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The Rolling Stones, Gimme Shelter, 1969

Text/Musik/ Jagger/ Richards

Produzent/ Jimmy Miller

Bei „Gimme Shelter“ sind sich nicht nur Stones-Fans einig, dass dies ein ganz grosser Rocksong ist. In der Zeit, als das Album „Let It Bleed“ erschien, klang gerade die Hippie-Ära aus. Und die Stones setzten mit diesem Reisser Trademarks, die in die Zukunft weisen.

Der Text zu „Gimme Shelter“ stammt von Keith Richards. Er greift darin ein grundsätzliches Empfinden Ende der 1960er Jahre auf, gegen die (massenmedialen) Bilder von Krieg und Zerstörung in Vietnam, Rassenunruhen und Studentenprotesten. Es wird aber auch vermutet, dass der Text von seinen Qualen herrührt, weil Jagger während den Dreharbeiten zu dem Film „Performance“ eine Affäre mit Richards Freundin Anita Pallenberg hatte. Auch wenn Richards Depression ein wenig übertrieben wirkt, wenn er die Übel der ganzen Welt davon ableitet, ist er doch ein Künstler und verallgemeinert seine Sicht der Dinge und bezieht sie nicht nur auf seine eigenen kleinen häuslichen Qualen. Auch der Kontrast zu Jaggers Methode, Beziehungsmängel zu verarbeiten, ist interessant. Jagger rechnet einfach nur bissig mit seinen Ex-Geliebten ab, während bei Richards der kleine Funken Hoffnung am Schluss bleibt.

„Gimme Shelter“ wurde zuerst in England allein mit Jaggers Stimme aufgenommen, aber unmittelbar vor der US-Tournee 1969 beschloss die Band, die prächtige, gespenstische Stimme der Soulsängerin Merry Clayton zur Unterstützung aufzunehmen und selbst den Chorgesang herbeizusteuern. Damit erhoben sie den ohnehin guten Song zu einem absoluten Glanzlicht im Repertoire der Stones.

14 Gedanken zu “

  1. So schrieb der Rolling-Stone-Autor Greil Marcus über den Song, „Die Stones haben nie etwas Besseres gemacht“ (Aus dem Netz geklaut)

    Dem will ich mich fast anschließen, weil ich mich weigere, etwas als den „besten“ Song, den „besten“ Gitarristen oder so ähnlich einzuordnen…

    „Gimme Shelter“ ist ein Knaller, so wie „Let It Bleed“ ein gnadenlos geiles Album ist, mit Schmackes und Begeisterung vom ersten bis zum letzen Ton anzuhören, bevor sich die Stones nach „Exile on Main St“ auf die lange Bergabfahrt in die Belanglosigkeit begaben und nur noch einen oder zwei echte Hits pro Album aufnahmen.

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    1. Auch ich habe es immer ein bisschen schwer mit dem „ultimativ besten Song“. „Gimme Shelter“ hat extrem viel Power, ist gut gesungen und die Melodie ist auch hervorragend. Aber ich zähle auch „Satisfaction“, „Paint It Black“ und „Jumpin’ Jack Flash“ zu den zeitlosen Favoriten der Stones.

      Auf dem „Let It Bleed“-Album gibt es noch weitere monumentale Songs, nicht zuletzt „You Can’t Always Get What You Want“, das die Rolling Stones kürzlich im Rahmen des „One World: Together At Home“-Benefizkonzerts in einer Wohnzimmer-Version gespielt haben: https://www.youtube.com/watch?v=N7pZgQepXfA

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      1. „Let It Bleed“ is phänomenal, nicht ein Lied, das ich nicht auf seine Art große Klasse finde.

        Und „You Can’t Always Get What You Want“ mit dem Chor jagt mir immer wieder kalte Schauer den Rücken ‚runter!

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    1. Charlie Watts ist nicht ein technischer High End Drummer, aber er ist ein guter Jazz-Drummer mit einem Swing-Feeling.

      Ein besonderes Merkmal von„Gimme Shelter“ ist die Stimme von Merry Clayton. Während sie in den ersten beiden Refrains zusammen mit Mick Jagger zu hören ist, übernimmt sie im Mittelteil des Songs einen Solopart. Sie singt die Hookline des Refrains über die Zeilen “Rape, murder! It’s just shot away, it’s just a shot away”. Clayton war 2014 bei einem Autounfall schwer verletzt worden. Keith Richards widmete ihr „Gimme Shelter“, als er 2015 zugunsten der Jazz Foundation im Apollo in Harlem auftrat: https://www.youtube.com/watch?v=uJMZJ3g2Dfk

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  2. I love the textured, layered guitar work of Richards on Give me Shelter especially. It is wildly unique. Weaving is what Richards calls it. He plays the guitar as though he is laying down a drum beat. He says he learned the weaving technique from watching reggae musicians and incorporating their rhythm into his own instincts. „If you think you stink,“ is how Richards describes his instinctive style.

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    1. What Keith Richard’s plucks here on the guitar is a slow Chuck-Berry-riff. At the beginning of „Gimme Shelter“ you can also hear a guiro and then a uncanny female voice, before the song plunges into this apocalytic soundscape, which is only more threatening due to the amplified and distorted harmonica. „If you think you stink. „- Of course, Richard’s ingenuity was here once again the source of these new tones.

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    1. Es fühlt sich so an, als ob die Apokalypse direkt vor der Haustür stünde. Unglaublich, zu was die Stones damals in der Lage waren. Merry Clayton war auf „Gimme Shelter“ nicht nur eine Backing-Sängerin, sondern schon fast eine Duettpartnerin für Jagger.

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