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ZZ Top, Jesus Just Left Chicago, 1973

Text/Musik/ Billy Gibson, Dusty Hill, Frank Beard

Produzent/ Billy Ham

Label/ London Records

Es beginnt mitten in einem anderen Lied, „Waiting For A Bus“, das nach drei Minuten plötzlich unterbrochen wird. Mitten in einem sich sowieso nicht sonderlich beeilenden Bauernblues schaltet die Band nochmals zwei Gänge zurück, und eine Stimme, die klingt, als habe man ihren Besitzer in aller Frühe aus dem Bett geholt, stöhnt: „Jesus just left Chicago/ And he’s bound for New Orleans./ Jesus just left Chicago/ And he’s bound for New Orleans.“ Gerade die Wiederholung lässt den Verdacht aufkommen, dass es die Aufgabe ebendieses Mannes war, Jesus keinen Moment aus den Augen zu lassen und dafür zu sorgen, dass Jesus Chicago nicht verlassen konnte; aber er hat versagt. Es kam zu einem Wortwechsel, dann hat Jesus sich aus dem Staub gemacht und ist jetzt vermutlich unterwegs nach New Orleans.

Man erwartet nun eine Personenbeschreibung des Flüchtigen, aber was kommt ist ein kodierter Bericht: „Working from one end to the other/ And all points in between.“ Wenn es hier nicht um einen flüchtigen Erlöser ginge, sondern um einen von zu Hause weggelaufenen Teenager gleichen Namens, dann könnte man vielleicht noch davon ausgehen, dass dieser Satz triviale Bedeutung hat. Scheinbar trivial, denn dieses „Dazwischen“ wird nicht nur durch den Anfangs- und den Endpunkt bestimmt, sondern vorallem durch den Weg, denn jemand zurücklegt, um von A nach B zu kommen – und der kann über den ganzen Globus führen und ein ganzes Menschenleben lang dauern, oder – wie in diesem Fall – alle Menschenleben zusammen. Ausserdem wäre Jesus nicht der erste, der im Irrgarten des „Dazwischen“ verschwunden ist.

7 Gedanken zu “

  1. Zwei Klasse Stücke von einer super Scheibe. ZZ Top sind schon drei coole Typen.

    Als ich sie letztes Jahr zusammen mit John Fogerty sah, war ich allerdings etwas enttäuscht über einen eher routinemäßig anmutenden Auftritt. Dieser stand in deutlichem Gegensatz zu John Fogerty, der sichtlich Spaß auf der Bühne hatte.

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    1. „Jesus Just Left Chicago“ groovt, dass einem fast das Herz übergeht. Das Gitarrensolo von Billy Gibbons spricht für sich selbst. Von ZZ Top/ Fogerty habe ich mir mal ein paar Videos angesehen. Wahrscheinlich hatten die einige tolle Geschichten miteinander, aber eine ganze Tour hätte es da nicht gebraucht.

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  2. Die Tour war gut, alleine schon wegen Fogerty, der nach wie vor seine Stimme hatte und auch als Gitarrist überzeugte. Und obwohl ZZ Top im Vergleich etwas kühl herüberkamen, hat es trotzdem Spaß gemacht sie zu sehen – sind ja schon irre Typen!

    Ich mag es halt generell lieber, wenn man neben gut präsentierter Musik auch spüren kann, daß Musiker mit Herz und Seele ans Werk gehen. Bei Fogerty konnte man dies deutlich sehen. Bei ZZ Top eher weniger. Vielleicht hing es auch ein Stück weit mir ihren Megabärten zusammen, die das Erkennen von Gesichtsminen etwas schwieriger machen!😀

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    1. Bei ZZ Top ziehe ich klar die alten Sachen vor. Diese Art den Blues zu spielen, war es, was mich damals zum Fan gemacht hat. Und es macht immer noch Spass „Tres Hombres“, „Fandago“ oder „ Eliminator“ zu hören. Diese Videoclips von Kerlen mit Bärten und mit Fell bekleideter Gitarren, die wie Propeller vor ihrem Bauch herumwirbeln, und ein von langbeinigen Traumfrauen gesteuertes Geisterauto, dass die Jungs von den Tankstellen entführt, waren einfach teuflisch gut. Im Laufe der 80er Jahre haben ZZ Top für mich dann ihren Zenit erreicht.

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