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The Rolling Stones, (I Can’t Get No) Satisfaction, 1965

Text/Musik/ Mick Jagger, Keith Richards

Produzent/ Andrew Loog Oldham

Label/ Decca

Welterschütternd, nichts weiter als das. Ich war gerade 12 geworden, als dieser Aufruhr, diese ungeheure Ungehörigkeit erstmals an mein Ohr drang, nächtens über Mittelwelle. Es war die neuste Stones-Single, die erst ein paar Wochen später herauskam, aber der Piratensender „Radio Caroline“ hatte eine Vorabpressung und spielte sie rauf und runter.

Die Botschaft? Ach, das Wort Kosumterror hatte damals noch nicht den kollektiven Wortschatz bereichert, woher sollte ich also wissen, wogegen Mick so erbost ansang? Was ich verstand, war, dass mir diese ominöse „Satisfaction“ auch mächtig abging. Hier wurde stellvertretend für mich Befriedigung eingefordert, jede Umdrehung der Single brachte mich zum Beben, von dessen Wirkmächtigkeit ich allenfalls eine blasse Ahnung hatte. Zigmal täglich drehte sich das Hormonkarussell auf dem Plattenteller, wenige Wochen nach meinem 12. Geburstag war ich 15, daran war nicht zu zweifeln.

15 Gedanken zu “

  1. Nicht nur ein bemerkenswerter Text, sondern nach wie vor auch einer der besten Gitarrenriffs, den man bereits nach dem ersten Hören einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Und sicherlich einer der besseren Träume, die Keith Richards in seinem bewegten Leben hatte!

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    1. „(I Can’t Get No) Satisfaction“. Wir wissen das seit 1965. Auch auf das Altgewordensein… Aber damals waren die Stones gut. Und sie brachten in genialer Weise die Aufbruchstimmung, worum es den Jugendlichen wirklich ging, musikalisch und lyrisch auf den Punkt – einfach, schnörkellos, brilliant.

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  2. MW Mittelwelle, habe ich Anfang der 70er auch noch gehört.
    Mein Onkel arbeitete bei Telefunken und ich bekam für wenig einen Cassettenradiorekorder mit Kopfhöreranschlußbuchse zum Nachts hören.
    Da waren die Rolling Stones schon fast Oldies.

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    1. Mitte der 60er Jahre wurden die Schweizer Radiohörer mit Ländlern und leichter Klassik vom Radioorchester Beromünster berieselt. Auch die öffentlichen Radiosender in der BRD waren musikalisch konservativ ausgerichtet. „Radio Caroline“ und „Radio Luxemburg“ waren neben den britischen und amerikanischen Soldatensendern BFBS und AFN die einzige Plattform für neue Pop- und Rockmusik.

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  3. BFBS war meine musikalische Homebase in der Rock und Heavy Metal Era😎, weil Hannover Britische Zone war. RTL war schwach zu empfangen.
    Gut daß WDR die Spartenschiene fuhr, um sich klangmäßig offen halten zu können. Radio war beschränkt durch die Wellengrenzen, heute unvorstellbar.

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    1. Das öffentlichrechtliche Schweizer Radio hatte Mitte der 60er Jahre die ersten Lebenszeichen der Beatles und der Rolling Stones ebenso verschlafen, wie auch Bob Dylans Lieder. Damals herrschte popmusikalische Einöde. Ab 1967 konnte dann immerhin „Salut les Copains“ (später „Sounds“) das wachsende Bedürfnis nach Pop und Rock zumindest teilweise stillen. Doch die erste Schweizer Popsendung wurde stiefmütterlich am wenig attraktiven Montagabend platziert. Umso wichtiger waren damals Stationen wie „Radio Caroline“, wo ich nicht nur zuerst Songs von den Stones, sondern auch von The Who und The Animals gehört habe.

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