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Tom Waits, Heartattack and Vine, 1980

Produzent/ Bones Howe

Label/ Asylum

Tom Waits schreibt keine Musik, die einfach ist oder vordergründig oder leicht verständlich. Mit 30 Jahren hatte er genug Dreck und Abscheulichkeiten gesehen, um einen Song oder ein ganzes Album darüber zu schreiben, aber nicht so viel, dass er sich davon ferngehalten hätte.

Der Titelsong von „Heartattack and Vine“ ist eine karge, unbehagliche Komposition mit warmen, übersteuerten Gitarrentönen und Waits‘ heiserem Gesang. „Es gibt keinen Teufel“, mahnt er, „das ist Gott, wenn er betrunken ist.“ In Anspielung auf die Niederungen des Lebens in L.A. porträtiert Waits Menschen, die fehlerbehaftet sind, aber nicht ohne Aussicht auf Erlösung. „Wenn du wissen willst, wie Wahnsinn schmeckt, musst du dich hinten anstellen“, spottet er. „Wahrscheinlich siehst du jemanden, den du kennst.“

Es ist ein Drogensong, aber auch ein Song über Menschen, ein trostloses, aber irgendwie feierliches Bild eines Lebens in fröhlicher Verzweiflung. Waits klagte gegen Levi’s, die Screamin‘ Jay Hawkins‘ Version in einer Werbung verwenden wollten; die bittere Ironie ist ihm sicher nicht entgangen.

20 Gedanken zu “

    1. Du bist sehr aufmerksam, liebe Sori. Ich habe mich entschieden, den Beitrag über die Go Betweens zurückzuziehen: Vielleicht kommt er dann in einem anderen Kontext wieder. Ich hoffe, Du bist mit diesem Album vom Meistergröler und Experte für feingeistige Texte zufrieden?

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      1. Ach so… in meiner Leseliste steht Dein erster Beitrag über die Go Betweens noch drinnen.

        kicher aber ja, gehört „Heartattack and Vine“ doch zu meinen Lieblingen von diesem Meistergröler.

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      2. Danke… dass ich noch heute vor einer Woche durch die Marktgasse spazieren gegangen bin, am Bahnhof, Bundesplatz, Münsterplattform war, die Nydegg-Brücke überquert habe, hat mich heftig berührt.
        Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, im November wieder ins Bierhübeli zurückzukehren.

        Und vor allem: Eine wunderschöne schwyzerdütsche Version von „Jersey Girl“, was ich bisher noch nicht kannte. Merci vielmals!

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      3. Aus dem „Jersey Girl“ von Tom Waits machte Polo Hofer sein „Meitschi vom Wyssebüehl. So banal das klingen mag, es ist keine falsche Silbe drin. Polo wusste selbstverständlich, dass Jersey am gegenüberliegenden Ufer von Manhattan liegt und dass Bern wenig mit New York zu tun hat. Und wenns passt, können wir uns hier im November auch mal auf einen Kaffee treffen.

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    1. Ich habe den Beitrag über die Go Betweens rausgeschmissen, weil ich hier nicht über zwei Meter Abstand diskutieren möchte… das Album mit der Herzattacke ist ja eine hervorragende Mischung aus rauem Blues und herzerweichenden Balladen.

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  1. Tom Waits ist mir völlig vom Schirm verschwunden. Es hat dann nochmals geflacktert beim 2000er Album „Nach Mir Die Sintflut – Ambros Singt Waits“. Seine Musik, die Texte und vor allem auch die Stimme passten zu meinem damaligen Lebensabschnitt. Mal hören, wie er mir heute klingt.
    Schönen Dank für diese Erinnerung

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    1. Tom Waits passte für mich gut zur Stimmung um 1980. Er war der Gegenpol zur Schicki-Micki-Welt der Modezeitschriften. „Heartattack And Vine“ und „Swordfishtrombones“ waren grosse Würfe. Mir gefallen diese kaputte Stimme, diese Gerümpeldrums, die Dreck-Sounds. Waits hat eine Figur gefunden und dieses Image voll ausgelebt. Nicht alle späteren Alben sind Meisterwerke, aber Tom Waits macht immer noch Musik, die ebenso brillant wie böse ist. Anspieltipps: „Bone Machine“ (1992) und „Bad As Me“(2011) .

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