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Neil Young, This Note’s For You, 1988

Produzent/ Neil Young, Niko Bolas

Label/ Reprise

Der Titel erklärt sich aus dem Zusammenhang: „Ain’t singin’ for Miller/ Don’t sing for Bud/ I won’t sing for politicans/ Ain’t singin for spuds/ This note’s for you.“ Neil Young hat eine R’n’B-Platte gemacht, nicht im übertragenen Sinne, sondern im Original-Sound und mit einer Big-Band. Auf dieser Platte geht es darum, auf die gleiche Weise, wie bei früheren Gelegenheiten, das Leben auf dem Lande, das Leben in der Stadt zu feiern. Ein Lob den Hangouts, den Bands und den Frauen, die dance und know how to jump and shout, eine Absage an den Kapitalismus, der die Menschen auf den sidewalks liegen lässt, die guten alten hangouts an irgendwenn verkauft, an MTV z.B., das die Leute auf die Fernsehcouch verbannt.

Dass Frauen besser sind als Fernsehen (Fernsehen ist ja manchmal auch ganz interessant, aber das muss man ja niemandem mehr erzählen) und Kneipen (Hangouts) ist unerlässlich für jede Kultur. Neil Youngs R’n’B ist für den R’n’B, was Fassbinders 50er für die 50er sind: eine dick aufgetragene, verführerische Idee, die für einen guten Zweck vermischt, was nicht zusammengehört: Das in mein Lieblingssong „Hey Hey“ hineingeschmissene Elmore-James-Riff, mehrfach B.B.King und gestopfte Trompeten, keine akademische Rekonstruktion, sondern Blues als Bühnenbild, das auch dreimal mindestens auf die ganz normale Neil-Young-Gitarre und – Komposition nicht verzichten darf. Leute wie Joe Jackson und Pete Townshend haben versucht diese Platte zu machen und sind dabei gescheitert, weil sie sich nicht (mehr) trauten, irgendwo drauf zu hauen, weil sie keine expansiven, einnehmenden Persönlichkeiten sind (the real meaning of jump and shout), weil niemand so genau wie Neil Young weiss, wofür er kämpft, wenn er für das gute Leben kämpft.

11 Gedanken zu “

      1. MTV setzte das Video (in dem ein Whitney-Houston-Lookalike per Bierdusche einen brennenden Michael Jackson rettet) wegen seines satirischen Umgangs mit diversen Marken auf die rote Liste. „What does the M in MTV stand for: music or money?“ fragte Young daraufhin in einem offenen Brief. Mit dieser Aktion handelte er sich wahrscheinlich mehr Sympathien ein als mit all seinen seit Ende der 70er Jahre veröffentlichten Platten zusammen.

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  1. Tolle Erklärung zur LP. Der Bezug zu Joe Jackson ist völlig korrekt. Nach seinem legendären „Body and Soul“ Album un der live Doppel CD hoffte man vergeblich auf Erlösung, aber Joe spielte sich vorwärts in die klassische Vergangenheit. Neil Young krönte mit diesem Album seine Phase der Musikinterpretationen in den 80ern. Diese schloß er mit der Rückkehr zum Rock and Roll und dem Umbruch des Kalten Kriegs in „Freedom“ ab.
    Aber der Beitrag von Hotfox beschreibt so wundervoll den Blues und das Neil Young großartige Musik spielte mit seiner einfachen kosmischen Soundaura und den könnenden Musiker mit ihren verschiedenen Instrumenten.
    Ein pures Juwel. Die Qualität der CD-Aufnahme ist reiner, klarer, das Vynil softer und rauschender.
    Und wenn der Verstärker aufgedreht wird spielt die volle Natur des Blues.
    Vielen, vielen Dank.
    „Ten Men Working, ten men worging : for You All

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    1. Danke! „We are men at work, we got a job to do… We gotta keep you rockin to keep your soul from the blues.“ Im Vergleich zu dem halbbekifften Nuscheln auf „Tonight’s The Night“ und dem orthodoxen „Old Ways“ erscheint „This Note’s For You“ geradezu aus einem plötzlichen Aktivierungsschub entstanden zu sein. Young erweist sich hier nicht nur als beeindruckender Blues-Gitarrist, er hat im Titel-Song auch Pepsi, Budweiser und andere wichtige Sponsoren/Werbekunden des immer mächtiger werdenen MTV-Kanals angegriffen sowie Kollegen, die mit diesen oder gar mit Politikern zusammenarbeiten, und reichlich Ärger u.a. mit den Anwälten von Michael Jackson und Whitney Houston bekommen, die er in im dazugehörigen Video, das natürlich nicht auf MTV gespielt wurde, parodierte.

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    1. I like Neil Young. He is one of those rare peformers who writes across a wide area of subjects. One minute a love song, another a piece of social commentary but don’t expect the usual conclusions. He is his own man and says what he thinks.

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