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Eric Clapton, 461 Ocean Boulevard, 1974

Produzent/ Tom Dowd

Label/ RSO

Wie unfair es auch sein mag, „461 Ocean Boulevard“ wird wohl immer im Schatten des Erfolges von „Layla And Other Assorted Love Songs“ (1970) bleiben, das Eric Clapton als gelassen-bluesigen und gelegentlich epischen Poprocker etablierte. Nach endlosen Layla-Tourneen und Live-Aufnahmen wurde „461 Ocean Boulevard“ fast zwangsläufig als nette, aber bescheidene Fortsetzung bereits bekannter Musikthemen angesehen. Doch die Platte hat einen schwelenden Groove, der auch heute noch zündet.

David Gahrs Coverfotos und der Titel deuten an, dass Clapton und die Band – besonders Bassist Carl Radle und Drummer Jamie Oldaker – sich abwechselnd der gemächlichen Produktion in Miamis Criteria Studios und dem Herumhängen am Pool ihrer nahegelegenen Villen widmeten. Vielleicht war die Entstehung der LP nicht ganz so einfach (es wurde sorgfältig abgemischt und es wurden komplizierte Overdubs gemacht), doch das Zusammenspiel der Musiker zeugt von einer lockeren Kollegialität, und die Songs und der Sound sind von einer ansprechenden Natürlichkeit. Clapton deutet seine Wurzeln im Blues und Rock an, versucht sich erfolgreich an Reggae mit Bob Marleys „I Shot The Sheriff“ und erreicht die Tiefe des Gospels beim ausgezeichneten „Give Me Strengh“. Das melodische, wehmütige „Let It Grow“ ist ein weiterer Höhepunkt, mit grossartigen Akkordwechseln, die leicht an Led Zeppelins „Stairway To Heaven“ erinnern.

22 Gedanken zu “

  1. Es gehört für mich zu Claptons besten Studioalben, mit denen ich mich sonst eher schwer tue. Seine Live-Aufnahmen gefallen mir sonst um vieles besser. 461 Ocesn Boulevard jedoch ist klasse.

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    1. „461 Ocean Boulevard“ ist angenehm und entspannend. Die Bob Marley Nummer „I Shot The Sheriff“ wurde damals sogar zu einem Hit. Meine Favoriten sind aber „Motherless Children“ und „Mainline Florida“ sowie „Let It Grow“. Sehr gelungen finde ich auch Claptons 1977er Album „Slowhand“.

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  2. Waaaaas? Echt? Ich kenn das bisher nur sorum: Cream und die Ocean Boulevard – DAS ist Clapton. Gefühlte 1000mal gelesen und so erzählt bekommen. Die gilt doch also als Highlight?! Und immer wieder der tote Sheriff…

    Was ich aber noch interessanter finde: Er und Stephen Stills hingen da herum und empfahlen ihren Nachbarn – den Bee Gees dort im gleichen Studio „Children of the world“ aufzunehmen. Stills hat dann inkognito sogar beim Einspielen geholfen. Clapton eventuell auch?

    DIE hatten also keine Berührungsängste mit den 3 Kopfstimmemalträtierern.

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    1. Nach der Auflösung von Cream und Blind Faith trat Clapton zuerst Delaney & Bonnie bei. Als diese Band sich ebenfalls auflöste, arbeitete er mit Bobby Whitlock, einem ehemaligen Mitglied von Delaney & Bonnie zusammen. Diese Stücke machten später einen Grossteil von „Layla And Other Assorted Love Songs“ von Derek & The Dominos aus. Der Titelsong wurde 1971 ein Mega-Hit. Claptons Version von„I Shot The Sheriff“ klingt zwar flüssiger und runder, mir persönlich hat das Original von Bob Marley aber immer besser gefallen.

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      1. Ja, mit „461 Ocean Boulevard“ ging es nach Heroin-Entzug wieder bergauf. Das Album war musikalisch von George Harrison beeinflusst. Clapton hatte sich seinerzeit auch in die Frau seines besten Kumpels George verliebt, für die er dann „Layla“ geschrieben hat.

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    1. „461 Ocean Boulevard“ contains some optimistic and faithful songs. The lyrics really boost people’s faith in what they want to accomplish. Songs like „Give Me Strengh“ are just simply beautiful and captivating.

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  3. I can hear George’s influence with the tone of the guitars. The stand out for me is Let It Grow…I had this album and it was one of my favorite Clapton albums.

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    1. Stimmt. „Motherless Child “ ist ein traditionelles Bluesstück, das zuerst von Barbecue Bob 1927 aufgenommen wurde. Eric Claptons Mutter war bei seiner Geburt 16 Jahre alt. Er wuchs als uneheliches Kind bei seiner Grossmutter und ihrem zweiten Ehemann auf, stets in dem Glauben, sie seien seine leiblichen Eltern. Die eigene Mutter hielt er für die ältere Schwester.

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      1. Oh, deshalb hat er der Großmutter das Haus gekauft. Und so nebenbei: Eric Clapton hat es wohl in Sachen Familie nicht immer leicht gehabt. Ich brauche nur an seinen tödlich verunglückten Sohn und an „Tears In Heaven“ zu denken.

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  4. Wohingegen man einen Klassiker wie “Layla” vielleicht nur einmal schreiben kann und Cream wohl kaum übertreffbar sind, zählt “461 Ocean Boulevard” für mich zu den absoluten Highlights, die ich von Eric Clapton kenne.

    Ich finde Clapton ist hier eine sehr gute Balance zwischen seinen Bluesrockwurzeln und Pop gelungen. Außerdem hat das Album ein super Sound. Da war Clapton mit Tom Dowd zweifellos in besten Händen.

    Wenn man es sich überlegt, grenzt es an ein wahres Wunder, daß Clapton nach dreijähriger Zwangspause aufgrund von Heroinabhängigkeit dazu fähig war zur Musik zurückzukehren.

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    1. „461 Ocean-Boulevard“ hatte ich schon auf Vinyl. Das Geheimnis der Homogenität dieser Platte liegt in der Vielfalt der Nuancen, die Clapton dem breiten Songangebot entlockt. Hier zerfällt nichts in einzelne Momente und es löst sich auch kein Detail, um in den Vordergrund zu treten. Deshalb habe ich mir auch immer das ganze Album durchgehört, und nicht einzelne Songs rausgepickt.

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