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Sheryl Crow, Run, Baby, Run, 1994

Text/Musik/ Sheryl Crow

Produzent/ Bill Bottrell

Label/ A&M

Sheryl Crow aus St. Louis in Missouri singt die Geschichte einer namenlosen Frau, die so alt ist wie Aldous Huxley tot: „She was born in november 1963. The day Aldous Huxley died.“

Sie intoniert die Eröffnungszeilen als Gospel, doch mit Glauben hat das Stück nichts zu tun. Die Mutter war immer high, erfährt man weiter, der Vater sang Protestlieder in Birmingham, Alabama. Und lehrte sie das Leben zu meistern. „Burn, Baby, Burn“ hatten die Beatpoeten in den Fünfzigern gefordert. „Run, Baby, Run“ tönt es aus den Neunzigern zurück. In der letzten Strophe schaut die Erzählerin den Demonstranten im strömendem Regen zu und zählt, auf dem Weg zum Flughafen, gedankenverloren das Taxigeld: „She’s searching through the stations. For an unfamiliar song“ singt sie noch, aber die Zeiten sind vorüber, wo Songs etwas Neues zu erzählen hatten und die Radiostationen es auch verbreiteten. Die Musik klingt nicht anders, liesse sich entgegnen; sie wird bloss anders gehört.

Sheryl Crow nahm den Song mit 29 Jahren auf, er stellt einen Rückblick dar auf ein Jahrzehnt, das ihre Musik definierte, an dem sie aber nicht teilhatte. Dass „Run, Baby, Run“ das Melancholische streift, reflektiert die Position der Erzählerin, ihre Erfahrung als Kind der Sechziger und Songschreiberin in den Neunzigern.

4 Gedanken zu “

  1. Huch? Fällt niemandem zu der Dame was ein? Also ich rätsle seit Jahren über das Phänomen der früh 90er Rockerdamen: Suzanne Vega, Tracy Chapmann, Tanita Tikaram, Shinead O’Connor, Sheryl Crow: Superstarke Debuts, eventuell noch ne zweite wahrgenommene LP – dann erlosch das Interesse der Öffentlichkeit, obwohl weitere, teils sehr gute Alben entstanden.

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    1. Sheryl Crow ist hierzulande leider in erster Linie als Sängerin des tumben Radiohits „All I Wanna Do“ bekannt geworden. Tatsächlich ist sie aber viel mehr als nur eine hübsche Sängerin mit netten Liedern. Um das herauszufinden muss man allerdings ihre ersten Alben hören. Grossen Ärger bekam Crow dann in den USA für den Song „Love Is A Good Thing“. Musikalisch zwar kein Meisterwerk. Aber dieser Text! „Watch our children while they kill each other. With a gun they bought at Walmart discount stores“. Die späteren Alben von ihr erreichen für mich allerdings nicht mehr die emotionale Tiefe von den früheren Sachen. Trotzdem: Eine tolle Frau!

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  2. Ich stimme Dir zu, daß Cheryl Crow mehr als eine attraktiv aussehende Dame ist.

    Jemand, die ihre eigenen Stücke schreibt und darüber hinaus eine Musikerin ist, verdient generell meinen Respekt, selbst wenn mir die Songs nicht unbedingt zusagen.

    In Cheryl Crows Fall gibt es einige Sachen, die mir gut gefallen. “Run Baby Run” gehört dazu. “If It Makes You Happy” ist ein anderer Klasse Song. “All I Wanna Do” finde ich ebenfalls nicht schlecht, allerdings hat dieser Song das Problem im Radio zu Tode gespielt worden zu sein.

    Crow hat definitiv ein Ohr für eingängige Melodien und eine dezente Stimme.

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    1. Sheryl Crows erste Songs enstanden 1993, in enger Zusammenarbeit mit dem „Tuesday Night Music Club“, eine lose Gruppe um den Songschreiber David Baerwald, die das Material in nächtelangen Sessions sich entwickeln liess. Herausgekommen ist dabei auch der „Na Na Song“, eine Parodie auf John Lennons „Give Peace A Chance“, der mit zusammengeschnittenen News-Partikeln operiert und sich im Refrain als Fussballhymne höhnisch auflöst:https://www.youtube.com/watch?v=WfEPXXL3uvM

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