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Lou Reed, Walk On The Wild Side, 1973

Text/Musik/ Lou Reed

Produzenten/ David Bowie, Mick Ronson

Label/ RCA

Nach Auflösung der Kult-Avantgarde-Gruppe The Velvet Underground sah sich Lou Reed gezwungen, wieder ins Haus seiner Eltern zu ziehen und in der Buchprüfungsfirma seines Vaters zu arbeiten. Doch er hatte bald genug von den Jahresbilanzen und beschloss, mit Hilfe von Velvet Fan David Bowie, eine Solokarriere zu starten. Bowie – damals noch in seiner Ziggy-Stardust-Phase – produzierte Reeds zweites Album. Es enthielt drei Lieder, die Andy Warhol ursprünglich für ein geplantes Musical in Auftrag gegeben hatte, auf der Basis von Nelson Algrens Roman „A Walk on the Wild Side“ aus dem Jahr 1956. Die Show kam nie zustande, aber Reed übernahm den Titel für einen Song über das Leben einiger Strichjungen, die in Warhol’s Studio „The Factory“ in Manhattan ein- und ausgingen. So wurden die Taten von Holly Woodlawn, Candy Darling, Joe Dallesandro, Jackie Curtis und Joe „Sugar Plum Fairy“ Campbell in einem unerschrockenen, aber liebevollen musikalischen Porträt verewigt, mit weiblichem Backgroundgesang von den Thunderthighs und einem schmelzenden Saxophonsolo von Ronnie Boss (Bowies Saxophonlehrer aus der Kindheit).

Trotz vieler Anspielungen auf Transexualität, Oralsex und Drogen wurde „Walk on the Wild Side“ ein Top- Hit in den USA und Grossbritannien. Der Song machte Lou Reed legendär. Herbie Flowers erhielt für sein markantes Bassspiel keine fürstliche Belohnung; er er sah darin aber das normale Studiomusiker-Los: „Du erledigst deinen Job und machst dich vom Acker“.

18 Gedanken zu “

  1. In der Klassikrockinstrumentalband ist Herbie Flowers der Mann der tiefen Klänge. Great Combination to interpret Classic in a Band Instrumentatipn.
    Wieder ein Klassetexz der Erläuterungen, so fine.

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    1. Lou Reed’s NYC-Song über beinrasierende Transvestiten, unruhige Stricher und Valium schluckende Autoraserinnen hat einen festen Platz in der Musikgeschichte. Herbie Flowers bekam als Sessionmusiker für das prägende Bassmotiv ganze 17 Pfund als Entlohnung !

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  2. Ein gutes Stück mit einem witzigen Text. Das Saxophonsolo sowie die Baßbegleitung gefallen mir ganz besonders gut.

    Lange Zeit nahm ich fälschlicherweise an, daß David Bowie selber das Saxophon gespielt hätte. Ich glaube ich hatte dies irgendwo gelesen. Nun ja, mit Bowies Saxophonlehrer war ich ja nicht so schrecklich weit davon entfernt!😀

    Allerdings ist auch klar, daß der Text in einer anderen Zeit geschrieben wurde. Im politisierten und politisch geteilten Amerika der Gegenwart würde ein Künstler, der “colored girls” im Zusammenhang mit Prostituierten erwähnt, vermutlich Kritik ernten. The times they are a changin!

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    1. Ich habe „Walk On The Wild Side“ von Lou Reed schon Ende 1972 kennengelernt. Noch vor David Bowie und Iggy Pop. Reeds düstere, aber oft auch subtil komische Art zu erzählen, hat viel mit Schriftstellern wie Allen Ginsberg und William S. Burroughs zu tun. Die unverwechselbare Stimme, des damals 30-Jährigen klingt, wie wenn er schon alles gesehen hätte, was man an schönen und hässlichen, seichten und tiefgründigen Dingen vor die Augen bekommen kann – vor allem in seiner Stadt: New York City. Der Song wurde meines Wissens nach auch nie vom Äther genommen, trotz Begriffe wie “giving head’’. Für mich wirkt es aber schon beinahe ärgerlich, wenn „Walk On The Wild Side“ im Oldie-Radio neben „Saturday Night Fever“ von den Bee Gees gespielt wird.

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      1. Herbie Flowers played 40 years bass as session musician for some of the greatest songs. He never became popular or made big money with it, but it was enough for a nice house and to pay his way and to have a good life.

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