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The Animals, I’m Crying, 1964

Text/Musik/ Eric Burdon, Alan Price

Produzent/ Mickie Most

Label/ Columbia

Die wesentlichen Charakteristika, die den Erfolg der Animals ausmachten, waren Eric Burdons expressiver, kraftvoller, mit viel Gefühl vorgetragener Gesang, die inspirierten Arrangements von Alan Price und die deftige, realistische Sprache der Arbeiterklasse. Die fünf Musiker, allesamt aus der Umgebung der schmuddeligen Industriestadt Newcastle, trafen sich 1962 bei der Alan Price Rhythm & Blues Combo, die mit wechselnden Musikern bereits seit 1957 unter ständiger Führung des Pianisten Alan Price existierte. Die Band spielte zuerst im örtlichen Downbeat Club und wurde wegen ihrer anarchischen Bühnenshow von ihren Fans Animals genannt. Unter diesem Namen zogen sie 1963 im Club A-Go-Go ein und erlebten im selben Jahr ihren ersten Fernsehauftritt bei der BBC.

Der Name Animals war in der Tat die logische Konsequenz ihres wilden Aussehens. Jahre später äusserte sich Burdon in seiner Autobiographie „My Secret Life“ etwas differenzierter: „Wir nannten uns Animals, weil Rock von einfachen, grundlegenden animalischen Affekten und Bedürfnissen handelt. Die meisten Leute denken bei diesem Namen an Löwen, Tiger, Elefanten und Zoos; für mich bedeutet es aber Schweiss, Sound, Sorgen und Soul.“

Die Animals verbanden R&B, Soul und knochentrockener Rock’n’Roll zu einem ureigenen Konglomerat, das sich über die tiefempfundene Intensität von Burdons Stimme artikulierte. Burdon war einst Schüler bei Alexis Korner und hörte die Klassiker von Big Joe Turner und Jimmy Reed. Das Material der Animals, die jeden Konzertsaal auseinandernahmen, bestand vorwiegend aus Evergreens und ein paar Eigenkompositionen, für die vorallem Burdon und Price verantwortlich waren. „I’m Crying“ ist einer der wenigen Songs, der von den beiden stammt. Das Stück tönt zwar fast wie Rock’n’Roll, entwickelt sich aber über ein einfaches Blues-Schema, das damals von ziemlich vielen Bands benutzt wurde.

8 Gedanken zu “

  1. Die Animals waren eine starke Band, von der ich für lange Zeit lediglich “House Of The Rising Sun” und “We Gotta Get Out Of This Place” kannte.

    Wie Du zu Recht erwähnst, war es insbesondere die raue Darbietung von Covern, geprägt von Eric Burdens Klasse Stimme und dem charakteristischen Sound von Alan Prices Vox Continental, was die Animals ausmachte. “I’m Crying” zeigt, daß Burden und Price auch eigene gute Stücke schreiben konnten, wenngleich dies sehr selten war.

    Bei den reformierten Eric Burden & The Animals war dies ja dann anders. Wohingegen mir die Musik der Band in ihrer Originalbesetzung mehr zusagt, gibt es auch bei dieser Version der Animals ein paar spannende Sachen.

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    1. Die Animals waren halt eine Beat-Band, bevor sie anfingen zu experimentieren. Es gab damals jede Menge Rockmusiker, die aus Minderwertigkeitsgefühlen oder Dünkel heraus, den Wunsch verspürten, Kunst zu produzieren. Das führte oft zu peinlichen Resultaten, da nicht besserer Rock’n’Roll herauskam, sondern schlechter Jazz oder noch schlimmer vulgäre Klassik. Anderseits sollte man auch die Spontanität der Beat-Musik nicht überschätzen. Ein Song wie „I’m Crying“ ist kein spontaner und schon gar kein zufälliger Prozess. Das Video zeigt ja, dass Auftritte damals in einer Dramaturgie inszeniert waren, mit vorgestanzten Gesten und Abläufen.

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  2. Extrem saugut!!! Schon allein der Song I´m Crying ist unglaublich … freu mich so über all die wunderbare Musik hier! Zauberklänge sind das, garniert mit interessantem Infomaterial, bestens geschrieben, vielen herzlichen Dank und liebe Grüße!

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    1. Danke! Die Animals hatten ja bis 1966 eine ganze Serie von Hits ( „Don’t Let Me Be Misunderstood“, „Bring It On Home To Me“, „We Gotta Get Out Of This Place“, „It’s My Life“, „Don^t Bring Me Down“. Das war eine raue Alternative zum eher gepflegten Merseybeat und dem harmonischen Poprock der Beatles. „I’m Crying“ gefällt mir noch heute gut; vorallen Eric Burdon’s Röhre und Alan Price’s starkes Orgelspiel treiben den Song voran.

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