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Frank Zappa, Zoot Allures, 1976

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Warner Bros. Records

Die drei auf dem Cover abgebildeten Begleitmusiker (übrigens alle gerade mal halb so alt wie Zappa selbst) sollen nicht darüber hinwegtäuschen, daß „Zoot Allures“ Zappas erste Platte war, bei der er wirklich fast alles selbst gemacht hat, bis hin zur Ausführung. Vielleicht klingt sie deshalb im Vergleich zu allen früheren Produktionen eingängiger und so zurückhaltend-düster, weniger Klasse hat sie deshalb noch lange nicht. Selten ist dem Schöpfer zahlreicher Konzeptalben eine Platte gelungen, bei der jedes Stück zwar individuell und unverwechselbar klingt, gleichzeitig aber auch als Teil eines ganzen wirkt. Meine persönlichen Favoriten sind neben dem Opener „Wind Up Workin‘ In A Gas Station“ die Instrumentals „Black Napkins“ und „Friendly Little Finger“, sowie das bedrohliche, „The Torture Never Stops“; ein langes, fast pornographisches Stück, das der Soundtrack zu einem gothic-splatter-movie sein könnte.

„Zoot Allures“ ist für Frank Zappa-Einsteiger eine gute Scheibe, nie langweilig, auch 2018 noch jederzeit hörbar, hervorragend abgemischt, dreidimensional. Mein Lieblingsspruch auf dem Album ist immer noch: „Don’t never let her know you are smart – the universe is nowhere to start“. Ist das nicht grosses Kino?

16 Gedanken zu “

  1. Wohingegen Frank Zappa ohne Zweifel ein bedeutender Künstler ist, bin ich nach mehreren Versuchen nie auf den Trip gekommen – ist mir generell einfach zu schräg.

    Aber vielleicht wird dieses Album mich bekehren. Zappa wäre nicht das erste Beispiel eines Künstlers, den ich erst nach einiger Zeit zu schätzen lernte!

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    1. Fast jeder, der das erste Mal Zappa vernimmt, hat den Eindruck eines nerventötenden Chaos; es gibt Leute, die seine Musik nach wenigen Minuten buchstäblich in die Flucht schlägt. Erst nach einigen Wochen Hörerfahrung ergeben sich annäherungsweise Sinn und Logik sehr vieler seiner Stücke. Zwar gibt es rockige, soulige, bluesige oder auch als Reggae gespielte Songs, übrigens allesamt parodieverdächtig, doch das typische Zappa-Lied besteht aus ständigen Taktwechseln, irrwitzigen Breaks sowie seltsamen Interventionen, gern in kuriosen Taktarten wie 9/4 oder 18/16, und häufig auch Anleihen bei anderen Musikern, oft in grotesker oder despektierlicher Verfremdung.

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      1. Ich bin stolz zu berichten, daß ich mir “Zoot Allures” komplett angehört habe. Möglicherweise war dies allerdings die falsche Strategie und ich hätte mir vielleicht stattdessen zuerst ein “völlig chaotisches“ Zappa-Album vornehmen sollen. Danach hätte ich “Zoot Allures” möglicherweise geradezu fantastisch gefunden!😀

        Ein Stück wie “Black Napkins” zeigt eindeutig, daß Zappa ein talentierter Gitarrist war. “The Torture Never Stops” deutet weiterhin darauf hin, daß er die Gabe hatte cinematische Texte zu schreiben – man hat die gruselige Szenerie der Folterkammer sprichwörtlich vor Augen wie in einem Film!

        Auf der anderen Seite ist “Torture” wirklich ein düsteres Stück, was Untertöne einer S&M Orgie hat. Ich frage mich ob Zappa hierfür einen Faible hatte. In “Bobby Brown” sang er ja ausdrücklich über S&M, dem “Tower of Power” und der “Golden Shower.” Nun ja, wohingegen S&M zwar nicht mein Ding ist, habe ich als generell liberal eingestellter Mensch andererseits nichts dagegen, solange der Peiniger und der Gepeinigte sich vollkommen freiwillig solchen Praktiken hingeben.

        Viele von Zappas Texten sind offenkundig ironisch. Wie etwa “Wind Up Workin’ In Gas Station”: Hey now better make a decision/Be a moron and keep your position/You oughta know now, all your education/Won’t help you no how…

        Oder “Ms. Pinky”: I got a girl with a little rubber head/Rinse her out every night before I go to bed/She never talked back like a lady might do/And she looks like she loves it every time I get through…

        Manche seiner Texte sind schon ganz witzig.

        Was ich generell als sehr gewöhnungsbedürftig empfinde, ist Zappas Gesang – im Grunde ist es ja eher Sprechgesang. Als großer Fan von guten Stimmen und mehrstimmigen Chorgesang ist dies nicht leicht für mich über diesen Aspekt hinwegzusehen.

        Trotz äußerst gemischter Gefühle bin ich allerdings noch nicht an dem Punkt angelangt, wo ich Zappa abschreibe. Dafür gibt es andere Beispiele, die mir zunächst ebenfalls nicht zusagten und mittlerweile zu meiner Lieblingsmusik zählen. Das vielleicht beste in diesem Zusammenhang ist Led Zeppelin!

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      2. „Zoot Allures“ ist eindeutig ein Rockalbum. Vielleicht mit der Ausnahme des Titelstücks, sind alle Songs, für Zappas Verhältnisse, relativ einfach gestrickt. Auffallend ist jedoch, dass das relativ schlichte „Disco Boy“ lange Zeit zum Zappa Standard-Live-Repertoire gehörte. Gerade weil „Zoot Allures“ Zappa-Konventionen verlässt, wirkt es „erfrischend anders“ und zeigt, dass Zappa ein guter Rock Musiker war. Hier und auf dem ein Jahr später erschienenen „Zappa Live in New York“ Album hört man, was für ein exzellenter und ambitionierter Gitarrist Zappa war. Vielen ist Zappa als Gitarrist zu schräg, denn er scheut unter anderem keine Ausgriffe in Ganztonleitern, bringt chromatische Einlagen und orientalische Muster. Wenn man sich jedoch von seinem Sound angesprochen fühlt, eröffnet sich eine Welt abseitiger und nonverbaler Geschichten.

        Ich habe Zappa im Herbst 1969 entdeckt. An Cream, Deep Purple und Led Zeppelin hatte man sich damals gerade gewöhnt, aber das hier war noch mal etwas deutlich anderes. Auch heute, mit 65 Jahren, habe ich Phasen, in denen ich wochenlang Zappa höre, dann wieder geraume Zeit gar nicht. Setzt er aber zu einem langen Gitarren-Soli (z.B. auf „Willie The Pimp“ oder „Son Of Mr. Green Genes“) an, könnte ich endlos zuhören. Zappa hat mir damals, wie zahllosen anderen, einen unschätzbaren Dienst erwiesen: er hat mich zum Jazz gebracht.

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      3. Es ist schön zu hören, wenn Musik einen nachhaltigen Einfluß hat.

        Wohingegen ich keinen Zweifel habe, daß sich die Geister bei Zappa auch weiterhin streiten werden, stimme ich Dir zu, daß er nicht langweilig war.

        Weiterhin hätte als talentierter Gitarrist sicherlich Musik machen können, die mehr im Mainstream lag. “Bobby Brown” zeigt, daß er einen Hit schreiben konnte, wobei der Text ein klares Indiz dafür ist, daß er selbst bei diesem Stück seine Prinzipien nicht aufgab ein zynischer Beobachter zu sein.

        Generell habe ich viel Respekt für Künstler wie Zappa, für die Ruhm und Erfolg offenkundig zweitrangig sind und die stattdessen künstlerisch machen, was sie wollen. Dazu gehört viel Mut und Selbstvertrauen.

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    1. Zappa überrascht auch mich immer noch, nicht nur musikalisch, sondern mit seinem Blick auf die amerikanische Politik. Es hätte ihn nicht erstaunt, dass einer wie Donald Trump so weit kommt. Er sah voraus, dass die religiöse Rechte an Einfluss gewinnen würde. Die Republikaner seien von Gier zerfressen und die Demokraten vom Neid auf die Republikaner, sagte er. Ronald Reagan warf er vor, das Land in eine faschistoide Theokratie zu treiben. Die amerikanische Politik hielt er für die „Unterhaltungsabteilung des militärisch-industriellen Komplexes“.

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