Frank Zappa & The Mothers Of Invention, Trouble Every Day, 1966

Text/Musik/ Frank Zappa

Produzent/ Tom Wilson

Label/ Verve

Beim Wiederhören von „Freak Out!“ fällt auf, wie sorgsam diese Musik eingespielt wurde, die doch ihre eigene Persiflage enthielt. Der Klang der Platte wirkt organisch, offen und warm. Die Wechsel der Rhythmen und Tonarten kommen beiläufig daher. Die Stimmen von Zappa und Ray Collins sind gefühlvoll aufeinander bezogen. Nahtlos gehen die Songs ineinander über, man hört den Musikern an, wie lustig sie es im Studio hatten, obwohl Zappa schon damals hohe Anforderungen an sie stellte. Dass sein provokatives Album überhaupt erschien, hatte er aber Tom Wilson zu verdanken, dem unerschrockenen schwarzen Produzenten. Er hatte mit Sun Ra und Cecil Taylor gearbeitet und Dylans „Bringing All Back Home“ betreut. Nach den Mothers produzierte er die erste Platte der Velevet Underground.

Die grösste Ironie dieses hochironischen Albums besteht darin, dass sein bester Song weitgehend auf Ironie verzichtet, auch musikalisch: „Trouble Every Day“ bleibt eine von Zappas eingängisten und eindeutigsten Kompositionen. Dass er sie immer wieder aufführt und auf mehreren Live-Alben veröffentlicht hat, zeigt ihre Bedeutung für ihn. Der Song wird von einem bluesigen Gitarrenriff angetrieben, die Rhythmusgruppe spielt einen swingenden Takt, während Zappa und Collins sich beim Singen ablösen. Der Text behandelt die Rassenunruhen von 1965 in Watts, dem schwarzen Ghetto in Los Angeles; sie dauerten sechs Tage, 34 Menschen starben, über tausend wurden verletzt. Zappa beschreibt die Vorfälle aus der Sicht des Zuschauers, analysiert den Sensationalismus der Fernsehstationen und die Auswegslosigkeit des Ghettos, ohne dabei die weissen Opfer des schwarzen Mobs zu ignorieren: „I’m not black/ But there’s a whole lots a times/ I wish I  could say I’m not white.“

Ein so klar sehender Präsident würde Amerika gut tun. Heute besonders.

16 Gedanken zu “

  1. Es hat nicht sollen sein. Er hatte ja ausgelotet, sich zur Wahl zu stellen und dann einfach zu schauen, was dann passiert. Damals war er mit Herrn Havel befreundet und gab einige Interviews, die ihn gegen die political class hatten gut aussehen lassen. Dafür sah Gore, aber Frau Gore gar nicht gut aus mit ihrem Senatsausschuss zur Zensur von Plattencovern bezüglich des Inhalts.
    Wirklich ein Jammer!

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    1. Frank Zappa war ein politischer Mensch. Havels Geschichte hatte ihn sehr fasziniert, weil dieser es geschafft hat, ein Regime ohne Blutvergiessen zu überwinden. Ob Zappas Ankündigung Ende der 80er Jahre Präsident der USA zu werden, ernsthaft gemeint oder nur ein Witz war, kann ich nicht sagen. Aber die oberste Regel eines Präsidenten Frank Zappa wäre auf jeden Fall interessant gewesen: „Don’t trust anyone. Think basically everyone is an asshole until they have proven otherwise“.

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    1. „The Revolution Will Be Televised“ – Right, Bru! „Trouble Trouble Every Day“ is one of my favorite Zappa songs. Just looking at the lyrics, you could almost think the song was written last night, as it goes to show just how little the big issues have changed in the last decades. Racial strife. Out-of-touch media. Economic inequality. With Frank’s searing guitar, some bluesy harmonica, and an almost impossibly memorable melody, and you’ve got a surefire classic and a great middle-finger to the decade’s often touchy-feely sentiments. Freak Out!

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  2. Wie gut in diesen Tagen an diesen Song und die damaligen Ereignisse zu erinnern.

    „…..Ein so klar sehender Präsident würde Amerika gut tun. Heute besonders“….

    Das kann man so stehen lassen.
    Liebe Grüße,
    Werner .

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    1. Trump macht die übliche Politik der Republikaner, nähmlich Krieg, jetzt im eigenen Land. Es hat sich also nichts geändert, alles beim Alten, auch das Lied von Zappa, ein gesellschaftspolitisches Statement über Rassendiskriminierung und sensationslüsterne Medien, und deshalb immer wieder aktuell.

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    1. I think, Zappa never cared much about the big lines of politics, but in individual cases he harshly criticized whats happenend in society. The sprawling, grubby blues of „More Trouble Every Day“ with its wild, biting lyrics about the Watts riots 1965 in Los Angeles and media coverage in a racially and economically divided America shows that nothing has changed significantly today.

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      1. „Meet the new boss, same as the old boss“ – That’s good, CB! Zappa wouldn’t be surprised that someone like Donald Trump could make it this far. The republicans are eaten by greed and the democrats are jealous of not being republicans, he said. This didn’t prevent Frank from interfering in public debates. He even run as an independent candidate for the American presidency. And I’m sure: with Zappa as president, it wouldn’t be any worse.

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  3. Dieses Album war meine erste Begegnung mit der Musik von Frank Zappa. Texte habe ich mit meinem damaligen Schülerenglisch nicht richtig verstanden. Und viele Bezüge und Kontexte haben sich mir viel später erst erschlossen.
    Bis heute höre ich seine Alben der 1970er Jahre am liebsten.

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    1. Musikalisch gibt es bessere Alben von ihm (meine erste Zappa-LP war „Hot Rats“, die ich noch heute wegen ihrer Instrumentalkompositionen und dem Showcase von Captain Beefheart schätze). „Freak Out“ ist vor allem eine Satire auf die damalige Hippie-Drogen-Subkultur in Kalifornien, die man kennen muss, um das Ganze verstehen und vielleicht amüsant finden zu können. Frank Zappa war, wie er sich selber definierte, ein musizierender Soziologe. Und er erkannte früher als die meisten anderen, wie widerstandslos die amerikanische Gegenkultur im Kapitalismus aufgehen sollte.

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      1. Die „Hot Rats“ von 1969 gehört auch bei mir noch heute zu den Favoriten. Und der Gesang von Captain Beefheart auf Willie the Pimp ist ein Kracher.
        Zappa war ein kluger Kopf und ein cleverer Geschäftsmann im Musikgeschäft.

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