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Howe Gelb & A Band Of Gypsies, Alegrias, 2010

Produzent/ Ali Chant

Label/ Fire Records

Als gutgelaunter Sprücheklopfer und charmanter Conferencier ist Howe Gelb nur selten anzutreffen. Aus seinem Werk und Wirken dringt eher selbstversunkene, oftmals traurig grundierte Nachdenklichkeit, die der Mann bei seinen Solokonzerten auch szenisch unterstreicht. Ansatzlos wechselt er dann jeweils von der Gitarre ans Klavier, drückt ein paar Akkorde in die Tasten und tastet sich so in den nächsten Song hinein.

Die Veröffentlichungsliste des umtriebigen und nimmermüden Liedermachers aus dem sandigen US-Bundesstaat Arizona ist lang und auf den ersten Blick ziemlich verwirrend. Howe Gelb kannte und kennt auch keine Berührungsängste zu anderen Musikstilen. Auf seinem Soloalbum „Alegrias“ aus dem Jahr 2010 stellte er sein, doch zutiefst amerikanisch geprägtes Songwriting, in einen neuen Kontext, der weiter weg von den USA kaum sein könnte. Die Zigeunermusik liefert hier den musikalischen Boden auf dem seine Oden gedeihen. Natürlich ist man bei Gelb nie vor unerwarteten Wendungen sicher und darf sich nicht wundern, wenn das perlende akustische, spanische Gitarrengeklimper plötzlich eine mächtig verzerrte Strombreitseite abbekommt. Trotzdem dominiert hier der Geschichtenerzähler Gelb, der einem mit seinem timbre schon nach den ersten gesungenen Textzeilen in seinen Bann schlägt. Mit seinen Songs leuchtet er das dunkle Amerika ebenso wie die innere Landschaft aus. Beklemmende Gegenden, in denen sich allerhand zuträgt, das besungen werden muss. Freilich nicht in Form von staatskritischen Protestsongs, sondern in beseelten Fragmenten und brüchigen Hymnen, oftmals im Skizzenstadium belassen.

Es gibt wenige Musiker denen mit Mitte 50 noch wirklich Neues einfällt, Howe Gelb gehört definitiv dazu und obwohl dieses Album von einer fremdartigen Musik getragen wird, so ist es dennoch ein waschechtes Americana Album.

13 Gedanken zu “

    1. Howe Gelbs Ausflug in die Zigeunermusik ist ein ähnlicher „Fake“ wie seine Reise in verschneite Nächte voller Gospelchöre auf seinem Album „Sno‘ Angel Like You“. Gelb zeigt uns, dass im Grunde jeder Kontext kulturellen Schaffens mit Blick auf Region, Sprache, Wahlverwandtschaft und folglich Tradition dennoch immer etwas Gemachtes ist.

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  1. Habe auf meiner Ibanez Konzertklampfe etwas Flamenco mitgespielt. Das war so hart, emotional, wie sich das spielen vom Gehirn löste und in die Finger, den Körper floss. Am Ende hatte ich Bauchschmerzen und leichte Starre. Hallo very physical😅

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    1. Auf meiner Martin D-28 lässt sich fast alles spielen. Und ich habe mich vor Jahren auch an ein paar Flamenco-Stücke versucht. Aber die vielen Rasguedo-Arten können nicht eben mal durch einen Trick erlernt werden. Das ist eher ein langwieriger Prozess. Ich übe auch heute noch viel, habe aber mein Repertoire fast ausschliesslich auf Blues eingeschränkt und das ausgesondert, was nicht gelingen will.

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    1. I know how you feel about this music CB, even if I missed the 4 Door Maverick ride. But I was in Arizona and in Andalusia. Both places has glowing sun, dusty-barren landscapes, driving around drovers and guitar sounds. The idea to look for musical intersections is not so far. Flamenco-Americana. I think this is a brilliant idea of Howe Gelb.

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    1. I think Howe Gelb doesn’t speak much Spanish, but he made „Alegrias“ with people who doesn’t speak much English. They just communicated trough music with each other. I love the cover too, it’s a nice artwork.

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