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The Beach Boys, Good Vibrations, 1966

Text/Musik/ Brian Wilson

Produzent/ Brian Wilson

Label/ Capitol Records

Angeregt durch den ambitionierten Pop der Beatles liess Beach Boy Brian Wilson die Welt der simplen Surf-Hymnen hinter sich, um sein eigenes komplexes Opus zu kreieren. Das Ergebnis, das Album „Pet Sounds“ (1966), übertraf die anspruchsvolle Vorgabe der Beatles in Sachen experimentieller Rock. Aber Wilsons grossartigstes Statement stand noch aus.

„Good Vibrations“ entstand während den Aufnahmen zu „Pet Sounds“, wurde aber erst Monate nach dessen Veröffentlichung fertig. Wilson verbrachte acht Monate in drei Studios ( 90 Stunden Bandmaterial, 11 verschiedene Fassungen), um den epischen Track aufzunehmen. Seine beispiellose Detailverliebtheit und sein Drogenkonsum waren nicht unschuldig an Wilsons Nervenzusammenbruch 1967, führten aber auch zu einem phänomenalen, ebenso ausgefallenen wie prägnanten Resultat.

Von Wilsons Pressesprecher Derek Taylor stammt der Ausdruck „Hosentaschensymphonie“. Die barocke Musik zeichnet sich durch romantische Symbolik, üppige Harmonien, krasse Stilbrüche und ungewöhnliche Instrumentierung aus. „Good Vibrations“ ist ein lässig swingender Pop-Song, der bis heute nichts von seiner seltsamen Unwiderstehlichkeit verloren hat.

24 Gedanken zu “

    1. „Good Vibrations“ ist bis heute ein Pop-Juwel. Das Wesentliche spielt sich ja hier unter der harmonischen Oberfläche ab. Es sind das Songwriting und die Arrangements, die den Song so zeitlos machen.

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      1. „Pet Sounds“ ist ja laut Kritikern eines der allerwichtigsten Pop-Alben überhaupt, wenn nicht das wichtigste. „Wouldn’t It Be Nice“, „Sloop John B“ und „God Only Knows“ sind phänomenal, aber die meisten Songs gehen mir nicht wirklich ins Ohr. Dass Brian Wilson mit seine Extravaganzen scheiterte, zeigt sich dann auf dem unvollendet gebliebenen „Smile“- Album, das ich zum Teil nur als mühsam empfinde.

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      2. Ich denke auch, dass da sein Ehrgeiz mit ihm durchging. Trotzdem kann ich „Smile“ in der erst 2004 veröffentlichten vollendeten Fassung sehr viel abgewinnen. Er musste sich ja nichts mehr beweisen, schon gar nicht gegenüber den Beatles.

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      3. Für mich ist „Smile“, ähnlich wie „Pet Sounds“ ein überbewertetes Album. „Heroes & Villains“ ist (neben „Good Vibrations“) der beste Song da drauf.

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      4. Kritiker und „Pet Sounds“… Da wurden, glaube ich, noch Bezüge zu „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ hebeigeknüppelt und Änlichkeiten zwischen den Beach Boys und den Beatles, wobei mir nix dazu einfällt, außer dass beide Bands mit „Bea“ anfangen.

        Gut, „Pet Sounds“ wurde gekauft und ich muss ehrlich sagen, dass ich es bis auf „Wouldn’t It Be Nice“ und „Sloop John B“ richtig scheiße finde. Süßliche Pop-Soße mit Zuckerguss und Kitsch, dem ich nichts abgewinnen. Ich habe „Pet Sounds“ zweimal durchgehört, weil ich dachte, mich getäuscht zu haben.
        Aber nein, es geht einfach nicht! Es verursacht Schmerzen…

        Von den Beach Boys reicht mir ein Sampler mit den nettesten Songs, wozu natürlich auch „Good Vibrations“ gehört, aber ansonsten kann ich mit den Jungs gar nix anfangen…

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      5. Mit dem angeblichen Meisterwerk „Pet Sounds“ kann ich mich auch nicht anfreunden. Zwar lässt sich zur Ehrenrettung des Werks sagen, dass „Pet Sounds“ für die damalige Zeit und die damaligen technischen Möglichkeiten sicherlich revolutionär klang, aber mittlerweile hat sich schon einiges im Bereich der Pop-Musik getan.

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  1. Hall war zu dieser Zeit eines der wenigen Verfremdungsmittel, heute Soundmix.
    Toller vielstimmiger Gesang und super Video.
    Die Mittelpassage fast übererdlich schwebend.

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    1. „Good Vibrations“ zeigt sehr gut, was man im Jahre 1966 aus der Studiotechnik rausgeholt hat (immerhin sind die Beach Boys allein für diesen Song ein halbes Jahr im Studio gesessen). Auch der Einsatz dieses Theremin-Instruments (das stufenlose Tonübergänge wie eine Zugposaune erlaubt) am Schluss des Stücks ist stark. Die Stimmung im Video scheint mir aber eher bizarr zu sein, als freudig.

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      1. Studioarbeit war im Gegensatz zu heute fremder, starrer. Dazu fällt mir ein wie Robert Johnson nur zweimal die Chance dazu hatte und sonst nur Auftritte.
        Daher schaue ich eher sehr beobachtend, aber das ist vielleicht Konzentration.
        Schön so vieles sehen zu können.

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  2. Bei den Beach Boys ist es insbesondere der fantastische mehrstimmige Gesang, der mir gefaellt. Allerdings wiederholt sich die Musik sehr stark, besonders ihrer fruehen Surfmusikphase. Weiterhin borgt sie eifrig von anderen Kuenstlern. Beispielsweise klingt „Surfin‘ USA“ wie eine Chuck Berry Nummer.

    „Good Vibrations“ ist ohne Zweifel in einer anderen Liga mit herausragender Musik, Gesang und Aufnahmetechnik. Insgesamt ist dies meiner Meinung nach der beste Song der Beach Boys.

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    1. Die Vokalharmonien bei den Beach Boys sind einmalig, aber zwischen ihrer ersten Single „Surfin’“ (1961) und „Good Vibrations“ liegt der Quantensprung vom fröhlichen und harmlosen Strand- Surf- und Auto-Hit zu einem der komplexesten Pop-Songs überhaupt. „Good Vibrations“ war wohl Brian Wilsons künstlerischer und kommerzieller Höhepunkt. Aber sein Perfektionismus führte zu einer Kluft zwischen dem Rest der Beach Boys, mit denen er sich schliesslich zerstritt. Mit Mike Love hat sich Wilson später wieder versöhnt. Wilsons Brüder Dennis und Carl, sind 1983 beziehungsweise 1998 gestorben.

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