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Joy Division, Transmission, 1979

Text/Musik/ Ian Curtis

Produzent/ Martin Hannett

Label/ Factory Records

Für mich bleibt „Transmission“ stark mit der Zeit seines Erscheinens verknüpft, 1979: Punk hallte noch nach, Postpunk riss die Pop-Musik in alle Richtungen auf, und da tauchte diese Band aus Manchester auf, die Punksongs spielte, simpel und direkt, denen jedoch Wut, Lärm, Aufbegehren und Provokationen abgingen. Joy Division, das war gedrosselter, ja sedierter Punkrock; statt krachender Riffs tröpfelten dünne, einsam wirkende Klänge durch riesige verhallte Räume, die sich anfühlten wie verlassene Fabrikhallen im kältesten Winter.

Und dann diese Stimme von Ian Curtis, deren Klang allein schon so viel von dem ausdrückte, was viele empfanden. Und diese Textfetzen, die sich festkrallten: „Staying in the same place, just staying out the time, touching from a distance, further all the time“ und dann der Refrain: “ Dance, dance, dance, dance, dance to the radio“. Keine Wut mehr, kein Aufbegehren, sondern Schwermut, Resignation, Perspektivlosigkeit und die existenziellen Ängste unsicherer Heranwachsender. Ein Song für die Zeit, der die Zeit überdauerte.

11 Gedanken zu “

  1. Schon die ersten Stücke von Joy Divisiontrafen mein Herz. So soll Musik sein, die bleibt.
    Leider verlief der Lebensweg von Ian Curtis tragisch. Aber auch der Klang seiner herausragenden Stimme bleibt.
    Anton Corbijn hat mit seinem Film „Control“ Ian Curtis und Joy Division ein würdiges Denkmal gesetzt. Die Platten werden bei mir noch immer mit Vergnügen gespielt.

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    1. Joy Division erinnert mich an meine Twenty-Something-Zeit. Da waren ja alle immer sehr darauf bedacht, sich tiefgründig zu geben. Dieses Düstere fand ich damals sehr faszinierend. Heute sehe ich das ein bisschen anders. „Transmission“ ist ja ein Wahnsinnssong, aber ich kann den – ehrlich gesagt – auch nicht in jeder Verfassung hören. Der Mann hatte ja schwere Depressionen, Epilepsie und richtete sich quasi live auf der Bühne zugrunde.

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      1. Genau – die Twenty-Something-Zeit… Tiefgründig war das Mantra 😉
        Damals.
        Ich höre auch nicht mehr zwei Scheiben von Joy Division am Stück. Aber so sechs, sieben Nummern gehen noch immer gut ab.
        Ja, der bedauernswerte Ian Curtis. Im Film von Corbijn gibt es LiveSzenen, da denkt man: eben klappt er zusammen. Unheimlich naturalistisch gespielt. Und Corbijn musste es wissen. Er hatte einige Gruppen dauerbegleitet . . .

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      2. Den Film von Corbijn habe ich mal im Kino gesehen. Beeindruckend ist auch das Buch von Deborah Curtis („Touching From A Distance“). Sie beschreibt ihren Ehemann als schüchtern, bevor er zwei drei Starkbier getrunken hatte. Er war auch sehr ehrgeizig, wollte einen Roman und Songs schreiben. Und er war kontrollsüchtig. Deborah schreibt, wie er wütend wurde, wenn sie die aus seiner Sicht falschen Bücher las. Ja, und als er dann gestorben war, sei sie losgezogen und habe sich all die Bücher und Platten gekauft, die er ganz schrecklich gefunden hatte.

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  2. Ich weiß nicht, ob es jener Corbijnfilm oder eine andere Doku war, die ich mal auf arte erwischt habe. War sehr interessant. Mit der Musik geht es mir in Intervallen so, dass sie entweder sehr gut passt oder dass ich sie als sehr blechern überholt empfinde. Außer „atmosphere“; die Nummer geht immer.
    Mit New Order, dem Nachfolgeding der Restetruppe, komm‘ ich aber überhaupt nicht klar.

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    1. „Atmosphere“ verbreitet in der Tat Atmosphäre. Auf die blosse Nachahmung dieses Songs haben ja The Cure und andere ganze Karrieren gegründet. Die Musik von Joy Division hat halt auch viel mit der Teenage-Angst zu tun ( Nick Cave, Bauhaus und Nirvana) gehen ja auch in diese Richtung.

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