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The Beatles, Magical Mystery Tour, 1967

Produzent/ George Martin

Label/ Capitol Records

Ursprünglich erschien in Grossbritannien nur eine Doppel-EP zum gleichnamigen Film. Für die zunächst nur in den USA erhältliche LP-Version wurden klugerweise die zeitnah enstandenen Singles eingebunden, und so kam man in den Genuss, die grandiose Doppel-A-Seite-Single „Strawberry Fields Forever/ Penny Lane“ auf einer richtigen LP hören zu können, die auch in ihrer Gesamtheit prächtig funktioniert. Daran ändern selbst die drei nicht so herausragenden Songs „Flying“, „Blue Jay Way“ und „Baby You’re A Rich Mann“ nichts, denn der Rest besteht durchwegs aus Weltklasse-Nummern.

Unschuldige Gemüter mussten sich bei „I Am The Walrus“ womöglich erst vollkiffen, bevor sie erkannten, dass es sich um einen der grössten Taten der Beatles handelt, bei der sich die Produktionskunst von George Martin ähnlich entfaltete wie bei „A Day In The Life“. Facettenreich und auf verschiedenen Ebenen agierend, ist es ein Song, den man schon einmal einen ganzen Tag lang hören kann.

Die beiden Stücke „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“ offerieren sofort ihre Striker-Qualitäten, ohne dass sie es an Doppelbödigkeit vermissen lassen. Das ist auch ein Grund, weshalb Beatles-Lieder, so simpel und eingängig sie oft auch beim ersten Hören erscheinen, Klassikerstatus erlangt haben: Nachhaltigkeit in Reinkultur. „All You Need Is Love“ ist dafür jedenfalls ein gutes Beispiel. Als purer Singalong-Track, wie ihn manche abtun, hätte der Song nicht über ein halbes Jahrhundert funktioniert. „The Fool On The Hill“ hingegen klingt anfangs leicht spinnert, setzt sich aber in den Gehörgängen fest.

„Magical Mystery Tour“ ist zwar kein Album im klassischen Sinn wie etwa „Sgt. Peppers“, aber es überzeugt dank seiner überragenden Qualität bei jedem Wiederhören: The Beatles at their absolutely best!

15 Gedanken zu “

  1. Anfang, Filme, Kommerz, Individualitäten, inhaltlicher Anspruch, bei den Beatles war volles Programm!
    Kann ein Musiker, eine Grupoe das alles hinter sich lassen und weiteres neues machen oder bleibt die Musik in ihm/ihr ein Gefängnis bzw. sollen sie sich selbst entlassen?
    Ich höre die Beatles immer als Band und gerne.

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  2. Die DoEp hatte ich und ich weiss, was sie heute wert ist. Aber darum geht es garnicht.
    Die Musik war klasse, der Film, den ich Jahre später gesehen habe, war eine Enttäuschung.
    Schönen Dank für die Erinnerung.

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    1. Die besagte Doppel-EP hatte ich damals auch in den Händen, aber ich wollte bei den Beatles sammlermässig nicht in die Tiefe gehen; später habe ich mir dann die LP gekauft. Auch wenn der Film ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, ist „Magical Mystery Tour“ letztlich ein Musikfilm, der als surrealistisches Werk radikal mit den Genre-typischen Konventionen der 50er und 60er Jahre gebrochen hat. Sieht man sich die Musikstücke einzeln an, so hat man Video-Clips der zweiten Generation, bevor dann die eigentlichen Music-Clips aufkamen. Die Musik ist und bleibt einfach nicht wiederholbar! Ein fantastischer Betriebsausflug mit den Songs: „I Am the Walrus“, „Strwaberry Fields Forever“, „Penny Lane“…

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      1. Die Idee, mit vierzig zugedröhnten Freunden in einem riesigen Schulbus kreuz und quer durch England zu kurven und dabei einen Film zu drehen, war durch Erlebnisse in der Hippie-Szene an der amerikanischen Westküste entstanden. Schon ein paar Jahre vor der “Magical Mystery Tour“ der Beatles hatten sich Ken Kesey und die Merry Pranksters mit einem bunt angemalten Bus auf den Weg durch die Staaten gemacht, mit Neal Cassady am Steuer, der als Dean Moriarty schon in Jack Kerouacs „On The Road“ verewigt worden war. 

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      2. Ken Keseys Bus ist mir bekannt. Beim Spitznamen von Neal Cassady frage ich mich, ob man ihm den wegen des Professors James Moriarty gegeben hat; des genialen Gegenspielers von Sherlock Homes.

        Neil Cassady wurde auch zur einer musikalischen Anregung, z.B. in Neal, Jack an me auf dem Album Beat von King Crimson…

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      3. Diese Verbindung ist nicht alleine auf meinem Mist gewachsen.
        Der Name Moriarty mit dem versteckten Bezug auf Conan Doyles Sherlock Homes findet sich in der usamerikanischen Literatur häufiger als Hinweis, Zitat oder als schlichte Anspielung.

        Den Electric Kool-Aid Acid Test habe ich nie gelesen. Mit der usamerikanischen Literatur der 1950er bis 1970er Jahre tue ich mich etwas schwer.
        William S. Burroughs, Nelson Algren, Charles Bukowski, Hunter Thompson um nur diese zu nennen, waren meinen Lebens- und Interessewelten ziemlich fern. Aber: letztens habe ich wieder einmal Stories von Bukowski gelesen und war überrascht, wie treffend er Plots konstruiert hat. Das habe ich vor Jahrzehnten nicht erkannt, weil ich von solchen Techniken noch nichts wusste.

        Und nun werde ich Ihrem Link folgen, Das Lied kenne ich nicht – schönen Dank.

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      4. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, Herr Ärmel! Die sogenannte „Beat-Literatur“ war ja die amerikanische Form des Existenzialismus. Das Auftauchen des „Hipsters“ als brauchbare Philosophie in der amerikanischen Nachkriegsphilosophie ist wahrscheinlich auf den Jazz zurückzuführen. Bei fast allen Texten, die uns als Beispiel dieser neuer amerikanischer Literatur der 1950er bis 1970er Jahre im deutschsprachigen Raum erreichten, versagten die Übersetzer (ein Trend, der erst mit den gekonnten Bukowski-Übersetzungen von Carl Weissner gebrochen wurde). Zwar lässt sich zur Ehrenrettung der Übersetzer sagen, dass es damals, als zum Beispiel „On The Road“ erschien, eine adäquate Sprache im Deutschen noch nicht gab. Doch wenn ein Mann, den Tom Wolfe in seinem „The Electric Kool-Aid Acid Test“ als „good old boy“ bezeichnet (nach Wolfes Gattungsbezeichnung für den Typus des Pfundkerls, mit dem man Pferde stehlen kann), mit „gute alte Jungs“ übersetzt ist, wird der Assoziationswert des Originals völlig verschenkt. Ein Effekt, der sich ähnlich fatal auch bei der Synchronisation amerikanischer Filme auswirkt.

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      5. Oha, die Übersetzer. Bei Arno Schmidt, der sein Auskommen jahrelang mit Übersetzungen erwirtschaftete, werdden Übersetzer gerne auch Übelsetzer genannt.
        Dabei waren seine Übersetzungen selbst nicht frei von teilweise erheblichen Schnitzern. (Friede seiner Asche).

        Zu dem genialen Carl Weissner möchte ich unbedingt den nicht minder genialen Harry Rowohlt nennen.

        Sie haben natürlich Recht, wenn in einer Nationalsprache ein bestimmter Jargon erfunden oder kreiiert wird, für den es in einer Sprache noch keine Entsprechungen gibt, wird man beim übersetzen in eine andere Sprache auf Schwierigkeiten stossen.
        Bei Filmen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Untertitel oft hilfreicher sind als eine untaugliche Übersetzung. Vielleicht laufen deshalb in vielen Ländern in den Kinos die Filme in der Originalsprache.

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      6. Der Film ist halt geprägt von der damaligen Zeit, in der man viel experimentierte. Die verschiedenen Videoeinspielungen von den bekannten Songs sehe ich mir immer gerne an.

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  3. I have always ranked this album higher than some do in the Beatles catalog. I got it when I was 11 in 1978 and kept it on the turntable for months. Being a second-generation Beatles fan and not knowing about the singles releases before…it is a great album.

    Isn’t the American version now regarded as the definitive version?

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    1. Yep, the American version is now definitive! I never had the original double ep, but I absolutely love this album just for the inclusion of „I Am The Walrus“ and „Strawberry Fields“. Mostly people thought about the film, but forget the film and listen to the fantastic music on this album.

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