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Pretenders, 1980

Produzent/ Chris Thomas, Nick Lowe

Label/ Real

Der Punk gab vor, dass das Geschlecht unwichtig sei, doch Chrissie Hyndes Kollegen von den Sex Pistols und The Clash nannten sie trotzdem eine vorlaute Yankee-Lady ohne jede Chance. Die Lady aus Ohio war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: sie war in London gelandet und arbeitete für den „New Musical Express“. Doch als Aufruhr und Anarchie ausbrachen, war Hynde eine Mitläuferin.

Schliesslich sagte ihr Lemmy (Motörhead) die Meinung – „mach mit oder halt’s Maul“ – und sie rekrutierte Peter Farndon (Bass), James Honeyman-Scott (Gitarre) und Martin Chambers (Drums). Ein Cover von „Stop Your Sopping“ von den Kinks, produziert von Nick Lowe gab eine Kostprobe von Hyndes aussergewöhnlicher Stimme, sie bewies aber noch kein Songwriting-Talent.

Diesen Beweis lieferte das Album. In präzis gestrickten Stories von Lust und Leiden trägt Hyndes zu abgehackten Riffs ihr honigsüsses Gift vor. Die A-Seite ist teuflisch; Highlights sind das verzweifelte „Baby, fuck off“ in „Precious“, Honeymoon-Scotts Tribut an die Gitarristen-Vorbilder beim Solo von „Tattooed Love Boys“ und das erstaunliche „The Wait“. Auf der B-Seite kommt der Hit „Kid“, das grüblerische „Private Life“ (das prompt von Grace Jones gecovert wurde), das unwiderstehliche „Brass In Pocket“ und das mutige „Mystery Achievement“ als Vorschau auf das prägnantere „Pretenders II“.

19 Gedanken zu “

  1. Mitte der 80er ein oder zwei gute Halbballaden, deren Titel ich vergessen habe. Aber sonst?

    Chrissie Hynde: Wenn du als Frau im Rockgeschäft was werden willst, dann schlaf nie mit dem Gitarristen und schrei nicht, das vergrault die männlichen Fans.
    Ann Wilson: Ich schlief mit einigen Gitarristen und schrie auf jeder LP, so what? Who the Fuck is Chrissie Hynde?
    (Zitat aus dem Booklet der „Long road home“ von Heart)

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    1. Chrissie Hynde war in der Blütezeit des Punk nicht nur Journalistin beim NME, sie war auch Verkäuferin in der Modeboutique des Sex Pistols-Manager Malcalm McLarren und angelte sich dann auch noch Kinks-Musiker Ray Davies als Lebenspartner. So ist es sicher kein Zufall, dass sich das Debüt der Pretenders gut verkaufte. Das Album erschien vor 40 Jahren am 11. Januar 1980. Chrissie Hynde hatte damals mit ihrem spröden, unterkühlten Timbre für ziemlich viel Coolness gesorgt, aber über weite Strecken blieben die Pretenders dann doch zu harmlos und routiniert.

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    1. Die Pretenders beherrschten neben dem britischen Punk ebenfalls Rockabilly und New-Wave-Pop. Zusammen klang die Band damals wie keine andere zuvor – genau das lässt das Album auch heute noch jung und unverbraucht klingen.

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    1. Wenn meinst Du? Blondie? Die ersten beiden Alben der Gruppe fand ich damals schon gut, ungeschliffen und härter als ihr später geglättete Globalsound. Sexy Debbie war natürlich die perfekte Stil-Ikone des brodelnden Andy Warhol-New Yorks der 70er Jahre.

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      1. Blondie war super aber ich dachte an Maggie Th.,.aber die neuen Musikstile damals waren wie eine Explosion des Künste der Interpreten mit ihren Ideen.
        In Deutschland enstand die NDW mit aller Naivität.
        immer wieder erfrischend zurück zu hören.

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      2. Klar. Die eiserne Lady. Maggie Thatcher war damals ein ideales Feindbild für allerlei Künstler, was sich auch in deftigen Protessongs niederschlug. Ein Top-Song ist hier natürlich das wunderbare „Margaret On The Guillotine“ von Morrissey.

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    1. Das Debütalbum und „Pretenders II“ hatten mich damals überzeugt. Auch das folgende – vergleichsweise mainstreamige Werk- „Learning To Crawl“ hatte noch Pop/Rock-Songs von feinster Qualität. Aber irgendwann kokettierte Chrissie Hynde für mich dann zu sehr mit dem Pop-Mainstream.

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  2. One of the best debut albums in rock music, in my opinion. The Pretenders were not punk. They employed brushstrokes of punk. Tasteful brushstrokes, which is gloriously anti-punk–which is breaking the punk rules. And breaking the rules is the epitome of punk, or its supposed to be. To me, they are forerunners of alternative rock. I am very partial to them, but I’m in no way a punk purist. I rather like mix of punk and pop.

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    1. This album defined an era. Ohio-native Chrissie Hynde had to go to London to find musicians to play her music. Luckily for her she found James Honeyman Scott, who flat out plays on this LP. Losing him was a disaster this band never quite got over; this is their only complete LP. Listening to this brings me back to my mid twenties and falling in love with a punk goddess…

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