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Zager & Evans, In The Year 2525, 1968

Text/Musik/ Denny Zager, Rick Evans

Produzent/ Tommy Allsup

Label/ RCA

Es gibt Tage, an die sich jeder erinnert, der sie erlebt hat. Sonntag, der 20. Juli 1969 ist für viele Menschen so ein Tag – staunend sehen sie in schwarzweissen Bildern, wie eine Raumkapsel dem Mond entgegenschwebt und gegen vier Uhr morgens am Montag der erste Mensch die Oberfläche des Erdtrabanten betritt. Am 12. Juli erscheint „In The Year 2525“. Ein Lied, dessen düsterer Text die einst schon von Aldous Huxley formulierten Ängste vieler Menschen vor der „Schönen Neuen Welt“ von morgen widerspiegelt. Ein grösserer Kontrast zum Triumph der Mondlandung ist kaum denkbar.

„In the year 2525/ if man is still alive“: Ist es zu Beginn noch in eine harmlose Melodie verpackte Mahnung vor allzublindem Fortschrittsglauben, werden die Visionen zunehmend apokalyptischer. Im Jahr 3535 schlucken die Menschen ihre täglichen Pillen nicht mehr um zu gesunden, sondern um ihre Verantwortung loszuwerden und Gleichmut zu gewinnen. Die stimmungsaufhellende Pille Prozac, die eine ähnliche Wirkung der hier beschriebenen hat, kommt erst Jahrzehnte nach dem Song in den USA auf den Markt. Heute ist sie dort so populär wie hierzulande Aspirin.

In die Maschinenwelt von „Matrix“ und „Terminator“ entführt das Jahr 5555. Künstliche Befruchtung ist das Thema des Jahres 6565. Vereinsamung, Entfremdung, Lebensmittelknappheit – all das ist Thema – sogar die Religion, da Gott seine Arbeit unter Umständen noch einmal machen muss. Im Jahr 9595 ist die Menschheit dann verschwunden: „Now man’s reign is through.“

Dass eine so negative Zukunftsvision zum Hit wurde, ist eigentlich ein Wunder. Zager und Evans, der das Lied angeblich in nur einer halben Stunde schrieb, blieben jedenfalls ein One-Hit-Wonder. Die beschriebenen apokalyptischen Visionen erweisen sich aber als eminent verfallsresistent und bedrängend aktuell.

8 Gedanken zu “

    1. Dieser Song wurde damals ziemlich oft im Radio gespielt. Die Musik ist ja nur Durchschnitt, und der Text hat mir damals nichts gesagt. Aber wenn man älter und reifer wird, denkt man da schon mal um. Auch wenn es sicher nicht solange dauern wird, wie die beiden das damals meinten…

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  1. I noticed this song in the 80s when I was a teen…It was so dour it is amazing that it hit. The older I got the more scary it got. I do appreciate it now.

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    1. It was a special song, at the time. Clever lyrics! It really made you think what would happen in the year 2525. But much of what Zager & Evans prophesied at the time is now reality – or at least not far from it.

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      1. The title goes very well with the advances in spacetravel at that time, and I think this makes in a sympathetic way the old-fashioned overall effect of the song. There is also a cover version of the group Laibach that I personally don’t like so much.

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    1. That’s it! I almost forgot that one. „Eve Of Destruction“ is of course equally remarkable in the text as „In The Year 2525“. Strong anti-war song from the flower-power-protest-open-love-drugs-era …

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