Bob Dylan, I Want You, 1966

Text/Musik/ Bob Dylan

Produzent/ Bob Johnston

Label/ Columbia

Weil Dylan auf Fotografien gerne den Griesgram mimt, könnte man meinen, er sei weder zum Komiker noch zum Romantiker geeignet. Beides ist falsch. In Dylans Werk versteckt sich herrlich absurder Klamauk – im fiesen „Ballad Of A Thin Man“ etwa. Und auch die Rolle des Liebestollen spielt er oft in seinen Liedern – wie etwa in „Sad Eyes Lady Of The Lowlands“ oder dem zart-verlangenden „I Want You“. Der Song ist emotional, hoffnungsvoll und wunderschön. Vielleicht gerade dadurch, dass die Lyrics so direkt sind und nicht wie sonst poetisch verschlüsselt. „I Want You“ gehört zur meines Erachtens schönsten Liebeserklärung des Meisters. Weltklasse!

Eigentlich wollte ich zu diesem Lied ein Video aus dem italienischen Film „Cinema Paradiso“ (1988) von Giusseppe Tornatore einbetten. Der Film erzählt die Kindheit des Filmregisseurs Salvatore di Vita in dem fiktiven sizilianischen Fischerdorf Giancaldo. Als Junge durfte er im Kino des Ortes arbeiten. Bei dieser Tätigkeit hat er nicht nur das Handwerk des Filmvorführers gelernt, sondern sich auch in die Filme selbst verliebt. Als er nach 30 Jahren wieder nach Giancaldo zurückkehrt, findet er in dem leerstehenden Kino, das abgerissen werden soll, eine Filmrolle mit aneinandergereihten Kuss-Szenen, die er auf Geheiss des Dorfpfarrers über die Jahre aus den Filmen schneiden musste. Leider ist dieses Video auf YouTube mit einer Altersbeschränkung versehen: https://www.youtube.com/watch?v=xzA1KDxKXZw

27 Gedanken zu “

    1. Danke! Souveräne Adaption von den Folkländer Bierfiedler. Den Leuten hört man die enorme Spiel- und Singfreude an. Mir gefällt das Original von Dylan immer noch am besten. Eine interessante Coverversion gibt es auch von Sophie B. Hawkins. Die von BAP klingt schon ein wenig lasch.

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  1. „Cinema Paradiso“ habe ich vor gefühlt 1000 Jahren im Fernsehen gesehen. Und der Film hat mich als kleines Kind sehr berührt. Aber mit den vielen Jahren habe ich ihn in meinem Langzeitgedächtnis verbannt.
    Danke für die Erwähnung und auch für den Beitrag.
    Gibt es nicht ein eher bitterböses Lied von Bob Dylan, dem er seiner Ex-Frau Sara gewidmet hat?

    Liebe Grüße aus Wien!

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    1. „Cinema Paradiso“ ist ein schönes Hommage an das alte Kino. Ich würde den Film gerne wieder einmal sehen, am liebsten im Open-Air-Kino.

      Es gibt ja etliche Songs von Dylan, die sehr wohl als Allegorie auf seine Ehe, Trennung und kurzfristige Wiedervereinigung mit Sarah verstanden werden können. Eine persönliche Platte dürfte in dieser Hinsicht „Blood On The Tracks“ sein. Natürlich baute er reichlich Stolpersteine und Sackgassen ein, aber das Album ist seine Lebensbeichte zum Thema Beziehungen.

      Bei „I Want You“ sind sich die Dylanologen bis heute nicht einig, ob das Lied für das damalige Warhol-Factory-Girl Edie Sedgwick oder für Anita Pallenberg gedacht war.
      Sonnige Grüsse nach Wien!

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    1. „Cinema Paradiso“ a heart-warming story not only about a nostalgic view of 1950’s cinema, but also about how benevolent influences on children can shape their destiny. The movie clip together with Dylan’s song has a quirky little charm ( Don’t understand why YouTube puts this under Age Restriction).

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