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Motörhead, Ace Of Spades, 1980

Produzent/ Viv Maile

Label/Bronze

Ich hatte mir das Album „Ace Of Spades“ im Dezember 1980 gekauft. Natürlich war das kein Punk, aber es war affengeil, Motörhead prügelten die abgedroschenen Bluesklischees aus dem Rock’n’Roll raus; ihre Musik war ungeheuerlich schnell, ungeheuerlich laut, dreckig und primitiv. Und dieser Bass! Und kaum Gitarrensoli! Und dieses als Gesang getarnte Röcheln! Hardrock mit der Energie und der Wut des Punks. Und: Motörhead waren potthässlich, unglamourös und hatten nichts am Hut mit der frisch geföhnten Gockelhaftigkeit der damaligen Hardrockmacker. Motörhead wurden zur Konsensband – sie waren lange die einzigen Schwermetaller, die sich auch in der Punk- und Indieszene grosser Beliebtheit erfreuten. Wer Rock’n’Roll mag, kann „Ace Of Spades“ unmöglich nicht lieben.

Mitte der 80er Jahren verlor ich das Interesse an der Musik von Motörhead, bin aber ein Lemmy-Kilmister-Fan geblieben. Ich fand diesen Kerl einfach grossartig, sein Image seinen Humor, seine Interviews, seinen Schnauz, seine Fibrome im Gesicht, seinen Whiskeykonsum. Wie vieles davon Image war, kann ich nicht abschätzen; ist mir auch egal; seine Autobiographie habe ich nicht gelesen. Aber für mich war einer, der sich nicht anbiederte und schon gar nicht verkaufte. Ein Aussenseiter, ein Desperado. Aber cool. Souverän. Wie auf dem „Ace Of Spades“-Cover. Lemmy Kilmister verkörperte etwas, das der Rock’n’Roll dringend braucht. Eine Art Gewissen vielleicht, obschon er diesen Begriff vielleicht verspottet hätte, eine Haltung, die bei aller Inszenierung nicht aufgesetzt war, sondern seit seinen Anfängen in den Sechzigerjahren gereift und zur Überzeugung und wohl auch zur Identität geronnen war.

25 Gedanken zu “

  1. I liked Lemmy before I liked Motorhead. He was cool and uncompromising. First album of theirs I bought was Bastards in the mid-90s. I spotted the cassette when buying a couple of things and thought „yeah – why not“. That one is probably my favourite. Naturally, I knew Ace of Spades, so this was the second album of theirs I explored… I was not disappointed.

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    1. Lemmy first appeared for me in the psychedelic progrock band Hawkwind in the trash-science-fiction hit „Silver Machine“. „Overkill“ was then THE hardrock album from Motörhead, but actually it wasn’t really hardrock at all, it was more like a milling machine with the shouted prompts of the foreman. After „Ace Of Spades“ and the great live album „No Sleep ‚Til Hammersmith“ it could only go downhill with Motörhead. The album „Orgasmotron“, produced by Bill Laswell, was still kind of interesting, even if I thought the lyrics full with occultism and apocalypse where superficial.

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      1. I like Hawkwind’s livealbum „Space Ritual“. It’s a kind of resume of space rock. At that time, the group had an audiovisual concept with music, poetry and the dancer Stasia.

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  2. Das Albumcover zierte das Plattengeschäft Musicland in Hannover in breiter Front auf Sandboden. Damals hörte man die Scheiben noch Probe mit Brause und Kopfhörer am Tresen. Ha Ha, let the good Songs roll.
    😎

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  3. PS Genau das ist meine Stratocster von 1979 nur mit schwarzen Schlagbrett und Tonabnehmern.
    Motörhead waren maximale Power im Original mit dem Rickenbacker Bass, der in unserem Musikhaus im Schaufenster glänzte für 2.100 DM.

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    1. Diese schnellen, gewaltigen Vollgassongs spritzen ja Lemmy Kilmister in seiner Glanzzeit einfach so aus dem Rickenbacher Bass wie seinerzeit einem Antonio Vivaldi die immer gleichen Barock-Konzerte.

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  4. Primitiv. Dreckig. Stimmt alles. ZU dreckig. Die Truppe war mir zu Assi.
    Schon bevor Motörhead gegründet wurden, trugen unsere Müll-Männer diesen „Cowboyhut“ mit hochgesteckter Krempe. Nun könnte man sagen: Na und? Die sind auch wichtig.
    Andererseits waren sie jene Ex-Klassenkameraden oder Schulhofschlägeroriginale, mit 7.Klasseabschluss, die man wirklich nicht persönlich kennen möchte. No-go. Auch wenn „meine Metalqueen Doro Pesch“ noch so sehr von ihm schwärmt.

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    1. Sie waren halt eine Truppe, die einen üblen Ruf und bemerkenswert schlechte Manieren hatte. Und Lemmy wollte in seinem Image als Prolo möglichst echt und und ehrlich wirken, stur kompromisslos und unbeugsam, im besten Sinn eindimensional: „We’re Motörhead and we play rock’n’roll!“

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      1. That is great! Have you seen the clip of him going to buy a Beatles box set? It is really entertaining. He talked about how he would go down and see The Beatles at the Cavern Club.

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      2. Those are the ones I bought also.

        It was also interesting on what he said between the Beatles and Stones…I didn’t expect that…I expected him to be more of a Stones fan.

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  5. Scott Ian of Anthrax told this story about Lemmy…They were jamming together and Lemmy had these ridiculous short cutoffs on. They were very 70s, so short that you could see the white cotton of the pockets hanging out the fringe, and this was in the 90s when men’s shorts were very, very long. The guys from Anthrax were ribbing Lemmy about them and he gave it right back to them. „This are proper shorts man,“ he said. „Real shorts.“ To me, that is the sum of his persona and his music. Real.

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