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Bob Dylan, Subterranean Homesick Blues, 1965

Text/Musik/ Bob Dylan

Produzent/ Tom Wilson

Label/Columbia

Mit „It Ain’t Me Babe“ verabschiedete sich Bob Dylan 1964 von der Folkmusik. Das streitbare Album „Bringing It All Back Home“ ( in Europa unter dem Titel „Subterranean Home Sick Blues“ erschienen) stellte den Rock’n’Roll derart auf den Kopf, wie es erst 1975 den Sex Pistols wieder gelingen sollte. „Outlaw Blues“ und „On the Road Again“ gaben das Tempo vor, aber den elektrisierendste Moment des Albums war der Song „Subterranean Homesick Blues“ – eine verrückte Neufassung von Chuck Berry’s „Too Much Monkey Business“.

Dylan zeigte wenig Zurückhaltung, wenn es darum ging, sich bei seinem Idol Woody Guthrie zu bedienen, und verabeitete Textzeilen aus „Taking It Easy“ von Guthrie/Pete Seeger „Mom was in the ther pantry looking for some yeast“). Wie alle Dylan-Texte wurde auch dieser nach Bedeutung durchforstet. Schlüsselsätze vermischen sich mit Jargon, etwa das oft zitierte „You don’t need a weatherman/To know which way the wind blows“

Das Endergebnis war vielleicht nicht tiefgründiger als Chuck Berrys Originaltext, aber dank Dylans Talent und dem Kult-Videoclip mit den Texttafeln wurde es sein erster grosser Hit – und gab dem Rock’n’Roll Zunder.

17 Gedanken zu “

  1. Ganz gleich ob Subterranean Homesick Blues oder Bringing It All Back Home; die Scheibe ist ein Kracher. Besonders die zweite Seite läuft hier noch immer von Zeit zu Zeit. Im Gegensatz zu anderen frühen Platten von Bob Dylan.

    Das Video setzte seinerzeit Massstäbe. Links im Bild ist übrigens Allen Ginsberg zu sehen. Den Mann ganz links erkenne ich nicht.

    Was die „kryptischen“ Texte von Dylan in jener Zeit betrifft, gibt es eine schöne Textstelle in der Autobiographie von Marianne Faithfull. Sie schildert darin, wie sie „alle“ (Faithfull, Richards, Jagger, Bowie…) in einer Londoner Wohnung sitzen. Dylan war ebenfalls dabei und er dichtete. Befragt nach dem Sinn, antwortete er, er probiere aus, wie die Worte zusammenpassten… So seine angebliche Aussage. Das braucht aber niemanden davon anzuhalten, tiefere Bedeutungen entdecken zu wollen.

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    1. Der Song gilt ja als ein Wendepunkt in Dylans Werk. Viele seiner Anhänger empfanden den Einsatz elektrisch verstärkter Instrumente als Verrat an der Sache des gesellschaftskritischen Folk-Blues in der Nachfolge von Woody Guthrie und Pete Seeger. Aber an der notorisch schlecht gestimmten akustischen Gitarre und den angetauchten Sprechgesangs-Tönen von Bob hat sich auch bei „Subterranean Homesick Blues“ nichts geändert, auch nicht an den kommentierenden Mundharmonika-Einschüben; neu sind hier nur die wild wuchernden poetischen Assoziationen (Allen Ginsberg lässt grüssen), ein paar R&B&Rock-Einflüsse und der Sprechtonfall der Performance, der den frühen Rap vorwegnimmt.

      Auch das originelle Video stellt allein den Text ins Zentrum. Der unbekannte Mann neben Ginsberg ist übrigens Bob Neuwirth. Es gibt einen Alternativ-Clip, aufgenommen von D.A. Pennebaker auf einem Hausdach und in einem Park in London: https://www.youtube.com/watch?v=2Mb3CoWwNyY

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    1. Thank you! This song is outstanding and cool. I love this groove and its flow. Maybe is the problem with the video not the link but your browser? It works here!

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  2. Gefühlt ging ja alles erst mit der damals so genannten progressiven Musik los, was davor war, wurde damals als altbacken betrachtet, selbst die Beatles schienen musikalisch überholt. Seltsamerweise sind diese Dylan-Songs nicht so in die Jahre gekommen. Klar, man hört ihnen ihre Entstehungszeit an, aber sie sind noch hörbar, nicht zu niedlichen Oldies geworden.

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    1. Mit Songs wie „Subterranean Homesick Blues“ hat Dylan ab Mitte der 60er Jahre seine Sprache elektrisiert und die populäre Musik intellektualisiert. Auch heute wirkt der Sprechgesang in dem Stück noch modern, wie ein Vorläufer des Rap. Das Album mit dem gleichnamigen Titel läuft bei mir allerdings immer erst im akustischen Teil zur Weltklasse auf.

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    1. „Subterranean…“ is a great song that gives voice and creativity to protest. It can capture anyone at any age. Yes, Woody for sure, but also Chuck Berry, Allen Ginsberg and Jack Kerouac.

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      1. Thanks for that, CB! Willie Nile is a good one, he also got a lot in common with Graham Parker and Randy Newman. Just discovered last night his „If I Was A River“ album. These beautiful piano ballads have their own magic…

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    1. This is, in my opinion, one of Dylan’s greatest recording lyrically. The lyrics are simply genius, and out of this world. You can also relate them to R.E.M.’s „It’s The End Of The World“.

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