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The Police, Every Breath You Take, 1983

Text/Musik/ Sting

Produzent/ The Police, Hugh Padgham

Label/ A&M

Obwohl ich natürlich weiss, dass Sting in dem Film „Quadrophenia“ nur ein Heuchler spielt, der einmal im Jahr auf seiner chromglänzenden Vespa zum Rädelsführer der Mods wird, an den restlichen 364 Tagen des Jahres aber in der Uniform eines Hotelpagen steckt und untertänig den Kopf einzieht, scheint mir dieses Bild auch auf ihn zuzutreffen. Bereits The Police waren mir zu glatt gewesen, hatten aber immerhin eine Reihe von guten Songs. Der grösste Wurf gelang dem Trio 1983 mit „Every Breath You Take“. Wochenlang blockierte dieser Song die Spitzenposition in England und den USA.

Sting sagte einmal in einem Interview, er habe den Song auf dem jamaikanischen Anwesen von James-Bond-Autor Ian Fleming mitten in der Nacht geschrieben. Er sei wach geworden, wäre aufgestanden, hätte sich an sein Klavier gesetzt und schon nach wenigen Minuten war „Every Breath You Take“ fertig. Vielleicht war Sting noch ein wenig schlaftrunken, und deshalb klingt der Titel so verträumt und leicht. Als die Platte erschien, wurde sie wohl gründlich missverstanden. Das Lied handelt nicht von „True Love“, sondern von Vereinnahmung, Misstrauen und Eifersucht.

17 Gedanken zu “

  1. Trotz komplettem Overexposure im Radio ist “Every Breath You Take” musikalisch gesehen eigentlich ja nichts besonderes und bei weitem nicht die beste Nummer von The Police. Die Folge der Akkorde hatte es ja schon tausendmal davor gegeben!

    Das für mich wirklich herausragende an diesem Song wie auch bei anderen auf dem Synchronisity-Album ist der geniale Sound, den ich durchaus als “signature” bezeichnen würde.

    Es ist sicherlich kein Zufall, daß der Gitarrensound von Andy Summers auf “Every Breath You Take” vielfach gesamplet wurde.

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    1. Andy Summers’ Gitarrenfigur ist ja von Béla Bartok inspiriert. Die erste Phase dieses Songs, die zurückhaltende, ist wirklich zauberhaft. Danach sollte man ausblenden, wenn das blöde Rock-Emotionsgedonner losgeht.

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  2. I’ll be watching you – die DDR-Band Jessica wurde deshalb zu „Ich beobachte dich“ inspiriert. Ein Stalker-Lovesong zwar, aber mit dem typischen Ossi-Subtext: Vorsicht vor Mit40ern mit beige-grauen Windjacken und strengem Gesichtsausdruck, die mehr oder weniger lange in Wartburg-Tourist oder Lada vor deinem Haus parken!

    Mit der „Synchronicity“-LP auf der der Hit ist, hab ich mich zu Ostzeiten mal sowas von bekauft! Hörbar ist da nur eine Plattenseite, die andere ist voller „Experimental-Crap“! Fürchterlich! Bin da nur irgendwie in das Mainstreamfahrwasser geraten, weil selbst in meinem Bekanntenkreis so einige dieses Zeug nachplapperten: Das sind die neuen Cream!

    Hab die seit mitte der 80er dann aber rasant vergessen und vermisse sie nicht.

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    1. Das von Dir erwähnte „Ich beobachte dich“ könnte auch Stasi-Chef Mielke gefallen haben. Jedenfalls waren Songs wie „Every Breath You Take“ damals als Radiofutter für die Kleinbürgerruhe gedacht, während solch routiniert eingeölter Gewissenstrost wie „Walking In Your Footsteps“, bereits die Ängste des platinblonden Superstars um das Leben auf dem Planeten vorwegnimmt, wenn er darüber sinniert, was wohl die Brontosaurier der nächsten vom Aussterben bedrohten Spezies mit auf den Weg geben würden: „If we drop the atombomb/ would they say that we were dumb?“

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    1. Was das Lied so populär gemacht, war bestimmt auch die lyrische Ökonomie; je knapper, desto besser. Sting adoleszente Männerphantasie bringt hier Eifersucht, Kontrolle und Besitz in knappen Sätzen auf den Punkt.

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  3. Für mich sind die ersten drei Police Alben und die Live Konzerte wichtig, weil diese die Kraft haben, die drei Musiker mit einem Publikum spielen können.
    Leider war es dann bereits vorbei.
    Und heute wird die ganze Welt des Business in seine gierigen Einzelteile zerlegt, was sehr richtig ist.
    Das gilt besonders für die völlig fehlgeleitete Ideologie, der Mensch könne das Klima und die Welt retten.
    Das erfogt ganz bestimmt nicht mit The Pölice.
    Musik schafft Emotionalität durch Können und leitet den Menschen zu besten Fähigkeiten.
    Aber dieses ist oft nur einen Takt möglich, geniessen wir diesen.

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    1. The Police waren Ende der Siebziger definitiv eine aufregende, packende Mischung. Während die Kollegen von The Clash, Gen X oder den Pistols noch mit „No Future“ agierten, machten sich The Police daran, die Charts zu erobern. Die ersten Alben, mit Pop-Ditties wie „Roxanne“ oder „ Message In a Bottle“ fand ich damals ziemlich stark. Aber dann wurde Sting als Vorzeige-Intellektueller, Regenwald-Retter, Multikulturalist herumgeboten. Nicht jeder ist für die Zuschreibungen schuld, mit denen ihn Presse und Publikum bedenken. Sting schon. Der Mann war mal Lehrer; er scheint sich nicht mehr davon erholt zu haben.

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