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Dire Straits, On Every Street, 1991

Produzent/ Mark Knopfler, Alan Clark

Label/ Vertigo Records

Alles, was nach den ersten vier Alben und deren langatmiger Zusammenfassung „Alchemy“ (Live-Doppelalbum von 1984) kam, trug zum Gigantismus des Dire-Straits-Phänomens bei und drohte zwangsläufig den integren Knopfler-Purismus der Gründerzeit gehörig zu verwässern. Der wurde dafür weiter gepflegt auf Marks Soloprojekten, während die Band als massentaugliche Brothers-in-Arms ihren Sturmangriff auf die CD-Einstellfächer der schmucken Yuppie-Schrankwände und die Portemonnaies der Gelegenheitskäufer durchzogen.

Mit „On Every Street“ fuhr man zweigleisig. Das Programm der eben angelaufenen gleichnamigen Welttournee war eine deutliche Verbeugung vor jedwedem zahlungskräftigen Musikhörer mit einer Vorliebe für gefällige Weisen, wobei die meisten Titel dieses neuen Albums sich spürbar um eine Rückkehr zur leisen Reinheit der Anfänge bemühten („Fade Away“ oder der Titelsong bis zum Crescendo). „Ticket To Heaven“, „You And Your Friend“ und auch das brilliante „Calling Elvis“, mit der in bester Dylan-Manier dahingenuschelten Collage von Presley-Songtiteln, wurzeln tief im Boden der Atkins-Cale- und Cooder-Tradition.

Die Songs auf dem Album erweitern darüber hinaus auch die textliche und musikalische Enge des Country-Blues durch eine kluge und eine penible Bearbeitung von Mark Knopfler, und werden so zu einer authentischen Form moderner Weltmusik, deren Qualität dadurch nicht gemindert wird, dass sie uns Anfang der neunziger Jahre allerorten begegnete.

21 Gedanken zu “

  1. „Calling Elvis“ war eines der ersten Videos, das ich auf MTV sah. Die James-Bond-ähnlichen Szenen habe ich total ausgeblendet, aber die Puppen finde ich nach 28 Jahren nach wie vor unheimlich…

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    1. „Calling Elvis“ wurde damals durch die Medien gepuscht, und ich habe lange gebraucht, um mich damit anzufreunden. Heute finde ich das ein ganz lässiges Lied, das zwar sparsam arrangiert ist, bei dem aber alles passt.

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  2. Diese CD hat mich mit Dire Straits wieder versöhnt, nachdem sie sich für meinen Geschmack in manischer Selbstgefälligkeit zu sehr in zeitraubend-öde Effekthaschereien verloren haben.

    1. Im Gesamtwerk der Band gesehen, gehört „On Every Street“ nicht zu meinen Favoriten – was an der Qualität der ersten Alben liegt. Aber es gibt wunderschöne Gitarrenklänge von Blues bis Country. Das Titelstück, „Calling Elvis“ und „When It Comes To You“ gehen sofort ins Ohr.

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    1. Das erste Album und das Beste? Darüber könnten wir stundenlang diskutieren – und trotzdem nicht zu einen eingängigen Resultat kommen. Denn bis zu „Brothers In Arms“, dass für mich auch noch hoch im Kurs steht, war eigentlich jedes Album ein Knaller. Allerdings, wer einen Song wie „Sultans Of Swing“, auf seinem Debütalbum abliefert – gilt sicher als Geheimfavorit. 

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      1. Wie heißt es so schön: Die Katze mag Mäuse, ich mag sie nicht einmal gebraten. Außerdem muss ich zugeben, dass ich mit den Dire Straits anfangs gefremdelt habe. Wäre da nicht dieses flotte Gitarrensolo auf „Sultans” gewesen, hätte ich mich vielleicht nicht weiter für sie interessiert.

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  3. Es gibt Alben die würden was eine Band sein wollte.
    Auf jeder Straße – das sind für mich Dire Straits. Und irgendwie war es ihr Abschluß.
    Aufrecht, gerade, pure clear, was für eine Zeit, immer wieder.
    Und wenn ich das Konzert der Farewelltour höre und sehe, tauchen sie immer wieder auf, die Momente der Losgelöstheit.

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    1. „On Every Street“, das letzte offizielle Studio-Album der Dire Straits, kommt für mich nicht ganz an die ersten Werke heran, aber auf jeden Fall ein Abschied mit Stil – wunderbar geeignet, um die Seele und Beine von der Hängematte baumeln zu lassen! 

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  4. Die „sultans“ sind unverwüstlich. Die Firma hatte Payola bezahlt: Der NDR dudelte die LP tot. Die zweite Klang wie ein Selbstplagiat der ersten. Die Dritte hab ich verpasst. kenne bis heute nur „Romeo and Juliet“ davon. Die „Love over Gold“ wurde dann MEINE. Ein sehr guter Brocken Rockgeschichte. Die „Brothers“ war mir zu mainstreamig und von der „Street“ kenn ich außer „Elvis“ nix. Also – Dire Straits – unter „ferner liefen“ ganz okay.

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    1. Das Debüt-Album war stark, aber doch ein bisschen überbewertet. Vom Sound her etwas eintönig, und wenn man es zu oft hört, wird es langweilig. Vom Umfang her haben da „Communiqué“ und „Love Over Gold“ etwas mehr zu bieten. Am besten gefällt mir „Making Movies“. Das Album hat ein paar richtig gute Songs (“Romeo and Juliet“, „Solid Rock“, „Tunnel Of Love“) und zeigt eindrücklich, dass die Gruppe bzw. Mark Knopfler um musikalische Weiterentwicklung bemüht gewesen ist.

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  5. „Calling Elvis“ ist eine clever gemachte Nummer und „On Every Street“ ist insgesamt betrachtet sicherlich kein schlechtes Album. Persoenlich gefallen mir die aelteren Platten der Dire Straits allerdings wesentlich besser, insbesondere das Debuetalbum und „Making Movies.“

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  6. Tolle Zusammenfassung dieses Albums. Es hat seeehr lange gedauert, bis sich „Calling Elvis“ bei mir zu Hause gefühlt hat. Heute liebe ich diesen Song und seinen Sound.
    Ein Grund, das Album mal wieder rauszuholen. Danke!

    Liebe Grüße,
    Werner

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    1. Bestimmt ein gutes Album, um Stress (!) abzubauen. Mark Knopfler in Höchstform. Einschalten, Augen zu und vom ersten bis letzten Ton geniessen. Man fühlt sich wie auf Wolken mit diesem Sound in den Ohren.

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  7. Was ich noch loswerden möchte: „On Every Street“ ist das allererste Album von Dire Straits, das ich mir komplett angehört habe. Zwar werde ich kein Fan mehr von Mark Knopfler & Co., aber ich habe es sehr genossen, den Sonntag Vormittag mit diesem Album zu verbringen.

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