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Maria Muldaur, Richland Woman Blues, 2001

Produzent/ Holger Peterson

Label/ Grooveland

Maria Muldaur ist am besten bekannt für ihren Song  „Midnight At The Oasis“ aus dem Jahre 1973. Seither hat sie sich als eine der besten Folk/ Country/ Jazz/ Blues/ Gospel-Interpretinnen etabliert, die je eine Top-Five-Single platzieren konnte. Nach 27 Jahren und 24 Soloalben ist Muldaur – inspiriert durch einen Trip zur Beale Street in Memphis – weit zurückgegangen zu ihren Wurzeln und zollt den Klassikerinnen des Blues der Zwanziger- und Dreissigerjahre ihren Tribut.

Gefördert von ähnlichen Beweggründen wie Bonnie Raitt, Taj Mahal oder Alvin „Youngblood“ Hart, bewegt sich Maria Muldaur auf „Richland Woman Blues“ munter durch vierzehn Stücke von Ikonen wie Bessie Smith und Memphis Minnie oder auch von Reverend Gary Davis, Mississippi John Hurt und Blind Willie Johnson. Indem sie die Instrumentalbegleitung auf eine einzelne Gitarre oder Klavier und einen gelegentlichen Bass beschränkt, hat Muldaur genügend Raum, sie lotet die gesamte Bandbreite ihres bewegenden Gesang von erdigen Stöhnern hin zu hohen nervösen Trillern aus.

Weit davon entfernt, wie eine Geschichtsunterrichtsstunde zu wirken, werden diese Songs mit der gleichen Stärke und Hartnäckigkeit vorgetragen wie von den Frauen, die sie ursprünglich gesungen haben. Ob es sich um saftige doppeldeutige Texte handelt wie in „Me And My Chauffeur Blues“ („the way you ride so easy, I can’t turn you down“) oder, in Bessie Smiths „Far Away Blues“, die Sehnsucht nach der Heimat in den Südstaaten, nachdem sie wegen der grossen Depression in den Norden gezogen war – die Sängerin bleibt stets kräftig und inspiriert.

Indem sie zurückkehrt zu den Kaffeehaustagen mit der Jim Kweskin Jug Band in den späten Sechzigerjahren, hat Maria Muldaur die Oase ihrer mittleren Jahre entdeckt mit „Richland Woman Blues“.

13 Gedanken zu “

    1. Dass Maria Muldaur in der Bluesszene einen hohen Stellenwert hat, zeigt schon die Gästeliste von „Richland Woman Blues“: Roy Rogers, John Sebastian, Bonnie Raitt, Dave Mathews, Alvin Youngblood Hart, David Wilkie, Tracy Nelson und Taj Mahal. Das Titelstück „Richland Woman Blues“ stammt von Mississippi John Hurt. Dieser weiche leise Blues ist auch im Original eine Wohltat für die Ohren: https://www.youtube.com/watch?v=ODykMOkJKZM

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  1. Früher haben mir Frauenstimmen nicht so gefallen, später (ab den 90ern) gefielen Heather Nova, Sugar Cubes mit Björk , Mylene Farmer… immer besser, weil sie verstärkt heavy Sounds spielten und sich richtig frei kämpften.

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    1. Maria Muldaur ist ja inzwischen 75 Jahre alt, aber sie kann es immer noch: mit ihrem letzten Album „Don’t You Feel My Leg“ (2018), feiert sie ihr Blues Idol Blue Lu Barker mit doppeldeutig anzüglichen Texten, die so manchen Rap-Macho die Schamröte ins Gesicht treiben würde. Auf die Generation der von dir erwähnten Frauenstimmen werde ich hier später bestimmt wieder zurückkommen.

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  2. Wow, echt knackig – super Stimme und Klasse, minimalistische musikalische Begleitung!

    Von der Dame hatte ich glaube ich noch nicht gehört. Mein erster Gedanke beim Lesen ihres Namens war, ob sie vielleicht sogar aus dem deutschsprachigen Raum kommt!😀

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    1. Maria Grazia Rosa Domenica d’Amanto stammt aus dem New Yorker Greenwich Village. In ihren Anfängen hat sie in der Jim Kweskin Revival-Jug-Band gesungen, deren Gitarrist Geoff Muldaur später ihr Ehemann wurde. Die Fingerstyle-Gitarre in „Richland Woman Blues“ spielt John Sebastian von der Gruppe Lovin’ Spoonful, die in den 60er mit „Summer In The City“ oder „Do You Believe In Magic“ bekannt wurden.

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  3. „24 albums“? I have some catching up to do. I listened to her a lot. Especially her first couple albums and a few others since. I always loved her voice and choice of material (Maryanne Price from Dan Hicks band has a similar vibe to me).The age old question of „why she isn’t more popular?“. I’m not big on vocal gymnastics. My ear is drawn to the more subtle approach like Maria’s. Good choice Fox.

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    1. Sorry CB, I have to make a correction: Maria Muldaur is 75 and she made finally 38 (!!) albums: Last one „Don’t You Feel My Leg: The Naughty Bawdy Blues of Blue Lu Barker“ in 2018. I didn’t listen to all of them, but I like her as a blues singer. She has a natural full voice, a good sense of time and beautiful melodic, lazy lines. She reminds me of old blues singers like Bessie Smith or Memphis Minnie.

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      1. Yeah, I always liked when she did this old hokum-stuff. Maria Muldaur is probably next to Bonnie Raitt, Lucinda Williams, Rory Block and Marcia Ball one of the most famous blues singer of her generation.

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