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The Rolling Stones, Voodoo Lounge, 1994

Produzent/ Don Was

Label/ Virgin Records

„Voodoo Lounge“ nennen die Rolling Stones ironisch ein spätes Album, die dazugehörige Tour und gleich noch eine DVD. Die Konzerttournee führt durch Fussballstadien und ist als Rückeroberung angelegt. In den Jahren zuvor haben sich die Köpfe der Band Mick Jagger und Keith Richards vor allem ihren Solo-Projekten gewidmet, die allerdings nie den Erfolg haben, wie wenn die Stones gemeinsam auftreten. Die Menge hat lange gewartet, 50’000 Individuen und eine Hoffnung: Noch einmal eintauchen und vergessen, wer man ist oder geworden ist. Dann entert Charlie Watts sein Minimalschlagzeug. Er fährt zwischen die Samples und hämmert seinen minimalen Beat, für den er später minutenlang beklatscht wird. Dann dürfen die anderen auf die Bühne und davon singen, dass ihre Liebe und damit ihre Musik nicht verbleicht, sondern weiterrauschen wird, schwingen, dröhnen.

„Voodoo Lounge“ ist Ekstase und Ennui, Richards und Jagger, das steht in der selbstironischen Tradition der Gruppe, auf die Herkunft zu verweisen und sich zugleich über den Assimilationsversuch lustig zu machen. Was sie bis jetzt am Leben erhalten hat, ist das ironische Wissen um die eigene, unauthentische Position. Indem sich die Stones als Hochstapler aufführen, werden sie als Hochstapler glaubwürdig. Sie sind profunde Kenner schwarzer Musik, Verehrer ihrer Vorbilder bis heute. Ihre interpretationen sind Übersetzungen, die ihre Fehler zum Stil erheben. „Voodoo Lounge“ enthält ein Eingeständnis, und darin liegt seine List. Das Programm anerkennt, dass nicht mehr Ekstase gegeben wird, sondern ihre Inszenierung.

24 Gedanken zu “

      1. The first concert 1973 in Bern, Switzerland was excellent, the guitar playing of Keith Richards and Mick Taylor just great. 1976 in Zürich they let the people wait for more than one hour. Mostly songs from the „Black And Blue“ Album already with Ronnie Wood. The concert was ok., but not great.

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      2. Taylor was a shy virtuoso recommended to the Stones by John Mayall. Together with Keith Richards, he developed what Keith called „the ancient way of weaving“, the dreamlike interaction of the two guitarists. This can be heard on the live version of „Sympathy for the Devil“ from 1969, for example:

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    1. Da hast du bestimmt recht! W., ein Bekannter von mir, sammelt alles, was mit den Rolling Stones zu tun hat. Nicht nur alte Schallplatten und illegale Konzertmitschnitte, sondern auch Bücher, Zeitungsartikel, T-Shirts. Von allen Mitgliedern der Gruppe hat er ein Autogramm, vom verstorbenen Brian Jones ebenso, wie den aus der Gruppe ausgetretenen Mick Taylor und Bill Wyman. Als Junge hatte er zu sammeln angefangen. Inzwischen leidet er unter seiner Sammlung. Er will längst schon nicht mehr weitersammeln. Er ist Ende sechzig. Er kann nicht aufhören zu sammeln, das Gewissen würde ihn fertigmachen. Er sagte mir, dass er sich sich nichts sehnlicher wünsche, als dass die Gruppe The Rolling Stones offiziell aufgelöst würde. „Meinetwegen“, sagte er, „meinetwegen soll sich Keith Richards die Gicht in der Griffhand holen oder der Mick Jagger soll eine Stimmbandlähmung bekommen“.

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  1. Als das Album seinerzeit herauskam, kaufte ich mir die CD blind und war enttäuscht im Vergleich zu “Steel Wheels,” was ich nicht schlecht fand. Allerdings ist wohl unbestreitbar, daß die Rolling Stones ihre beste Phase in den sechziger und siebziger Jahren hatten.

    Als Live Band finde ich die Stones nach wie vor spannend. Ich überlege mir ernsthaft, sie noch einmal im Juni 2019 während ihrer “No Filter” US-Tour zu sehen – allerdings nicht zu jedem Preis.

    Mein letztes und bisher leider einziges Stones Konzert in 2006 habe ich als sehr gut in Erinnerung.

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    1. Sogar die Stones selber würden es zugeben, ihre Live-Setlist ist der beste Beleg dafür: Zwischen 1968 und 1973 spielten sie auf der Höhe ihres Könnens: „Beggar’s Banquet“, „Let it Bleed“, „Get Yer Ya-Ya’s Out!“, „Sticky Fingers“ und „Exile on Main Street“ bleiben bis heute ihre allerbesten Platten, obwohl ihnen mehrere Comebacks gelangen. Ich habe die Stones in den 70ern zweimal live gesehen, und dann noch noch ein Mal während der Voodoo-Lounge-Tour im Basler St. Jakobstadion 1995. Meistens merkt man bei ihnen gleich von Anfang an, ob sie an diesem Abend gut drauf sind oder nur auf Routine machen. Was mir an Stones-Konzerte aber immer gefallen hat, ist, dass sie ihre Songs nicht mit überlangen Soli ruinieren, die Live-Version feiert die Original-Aufnahme, statt sie in die Langeweile zu treiben.

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      1. Der 77-jährige Charlie Watts hat breits vor einigen Jahren gesagt, dass er sein Schlagzeug für immer einpackt. Bei Jagger kann man sich das noch nicht so recht vorstellen. Keith Richards und Ronnie Wood waren nie blendende Techniker, aber sie haben sich stets wunderbar ergänzt. Ich hoffe für dich, dass sich die alten Herren am 13. Juni 2019 im MetLife Stadium in guter Form zeigen. Das Ticket war bestimmt nicht billig? Für das Konzert 2017 in Zürich gab es Karten von 250 SFR bis 500SFR. 1973 in der Berner Festhalle für 35 SFR.

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      2. Dank Dir – autsch, da bin ich ja mit $130 vergleichsweise günstig davongekommen!😀

        Dafür sitze ich allerdings auch auf einem “billigen” Platz. Ich hatte einen vergleichbaren Sitz für Springsteen in 2016 und trotzdem eine Klasse Zeit!

        Tja, was die Spielform der Stones anbelangt, die sicherlich variieren kann, muß man wohl abwarten und das beste hoffen! Gleichwohl bin ich froh ein Ticket zu haben. Ich hätte mir vermutlich in den Arsch gebissen diese vielleicht letzte Gelegenheit zu verpassen.

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      3. Ähnlich wie an Klassik-Konzerten nimmt an Stones-Konzerten die Dichte an den grauhaarigen Menschen im Publikum zu. Und wie du sagst: Es dürfte vielleicht die letzte Gelegenheit sein, diese Band live zu erleben. Ein „echter Rolling Stones-Fan“ gibt da gerne etwas aus.

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    1. With „Voodoo Lounge“ they already had their best days behind them, but they prove here that they’re still worth a listen. You can more likely get hooked than not…

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  2. One of my favourite Stones albums… definitely proved the still had the chops. I saw them during the Bridges to Babylon tour and, while I wasn’t much of a fan of that album, the songs stood up well enough. Anyhoo, Voodoo Lounge is probably the album no one expected.

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    1. You’re right no one expected that album. I saw them on the Voodoo Lounge Tour in Basel St. Jakobstadion in July 1995. Great concert. When Jagger began to sing „Sweet Virginia“ the audience sang along, then he sang always quieter, at the end he hummed, and the whole stadium hummed with …

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  3. Ich weiß, ich bin wieder mal sehr streng, aber bei mir stürzten die Stones nach Exile on Main St. in die Bedeutungslosigkeit. Da ich 1972 ja noch recht jung war, fand dieser Prozess erst ein paar Jahre später statt.
    Ich habe die Stones geliebt, aber nach Exile on Main St. war bei mir die Luft raus und ich habe die Stones nur noch sporadisch gehört und nie wieder hat es mich vor Begeisterung umgehauen, wie bei den „alten“ Alben.

    Live habe ich sie nie gesehen, weil ich gegen diese Riesenkonzerte schon immer eine Abneigung hatte.
    Wenn ich in einem Stadion stehe und die Band nur auf einer Leinwand sehe, kann ich sie auch gleich im Fernsehen oder als Video gucken (und daheim ist der Sound besser). 😉

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    1. Bestimmt spielten die Stones bis 1972 auf der Höhe ihres Könnens. Aber auch die Leistung dieser alten Herren ist beeindruckend. Wenn der Tod nur ein Konzert weit entfernt ist, steigt die Intensität wieder.

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