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The Kinks, Dead End Street, 1966

Text/Musik/ Ray Davies

Produzent/ Shel Talmy

Label/ Pye

Nach den Beatles waren es immer die Kinks, die unter den grossen britischen Bands der 1960er Jahre Soundexperimente wagten. In Ray Davies hatten sie zudem einer der profiliertesten Songschreiber ihrer Generation. Ohne seine Worte oder Themen zu verwässern, gelang es Davies, den Mittelweg zwischen McCartneys Sentimentalität und Lennons Zynismus zu gehen. „Dead End Street“, ein Song über Armut, weckt Mitgefühl, ohne zu bevormunden, bringt Wut zum Ausdruck, ohne verbittert zu sein.

Das Genie verbirgt sich im Detail, wenn Davies in vier kurzen, brillanten Zeilen die Szenerie beschreibt: Durch die Decke verläuft ein Riss, der Abfluss in der Küche ist undicht, keine Arbeit, kein Geld, und auch am Sonntag gibt’s nur Brot und Honig. Für den Erzähler fehlt es den „Sixties“ entschieden an „Swing“. Der Sound des Songs ist höchst eigentümlich. Die klagende Trompete stützt die Melodie, es gibt plötzliche Rhythmuswechsel und ein geschriener Backgroundchor hilft über die Gefühle von Hochmut und Verzweiflung hinweg. Die Kinks-Kollegen Dave Davies und Pete Quaife nannten „Dead End Street“ einen der drei besten Songs, die Ray je geschrieben hat. Sein Einfluss – fröhliche Melodie begleitet trostlose Geschichte – ist in britischen Bands wie Madness und The Smiths zu hören, allesamt englische Essayisten.

12 Gedanken zu “

    1. Der Song hatte ein für damalige Verhältnisse ungewöhnlich ungeschönte Gesellschaftskritik. Und es ist kein Zufall, dass Ray Davies 21 Jahre später „Dead End Street“ nochmals mit der schottischen Sängerin Amy McDonald aufgenommen hat, die sagte, sie könnte sich mit ihm identifizieren, da er auch von jemandem aus ihrer Generation geschrieben worden sein könnte: https://www.youtube.com/watch?v=sya28mtfYBs

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  1. Hab auch Jahrzehnte gebraucht, um zu kapieren, wie elend die Lage in England nach 45 war. Die sind die eigenlichen Verlierer des II:Weltkrieges gewesen: Kolonialreich bricht zusammen. Die Jugend überwiegend unemployed – so fühlt sich Siegen an? Beat war doch DIE Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für eine ganze Generation. Fast 20 Jahre nach Kriegsende, weil das gewurstel kein Ende nahm. Und wieder 15-18 Jahre weiter sah es für die Punks genauso aus.

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    1. Es geht um Leute, die arbeiten wollen, aber keine Arbeit finden. Aber es geht auch um die Art des Erzählens in „Dead End Street“, darum, dass man schlechte Nachrichten auch fröhlich singen, sie auf rätselhafte und aufregende Art und Weise übermitteln kann. Das Video zu dem Song wurde damals von der BBC abgelehnt, weil darin Fotos von echten Bettlern in diese scherzhafte Variété-Geschichte über diese vier Typen hineingezoommt wurden. Eine solche Auseinandersetzung mit dem Problem der Armut und sozialen Ausgrenzung, wie sie die Kinks zeigten, galt wohl offensichtlich als anstössig.

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  2. Die Kinks waren immer erste Sahne und vollkommen unterschätzt, von der Kritik und vom Publikum.

    Ich war 1978 (?) bei einem Konzert und erst als nach 30 Minuten „Lola“ gespielt wurde, war Stimmung in der Bude…

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    1. Die Kinks habe ich Ende der 70er- und Anfang der 80er Jahre in Zürich und Winterthur erlebt. Live waren die damals wirklich gut. Sie hatten Humor und hörten auf ihr Publikum und konnten sich jeder Situation anpassen.

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    1. „There’s a crack up in the ceiling, and the kitchen sink is leaking … One of my favorite songs, at the end of 1966, although it was not really cheering up: „What are we living for, two room apartment on the 2nd floor, no change to emigrate, I’m deep in debt, and now it’s much too late …

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