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The Kinks, Sunny Afternoon, 1966

Text/Musik / Ray Davies

Produzent/ Shel Talmy

Label/ Pye

Nachden sie mit ihren Hits „You Really Got Me“ und „All Day and All of the Night“ den Hard Rock erfunden hatten, begaben sich die Kinks überraschend auf ein halb komödiantisches Music-Hall-Territorium. „Sunny Afternoon“ war ein Geniestreich. Die Kombination aus Barpiano, kreischender Gitarre und Humptata-Musik schien nichts weiter zu wollen, als die Freuden des Müssiggangs zu preisen – oder steckte doch mehr dahinter?

Wie so viele Songs aus der Zeit zwischen 1966 und 1968 schien „Sunny Afternoon“ den Geist des Wandels zu verkörpern, der damals die USA und Europa durchströmte. „Tune in, turn on, and drop out“, lautete das Motto der Gegenkultur, und immer mehr Menschen begriffen, dass man nicht zum Mainstream gehören musste. Auch die Beatles rieten ihren Fans 1966, sich zu entspannen, die Gedanken auszuschalten und sich flussabwärts treiben zu lassen. Die Kinks jedoch waren vor ihnen da.

Musikalisch und textlich war der Song eine Offenbarung. Der Schritt zurück, den Songwriter Ray Davies damit wagte ( zurück in die verrückte Music-Hall-Zeit seiner Jugend), statt die progressive Richtung weiterzuverfolgen, in die die früheren Hits der Band zu weisen schienen, erwies sich im nachhinein als genial. Hinter der warmen, lakonischen Weichheit der Aufnahme verbergen sich kluge Köpfe – eine Beobachtung, die, mal wieder auch auf die Beatles zutrifft, die im Jahr darauf ihre eigene Music-Hall-Hommage, „Being for the Benefit of Mr. Kite“, aufnahmen.

Eine sehenswerte Dokumentation: „The Kinks, die bösen Jungs des Rock’n’Roll“ ( Mit Dank an Herr Ärmel )

17 Gedanken zu “

  1. Herrlich… ich mag auch die Version von Wolfgang Ambros, „Herumliegen in da Sunn“.
    (Konnte ich glücklicherweise auch live genießen, als Herr Ambros körperlich noch gut beinand war.)

    Liebe Grüße aus dem verregneten Wien… da wünscht mensch sich doch ein „Sunny Afternoon“! 😉

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    1. Danke! Die Version von Herr Ambros ist ja nicht so weit weg vom Original, auch scheint mir der Text in Österreichisch gut umgesetzt. Der Song ist so fröhlich, beschwingt, dass er auch an einem verregneten Nachmittag gut rüberkommt.

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    1. One can easily get into a lazy sunny afternoon mood, listening to this song. Yep, „The Boat That Rocked“ (in America released on a better name of „Pirate Radio“) is an underrated movie. Good story, good acting and great tunes.

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      1. My brother and I had an old radio in our room. We often listen to „Radio Caroline“ until after midnight. They broadcasted from a converted fish steamer, outside the three-mile zone off the English coast. „Caroline“ always played the latest rock and beat songs. Here I heard for the first time „Under My Thumb“, „Bus Stop“,“Last Train To Clarksville“,“ My Generation „and many other songs from the mid sixties.

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    1. „Sunny Afternoon“ sounds happy and lively, but Ray Davies said that he wrote this song after a nervous breakdown and that there is a lot loneliness and isolation in it. At the end of my post again a link to
      an ARTE documentary: The Kinks – The Bad Boys of Rock’n’Roll. The story how the two North London workerfamily kids Ray and Dave Davies became part of one oft the most famous pop groups is definitely interesting.

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  2. Gerade verbringe ich den Nachmittag damit, Kinks zu hören.
    Vor ein paar jahren durfte ich bei einem Arbeitskollegen in den Keller hinabsteigen und mir an Schallplatten mitnehmen, was ich wollte.

    Ich selbst besaß nur die Kinda Kinks, Schoolboys In Disgrace und eine Best-Of, da kamen nun noch zehn LPs dazu, die ich etwas stiefmütterlich behandelte, weil es mir zuviel war.
    Zehn LPs von der selben Gruppe anhören, einprägen und beurteilen ist schon heftig.

    Nun sitze ich da, ziehe irgendeine Platte aus dem Regal und lasse sie dudeln.
    Lola versus Powerman and the Moneygoround, Face To Face und Soap Opera habe ich schon gehört und es macht Spaß! 😉

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    1. Es gibt sehr schöne Platten von den Kinks. Für mich sind sie das Grundmodell des britischen Rocks, das proletarisch grundiertes Dandytum mit einer Form von Songwriting verbindet, die gleichzeitig realistisch, melancholisch und selbstreflektiv ist.

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