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J. J. Cale, Naturally, 1972

Produzent/ Audie Ashworth

Label/ Shelter Records

John Weldon Cale, den Eric Clapton „einen der wichtigsten Künstler der Rockgeschichte“ nannte, wuchs in Tulsa, Oklahoma, auf. In den Fünzigerjahren waren dort Blues und Jazz so populär wie Country Music oder Rockabilly. Als Gitarrist absorbierte Cale all diese Einflüsse. Er spielte in Rock- und Western-Swing-Bands, 1964 zog es ihn nach Kalifornien. J. J. arbeitete als Tontechniker, er nahm zwei Singles auf, die floppten. Ein Produzent drängte ihn, eine LP mit psychedelisch angehauchten Pop-Covers aufzunehmen. Sie floppte. Frustiert vom Musikgeschäft kehrte Cale 1967 nach Tulsa zurück. Er nahm öde Brotjobs an, abends spielte er in Bars. Als er soweit war, alles hinzuschmeissen, hörte er im Radio Claptons Version von „After Midnight“, das gab ihn Auftrieb. Sein Demotape landete bei Denny Cordell, dem Boss von Shelter Records. Er nahm den „Okie“ unter Vertrag und veröffentlichte 1972 dessen Debütalbum.

„Naturally“ enthielt Songs wie „Crazy Mama“, „After Midnight“ und „Call Me The Breeze“. Musikalisch war es der Prototyp für J. J. Cales typischen Laid-Back-Sound: schleppende Grooves, subtile, flüssige Gitarre, heiser flüsternde Stimme. War das nun bluesige Country Music oder Country-Blues? Diese intimen Songs klangen wie Demos, doch der minimalistische Sound war das Produkt eines genialen Soundtüftlers.

Bis zu seinem Tod 2013 sammelte J. J. Cale alle paar Jahre einige hochkarätige Studiomusiker aus der Nashville-Szene um sich, um heimlich, still und leise eine Platte aufzunehmen, aus deren Songs dann andere Musiker ihr Hitpotential schöpften. Eric Clapton machte aus „After Midnight“ und „Cocaine“ Hits, Carlos Santana aus „Sensitive Kind“; Mark Knopfler von den Dire Straits kopierte ihn ebenfalls erfolgreich… „Ich hoffe dass Mark Knopfler auch mal einen meiner Songs aufnimmt, anstatt nur so zu klingen“ ist eins der wenigen Zitate die sich Cale entlocken liess, aber ansonsten dürfte ihn die Tatsache, dass andere Musiker seinen Stil zu Geld machten, nie besonders gestört haben.

Alle seine Alben, und insbesondere diese Platte mit Songperlen wie „Crazy Mama“, „After Midnight“, „Magnolia“, „Don’t Go To Strangers“, „Call The Doctor“ oder „Crying Eyes“ strotzen geradezu vor Lässigkeit und Zurückgelehntheit, und sind perfekte Begleiter für einen Abend vor dem Kamin mit einem Glas Rotwein.

13 Gedanken zu “

  1. Sehr schön gesagt – J.J. Cales lässiger und entspannter Sound war einfach ansteckend!

    Eric Clapton wußte schon, was er tat als er “After Midnight” und “Cocaine” coverte.

    Mit “The Road to Escondido” nahmen die beiden Gitarrengötter dann ja auch ein gelungenes gemeinsames Album auf.

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    1. Die Verkörperung der musikalischen Lässigkeit gepaart mit einer absoluten Perfektion kommt von dieser Scheibe auf einem zu. Schon mit den ersten Tönen, bevor überhaupt der erste Ton gesungen wird, weiss man, dass ist ein Lied von J. J. Cale. „The Road To Escondido“ finde ich auch interessant. Zugegeben: mit den Namen Cale/Clapton schielt die Platte auf Kommerz. Doch muss man auch erwähnen, dass beide nicht einfach ein paar herumliegende Stücke eingespielt haben, sondern ein gutes Dutzend richtiger, neuer Songs.

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    1. Jau, sehr gutes Cover. Wunderbare Pianopassagen, tolle Gitarrenarbeit und ein sackstarker Rhythmus. J. J. Cale wollte diesen Song (nachdem er ihn von Lynyrd Skynyrd gehört hatte) nicht mehr spielen, da er meinte diese Version sei besser als seine.

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  2. I had the privilege of meeting J.J. Cale’s wife at a gig. It was a scenario that I usually hated–playing at a private residence. Anyway, there were a lot of music industry people at the party–another scenario that I didn’t like, i.e., recording industry people usually don’t like DJs very much. So, this was in the cocktails/ hors d’oeuvres portion of the party, before people started dancing and I played the original version of Cocaine. This guy, who I later found out was a famous record producer, Jimmy Bowen, came over with Cale’s wife. It was the year he died and she thanked me for playing her husband’s song. She had tears in her eyes. It was very touching.

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    1. Thanks Pam! Very touching story. J. J. was an exception and I’m sure Christine Lakeland missed him very much when he passed away. There is a remarkable documentation by the German regisseur Jörg Bundschuh „On Tour With J. J. Cale To Tulsa and Back“. In one of the most beautiful scenes, Cale plays on a square in Tulsa. He’s sitting outdoor on a barstool, behind him the facade of his old school and a few skyscrapers. He plays one of his inimitable pickinglines. Suddenly you hear shouts of seagulls that mix with the sound of his guitar. Cale looks up, smiles and says, „They are singing with me.“ He plays on for a while, the seagulls scream, then they fly over him. Cale turns his head, looks at them over his shoulder and calls out loudly : „Thank you!“

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