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David Bowie, Heroes/Helden, 1977

Text/Musik/ David Bowie, Brian Eno

Produzent/ David Bowie, Tony Visconti

Label/ RCA Records

In David Bowies „Heroes/Helden“ kulminierte alles, was 1977 im Angesicht von Englands „No Future“ zu sagen war: die distanzierenden Anführungszeichen zum Helden, dieses Wir-gegen-die-Welt-mit-dem-Rücken-zur-Wand-Gefühl, dazu die politische Kulisse der Berliner Mauer, Schüsse peitschen durch die Luft, doch vor allem – „just for one day“. Die Geschichte eines einzigen glücklichen Tages setzte den trotzigen, hoffnungsvollen Gegenentwurf zur alten Jugendhymne „My Generation“ mit dem legendären „I hope I’ll die before I get old“ oder zur kommenden Losung Neil Youngs „Better to burn out than it is to rust.“ Und die deutsche Sprache fügte zur richtigen Haltung noch Tiefe: „Und die Scham fiel auf ihrer Seite /und wir können sie schlagen/ für alle Zeiten/ dann sind wir Helden/ für diesen Tag.“ Am Rande des stimmlichen Abgrunds schrammt er, kratzt an den grössten Gefühlen, versteht nicht die Sprache, nur ihren Klang.

Bowie stand damals im Zentrum der Aufmerksamkeit und die amerikanische Rockmusik musste sich über Deutschland und Berlin Gedanken machen. Zudem hatte sich Bowie als Maler im expressionistischen Stil nach deutscher Heckel-Manier profiliert, er spielte, gar neben Marlene Dietrich, in einem Kostümfilm, aus den dreissiger Jahren. „Just A Gigolo“. Dass er einen Titel seines Albums „Heroes“ nach dem Berliner Stadtteil „Neukölln“ nannte, einen anderen nach Florian Schneider von Kraftwerk – allerdings in der martialischen Verbindung „V-2-Schneider“ – schlug in dieselbe Kerbe.

24 Gedanken zu “

  1. Ein toller Beitrag zum 17.Juni! Für mich war dieser Feiertag immer einer der richtigen, echten, die einen wichtigen Anlass hatten, um ohne Arbeit darüber zu reflektieren – jeder in seiner Welt und Zeit.
    Dazu paßt David Bowie genau.

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    1. Tag der deutschen Einheit! Ich habe das späte West-Berlin Mitte der achtziger Jahre kennengelernt. Da ging die Mauer durch die Stadt wie ein Gerücht, gestreut von Fremden oder von der Berlinwerbung selbst. Berlin war damals Wall City und sein berühmtestes Bauwerk sein Logo. Und ich wusste, da gab es dieses berühmte Studio in dem Bowie seine legendären Berlin-Alben aufnahm.

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  2. „Just a gigolo – das waren alle meine 36 Elvis-Filme auf einmal.“ (Bowie) Der Film war viel später und ist wirklich mies. Ein dürftiger Abklatsch vom Lisa-Minelli-Erfolg „Cabaret“.

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    1. „Just A Gigolo“ ist ein kurioser und wirrer Streifen. Der Film interessierte mich nur mehr am Rande, so viel etwa wie, dass Angie Bowie 1978 wegen Romy Haag die Scheidung eingereicht hatte.

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      1. In ihren Memoiren beschreibt sie das fading out ihrer Ehe als Langzeit Drogenfolge. Besonders eindrucksvoll das gemeinsame Abhängen mit dem genauso verwirrten John Lennon in Kalifornien (zu Fame-Zeiten) kurz vor dem Sprung nach Berlin. Romy Haag war da eher nur der Schlussstein.

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      2. Das Buch von Angie Bowie habe ich nicht gelesen, kann dazu also nichts sagen. Der Flirt von David Bowie mit der Nachtclubschönheit Romy Haag war halt damals ein gefundenes Fressen für die Presse, da es sich bei der Dame um einen jungen Mann handelte, der sich an seinen maskulinen Vornamen gar nicht so erinnern konnte.

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    1. I totally agree. This song, one of Bowie’s greatest performances, has a lot to do with Brian Eno and Robert Fripp. I love the (physical) motion of the music, the way the rhythm chugs along like, say a train taking one into West Berlin to meet their loved one.

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      1. I always thought the two had something to do with each other. While Bowie’s self-staging put the artificiality in the spotlight, wanted Lemmy look as real and honest as possible. Two opposing positions, but they are essential for rock’n’roll.

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    1. In his Berlin years was David Bowie probably a step ahead of the music world. „Heroes“ is a masterpiece. Famous became the song also through the movie „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

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