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Bob Dylan, John Wesley Harding, 1967

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia

Aufgenommen nach den „Basement Tapes“ (die Dylan sozusagen „heimlich“ mit seiner Begleitband The Band im Keller seines Hauses in der Nähe von Woodstock eingespielt hatte und die dann erst im Jahr 1975 veröffentlicht wurden), und nach seinem die eigene Existenz erschütternden Motorradunfall – und somit sein erstes Album anderthalb Jahre nach „Blonde on Blonde“, kam „John Wesley Harding“ für Dylan-Fans spät. (Normalerweise wurden seinerzeit Alben im Halbjahresrhythmus veröffentlicht). Und es kam vor allem inhaltlich als Schock. Niemand hätte diese Kollektion biblischer Allegorien und karger Folksongs erwartet.

Nur die beiden Studiomusiker Charles McCoy am Bass und Kenny Buttrey an den Drums begleiten Dylans Gesang zur akustischen Gitarre. Die Songs waren in drei Tagen in den Columbia Record Studios in Nashville aufgenommen worden und Dylan hatte offensichtlich den Ursprung seiner Musik – und damit die Quelle der Inspiration für seine Musik wiedergefunden. Einer der Gründe vielleicht, warum „John Wesley Harding“ inzwischen als eines von Dylan’s grossen Alben gilt – und als logische Fortentwicklung aus den „Basement Tapes“ Aufnahmen – die aber eben zu der Zeit nicht bekannt waren.

Mit dieser Sparsamkeit und vor allem mit dem eindeutigen Bezug auf das alte mythische Amerika wurde Dylan mehr mit diesem Album als mit der glorreichen Trilogie von 65/66 zur Inspiration für ganze Generationen von Musikern. Grateful Dead, Gram Parsons, die Byrds und der ganze Westcoast-Sound sind ohne dieses Album undenkbar. Dylans berühmte Version von „All Along the Watchtower“ ist nur die Spitze des Eisberges. Trügerisch einfach und einfach fantastisch.

Mit dem letzten Song des Albums „I’ll Be Your Baby Tonight“ ging es dann folgerichtig weiter in die schwerelose Country-Welt von „Nashville Skyline“ (1969), eröffnet im Duett mit Johnny Cash. Eigentlich, so hat Dylan nachträglich erklärt, hätte er dieses Country-Album anders nennen sollen: „John Wesley Harding, Part Two“.

13 Gedanken zu “

    1. Gern geschehen! Wer nur flüchtig hinhört, könnte meinen, Dylan kehre zu seinen Folk-Anfängen zurück. Bei genauerem Hinhören löst sich jedoch diese scheinbare Vertrautheit auf. Im Ganzen und im Detail arbeitet Dylan mit Verfremdungseffekten, die unaufdringlich immer neue Geheimnisse erzeugen.

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    1. Es fehlt schwer, sich heute eine Vorstellung davon zu machen, was für eine Sensation das Album war, als es 1967 erschien. In der Zeit von „Sgt. Peppers“, „Their Satanic Majesties Request“ oder „Are You Experienced“ hatte man gerade von Dylan das Gegenteil dieser asketischen Country-Kammermusik erwartet. Ihm Nachhinein betrachtet, hat „ John Wesley Harding“ aber doch viel mit den Themen Ende der 60er Jahre zu tun: Entfremdung und Selbsterkenntnis, innere und äussere und äussere Befreiung. Nur hört sich das bei Dylan so an, als spräche hier jemand nicht aus inneren Krämpfen heraus, sondern vom bereits erreichten Ziel her.

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  1. Mir hat die spartanische Produktion von „John Wesley Harding“ immer sehr gefallen, auch heute noch ohne Einschränkungen. Konzentration auf das Wesentliche, dazu eine Handvoll einiger seiner besten Songs, und in etlichen Passagen fast schon die Vorwegnahme von Alternative Country. Dylan Top 5.

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    1. Die Klänge kommen ja vielleicht aus der fremden Welt eines Wilden Westens, in der Revolver und Bibel noch so eng zusammengehörten wie nebenan in der Songwelt von Johnny Cash; vielleicht eine biblische Welt, wie sie sich in den Texten in Anspielungen auf Jesus und Judas, Wachttürme und Weltuntergänge schattenhaft andeutet.

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      1. I think of how much I listened to this album when it came out. „John Wesley Harding“ was much more than a mere return to simplicity. Dylan made a sharp turn from his vital but troubled 1966 output. And he came back as a totally different artist whose insights were bent by a different frame of mind. In the times of fashionable psychedelia, he came with an album which just completely ignored the trends of the day. This is totally timeless, a work of genius which only Bob Dylan could’ve offered.

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      2. I was late to Bob. ‚Pat Garret and Billy the Kid‘ opened my ears to him then I went on a binge. The stuff with the Band and then this stuff resonated with me. Yes I liked the idea of going against the trends. I lean that way. Well said Fox

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