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Chuck Berry, Johnny B. Goode, 1958

Text/Musik/ Chuck Berry

Produzent/ Little „Bongo“ Kraus

Label/ Chess

1977 schoss die NASA eine goldene Datenplatte in die stillen Weiten des Weltraums. Darauf befanden sich unter unterem auch 90 Minuten Musik, die die Kulturen unserer Welt repräsentieren sollten. Deutschland wählte Beethoven und Bach aus, Grossbritannien das imposante „The Fairie Round“ und die USA entschieden sich für Chuck Berrys zeitlosen Song „Johnny B. Goode“.

Die amerikanischen Wahl ist der bemerkenswerte Beweis dafür, wie sehr sich die Gesinnung eines Landes in weniger als 20 Jahren verändern kann. 1958, als Berry „Johnny B. Goode“ schrieb und aufnahm, waren die Leute, gelinde gesagt, beunruhigt über einen Schwarzen, der nicht nur seine Songs selber schrieb und besser Gitarre spielte als jeder andere Radiostar, sondern auch noch die Frechheit besass, ein Lied darüber zu singen, dass dieses Rock’n’Roll-Ding (man denke an Elvis Hüftschwung!) ganz gross rauskommen würde.

Nach einem haarsträubenden Riff, das er direkt von einer Louis-Jordan-Platte geklaut hatte, erzählt Berry die Geschichte eines Jungen vom Lande, der wenig Perspektive hat, aber am Ende reich und berühmt wurde, weil er so gut Gitarre spielte. 1958 hatte Berry bereits viele Elemente des Rock’n’Roll (Instrumentation, Rhythmus) vorweggenommen. Mit „Johnny B. Goode“ stellte er ein weiteres wichtiges Requisit vor: das Ego.

18 Gedanken zu “

  1. Er hat seine Meriten, ohne Zweifel. Aber er gab schließlich auch zu, dass er eben diese eine Schablone gespielt hat, die sich alle Leihmusiker draufschaffen konnten, wenn er kostengünstig-allein auf Tour ging und auf die er alle seine Texte sang, die zum großen Teil richtige Geschichten erzählen.Aber Vielfalt ist anders.
    Ich war von seinem spät-60er Bluesversuch „at the Filmore“ ziemlich enttäuscht. Aber „dingeling“ war immerhin witzig.

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    1. In den ersten Sekunden von „Johnny B. Goode“ ist natürlich ein wichtiger Teil des Erfolgrezepts von Chuck Berry verborgen: Das viertaktigte Intro, das mit einem gepeitschten übermässigen D-Akkord beginnt und dann im Viervierteltakt wie ein Sechszylindermotor schnurrt. „My Ding A-Ling“ war ja damals ein kleines Comeback für Berry. Der Song zeigt auch, dass ihn die Lust an Provokation nicht verlassen hat.

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  2. In seinen Texten hat er den Ton der damaligen Jugendlichen getroffen. Er hatte keine musikalische Ausbildung – er war Friseur: so what. Dennoch haben viele seiner Kompositionen den erforderlichen Drive für ein Roadmovie.
    Als Jugendlicher entdeckte ich schliesslich, wie viele seiner Lieder ich schon längst vorher kannte. Als Coverversionen von anderen Musikanten.
    Und als ich Chuck Berry endlich live erlebte und ältere Konzertbesucher mit pomadisierten Entenschwänzen hinterher in alter Rock’n’Rollmanier das Mobiliar zerlegten, verstand ich ein wenig mehr vom Lebensgefühl ehemaliger Rock’n’Roller.

    Und vorgestern zufällig entdeckt habe ich dies: https://www.youtube.com/watch?v=gD2Om1g3B3o

    Schönen Dank für die Erinnerung an Chuck Berry

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    1. Danke für den Link-Tipp! Da haben Sie natürlich recht: Chuck Berry beschreibt in seinen Songs die Haltung einer Generation, die demonstriert, dass sie mit dem Bildungsgut der Weissen auf ihre Weise umgehen will. Es sind die Gefühle eines schwarzen Rock’n’Rollers, dem das Provozieren einen Riesenspass macht. Unzählige Künstler liessen sich von der Musik Chuck Berrys inspirieren. Und um zu wissen, wie der gute Chuck zu seinem Hit „Johnny B. Goode“ kam, muss man sich nur „Back To The Future“ mal anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=S1i5coU-0_Q

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  3. “Johnny B. Goode” ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingssongs des klassischen Rock & Rolls, obwohl ich das Stück unzählige Male gehört habe. “My Ding A Ling” finde ich eher peinlich, ganz unabhängig davon, daß es Humor war.

    Darüberhinaus ist das Album “Berry Is On Top” fast so etwas wie eine Greatest Hits der frühen Rock & Roll Klassiker. Neben groovy Musik hat Berry clevere Texte geschrieben.

    Natürlich muß ich bei aller Verehrung auch zugeben, daß sich bei Berry bestimmte Gitarrenschemen immer wiederholen. Aber ich denke man kann dies auch über viele andere Künstler sagen.

    Weiterhin hat Berrys Eigenart nicht mit einer konstanten Band zu touren, sondern auf Musiker in den entsprechenden Lokalitäten seiner Konzerte zurückzugreifen die Qualität seiner Live-Auftritte maßgeblich beeinträchtigt. Häufig hatte er mit den Musikern gar nicht geprobt, und sie mußten dann seinem Lead folgen.

    Unter dem Strich hat Chuck Berry zwar den Rock & Roll nicht erfunden, doch hat er zweifellos maßgeblichen Einfluß auf seine Entwicklung gehabt. Es ist sicherlich kein Zufall, daß die Rolling Stones, die Beatles und so viele andere Künstler seine Songs gecovert haben.

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    1. Das Intro zu „Johnny B. Goode“ ist Chuck Berrys Verdienst für die Rock-Musik. Berry war sich seiner Wirkung bewusst, denn er hat diese zwölf Takte in leichten Variationen gleich mehreren Songs vorangestellt ( u.a. „Little Queenie“, „Carol“ oder „Roll Over Beethoven“). Aber auch die Tatsache, dass Berry mehr Entertainer als Gitarrist war, hatte grossen Einfluss auf seine Spielweise. Jeder Ton, den er spielte, war dazu bestimmt Energie zu transportieren. „Johnny B. Goode“ ist von Marty Mc Fly inspiriert. Ich liebe diese Szene in „Back To The Future“. Chuck Berry war für viele ein Vorbild, weil er mit seinen Songs jeden Saal, jede Veranstaltung mit einfachen Gitarristischen Mitteln zum Kochen brachte.

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      1. Die von Dir erwähnte Szene aus “Back to the Future” ist genial, insbesondere wenn Martys Darbietung von “Johnny B. Goode” am Ende in Rock umschlägt und er den sprachlosen Leuten mit unschuldigem Blick mitteilt sie seien auf diese Musik noch nicht vorbereitet, aber ihre Kinder würden darauf stehen – einer der unvergesslichen Hollywoodmomente wie “I’ll be back” oder “Go ahead, make my day!”

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      2. In „Back To The Future“ verlegt Marty McFly das Rock-and-Roll-Erweckungserlebnis um drei Jahre nach vorne. Natürlich lässt sich gute Musik nicht von Paradoxien des Zeitreisens aufhalten, also erscheint dann drei Jahre später „Johnny B. Goode“ als bahnbrechende Single von Chuck Berry.

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