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Quicksilver Messenger Service, Happy Trails, 1969

Produzent/ John Cipollina

Label/ Capitol

Ohne Zweifel stellt „Happy Trails“ den Höhepunkt im Schaffen von Quicksilver Messenger Service dar. Mitgeschnitten im Fillmore West und Fillmore East wird mit diesem unvergleichlichen Live-Album das musikalische Können der Band erstklassig dokumentiert. Die Musiker zeigen die komplette Bandbreite ihres Könnens und beweisen warum sie in San Franciso der Jahre 1966 bis 1969 als unschlagbare Live-Band galten, selbst die Doors waren im Jahre 1967 nur Vorband von Quicksilver Messenger Service, obwohl die Band bis zu diesem Zeitpunkt jeglichen Plattenvertrag strickt abgelehnt hatte.

Mittelpunkt von „Happy Trails“ ist die in mehrere Passagen unterteilte Version von Ellis McDaniels (alias Bo Diddley) „Who Do You Love“. Nach dröhnendem Anfang übernimmt die fiebrige Gitarre von John Cippolina das Regiment. Über einem stoischen Rhythmus breitet er seine silbrigen Gitarrentöne aus und leitet damit die lange Fassung dieses Blues-Klassikers ein.  Das Stück entwickelt sich zu einem ausschweifendem Ungetüm, immer wieder gebändigt durch das einfühlsame Zwiegespräch von Duncan und Cippolina. Im eingeschobenen „Where You Love“ kommt das Geschehen fast zum Stehen. Schreie und Klatschen aus dem Publikum werden nach vorne gemischt. Nach sechs Minuten wirft Cipollina dann seine Licks wie ein befreiendes Soundgewitter ein. Im Part „Which Do You love“ darf sich David Freiberg mit einem Bass-Solo austoben, bevor das Gebilde dann wieder Konturen annimmt und mit einem furiosen Endspurt aller Bandmitglieder in die Zielgerade kommt.

Auf der zweiten Seite der LP wird Bo Diddleys „Mona“ als knackiger Blues-Rock zelebriert. Der Song geht nahtlos in Gary Duncans „Maiden Of The Cancer Moon“ über: ein instrumentales Intermezzo mit schneidenden Gitarren. Das folgende „Calvary“ ist vom Aufbau und der Dynamik ähnlich wie „The Fool vom Debutalbum. Den Abschluss bildet eine kurze Version des namensgebenden Uralt-Country-Stückes von Roy Rogers: „Happy Trails“ ist eine augenzwinkernde, leicht besoffene Referenz auf alte Werte.

15 Gedanken zu “

    1. Quicksilver Messenger Service gehörten neben Grateful Dead, Jefferson Airplane und
      Big Brother And The Holding Company zu den Bands der San Francisco Bay Aera. Allerdings hatten Quicksilver Messenger Service nie die gleiche Aufmerksamkeit, wie die oben genannten Bands, was sicher auch daran lag, dass die lieber live spielten, als ihre Musik in Form von Schallplatten zu verbreiten. „Happy Trails“ aus dem Jahr 1969 zeigt alle Facetten eines live hundertprozentig eingespielten Teams.

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    1. Was Greil Marcus über die erste Seite von „Happy Trails“ sagt, kann ich gut verstehen. „Who-,When-,Where and Which Do You Love“ ist ein musikalischer Vollrausch. Unter jugendlichen Kiffer Ende der 60er liess sich verbal schlecht kommunzieren, also „Happy Trails“ auflegen, sich hinsetzen und dazu auf dem schönen Cover betrachten, wie der galoppierende Pony-Express-Reiter mit seinem Stetson seiner zurückbleibenden jungen Braut winkt.

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    1. In the 60s Quicksilver Messenger Service was not unfamiliar to me. There were many great bands from the frisco bay in these days, but Quicksilver had my esteem. „Happy Trails“ is my favorite of their albums. Listening tip: don’t shuffle the tracks. The first six tracks are really one long jam, and the next three tracks are mixed that way as well.

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  1. Die zentrale Figur bei QMS war offensichtlichJohn Cippolina. Mit ihm spielten sie erfolgreichsten Alben ein.
    Cippolina spielte auf den ersten fünf Alben die Gitarre.
    Er verliess die Band 1971, um mit Copperhead einen rockigeren Stil zu spielen. Das einzige Album Copperhead (1971) ist empfehlenswert (Anspieltipp: Kibitzer).
    Danach gründete er die Gruppe Raven, die ebenfalls nur ein (gleichnamiges) Album 1976 produzierte.
    Wer Cippolinas rockigen Stil etwas countrybetonter mag, der wird mit 1980er Album A doubtful Handshake von Terr & the Pirates gut bedient sein.
    John Cippolina spielte aber nicht nur kreuz und quer in der Westcoast-Szene, er zupfte z.B. auch auf einem Album der walisischen Band Man (Maximum Darkness, 1975).

    Bei den Wikidemikern hat er einen eigenen Eintrag. Wer sich allerdings weitergehend mit JC beschäftigen möchte, kann sich auf dieser Webseite einen intensiven Überblick verschaffen:
    w w w .mjckeh.demon.co.uk/jc/jc-home.htm
    Leider ist dieser ebenso grossartige wie umtriebige Gitarrist nicht sehr alt geworden.

    Gruss aus dem Bembelland, Herr Ärmel

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    1. Mit „Happy Trails“ von den Quicksilver Messenger Service bin ich ja quasi aufgewachsen. Auch wenn das Album bis heute kaum an Intensität verloren hat, waren es für mich damals doch eher Jefferson Airplane oder Grateful Dead, die das Lebensgefühl das kalifornische Anders-Sein rüberbrachten.

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