen Alben gelobt/getadelt. „Shot of love“ mag ich z.B. sehr. Aber weil er da seine New Christian Phase hatte, gabs medial nur Dresche. Dagenen „live at Budokan“, alles schreit „Hosianna, der Meister!“ und mich packt das Grausen.
        In Bezug auf Garcia noch den Hinweis: „Shady grove“ (Garcia&Grisham) Mitte der 90er, das Album ist so herrlich und mit einem megainteressanten Booklet ausgestattet, das brachte mich überhaupt rückwirkend erst auf die Deads, die ich vorher gemieden hatte.

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      4. Ja, „Live At Budokan“ waren mittelmässige Konzerte. Ich möchte ja nicht gleich alle Alben abschreiben, die Dylan während seiner Christus-Phase in den 80er Jahren gemacht hat, aber „Knocked Out Loaded“ und „Down In The Groove“ waren bloss konzeptlose Sammelsurien aus lieblosen Coverversionen und Geschmacksverfehlungen. Die Soloprojekte von Garcia und Grisman finde ich hingegen hervorragend: Handwerklich perfekt gespielte Oldtimer-Mucke.

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      1. The Grateful Dead were legendary by the time this record came out. „In the Dark“ was recorded live in an empty theatre, giving the immediacy of their live work, while preserving the clarity of sound that a recording studio provides.

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