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Tom Waits, Foreign Affairs, 1977

Produzent/ Bones Howe

Label/ Asylum Records

Fünf Jahre lang hat Tom Waits jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht. Er hat sich über diese Zeit in seine eigene Kunstfigur verwandelt, in einen Wiedergänger der alten Beatniks, einen Bukowski und Kerouac am Bar-Piano. 1977 mit „Foreign Affairs“ hat der Zug seine scheinbare Endhaltestelle erreicht. Der künstlerische Höhenflug des grandiosen Vorgängers „Small Change“ fordert seinen Tribut. „Foreign Affairs“ ist wie der schlimme Kater nach der besten Nacht des Jahres.

Die ersten vier Lieder lang passiert gar nichts. Nichts. Das Duett mit Bette Midler in „Never Talk To Strangers“ funktioniert nicht. In „Muriel“ wird Tom stimmlich zur Karrikatur seiner selbst. Erst in der zweiten Hälfte gibt es einige Lichtblicke. Die Piano-Melodie von „A Sight For Sore Eyes“ ist schön. Dann kommt „Potters Field“, das über dem ganzen Album hängt wie eine dunkle Gewitterwolke. Es passt nicht in diese Platte hinein – aber es ist in seiner theatralischen Überzogenheit, in seiner metaphorischen Bild-Überfrachtung und mit einer Länge von über acht Minuten eine unvergessliche Wegmarke im Gesamtwerk von Tom Waits. Danach folgt „Burma Shave“, eine dunkle Ballade und der mit Abstand beste Song des Albums. Und zum Ausklang gibt es „Foreign Affair“, das keinem weiter weh tut.

Es ist das letze Mal, dass Tom Waits hier als verloren am Klavier Gestrandeter seine Lieder singt. Der Klavierschemel ist zu klein geworden für die Musik dieses Mannes. Aber er hat „Foreign Affairs“ gebraucht, um sich dessen bewusst zu werden.

13 Gedanken zu “

      1. Zum Teil ist das ja echter Schlagerschmalz, was der Waits bringt. Das hat auch viel mit der Stimme und mit der Instrumentierung zu tun; er bevorzugt schwammige Arrangements, die man nicht nachmachen kann.

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    1. Tom Waits hat das Image als Barhänger voll ausgelebt, aber er hat das auch immer mit einem Augenzwinkern gemacht. Diese Alkoholiker-Pose, wie er da so krüppelig an der Gitarre rumhantiert. Ich glaube, der wusste ganz genau, wie er das bringen muss, das gehörte mit zum Konzept wie der gute Song.

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    1. I listened to this album a lot when I traveled through the States in the early 80’s. It’s jazzy and the lyrics are dark and poetic. „Potter’s Field“, „Burma Shave“ and „Jack & Neal“ are my favorite songs.

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      1. Yes this style was my hook to Tom’s music. As you know I followed him the same as you have through is journey. And well said about him having so much music in him that he had to let it out. I dig it all.

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