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Bruce Springsteen, Death To My Hometown, 2012

Text/Musik/ Bruce Springsteen

Produzent/ Ron Aniello, Bruce Springsteen

Label/ Columbia

Ein Mainstream-Rocker, der Mitgröl-Songs fabriziert? Bruce Springsteen ist oft subtiler als man denkt. Schon „Born In The USA“ war eine Anklage gegen den Vietnamkrieg und den Umgang des Establisments mit den Kriegstraumatiserten. „Death To My Hometown“ ist eine direkte Reaktion auf die Finanzkrise von 2008/2009. Ohne dass eine Bombe gefallen wäre, ohne körperliche Gewalt anzuwenden, haben „Räuberbarone“ den Tod in die Heimatstadt des Sängers gebracht. „Gierige Diebe“, die das Fleisch von allem assen, was sie fanden – und die bis heute unbestraft bleiben. Die drastische Wortwahl, die klare antikapitalistische Botschaft und kräftige, keltisch beeinflusste Klänge machen diesen Straight-Rock-Song höchst eindrucksvoll.

„Wrecking Ball“ ist das erste Album von Springsteen, in dem offen Samples zum Einsatz kommen; bei „Death To My Hometown“ baut alles auf dem von einem Gospelchor gesungenen „The Last Words Of Copernicus“ auf, einer Aufnahme von Musikforscher Alan Lomax von 1959, mit der der historische Kontext hergestellt wird.

23 Gedanken zu “

  1. Das Album „Wrecking Ball“ habe ich in Wien einen Tag vor dem offiziellen VÖ-Datum gekauft.
    (Die normale Ausgabe, auf die Special Edition verzichtete ich, weil ich „American Land“ hasse und „Swallowed Up“ sogar vorab hören konnte. Ergebnis: Brauche ich nicht.)
    „Death To My Hometown“ hat lange genervt, doch erst beim 4. Mal live hören habe ich irgendwie meinen Frieden mit diesem Lied geschlossen. Mittlerweile zucke, dirigiere, skandiere ich an den richtigen Stellen mit.
    Oh ja, es ist ein gutes Lied aus einem Werk, das mich eher mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

    Liebe Grüße aus dem Home Office!

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    1. Ich bin nicht so ein grosser Springsteen-Kenner wie Du, aber das Album „Wrecking Ball“ ist für mich ein Beweis, dass Tiefgang und Kommerz sich durchaus miteinander vertragen. Musikalisch klingt „Death to My Own Town“, eins zu eins wie eine Irish-Folk-Dance Nummer der Pogues, aber eigentlich ist der Song eine Anklage gegen diejenigen, die für die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 verantwortlich sind, in der die Vereinigten Staaten, und nicht nur diese, immer noch stecken und die bis weit in den Mittelstand hinein zu schweren sozialen Erosionen geführt hat. Und das in einem Land, dessen Sozialsystem bestenfalls als rudimentär bezeichnet werden kann.

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      1. Du hast das Lied mit wenigen und doch treffenden Worten wunderbar beschrieben. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Melodie mit einem Spielmannszug gemeinsam hat.
        Aus dem Album sprechen auch „Jack Of All Trades“, „Easy Money“ und sogar das Titellied die Wirtschaftskrise an und beim Tippen fällt mir nun ein, dass das Thema nun um die sozial-gesundheitliche Krise erweitert wurde.

        Das Album lässt mich deshalb mit gemischten Gefühlen zurück, weil es für meinen Geschmack doch etwas zu experimentiell ist. Aber die dazugehörige Tournee in 2012/2013 war unglaublich gut.

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      2. Auf „Wrecking Ball“ ist dieses alte Springsteen-Problem unüberhörbar: Die Arrangements sind zu schwer, die Tempi sind zu behäbig, alles wirkt reichlich überinstrumentalisiert. Ich finde das Album, zumindest musikalisch, sehr durchschnittlich. Aber es gefällt mir, weil der Rockstar Bruce Springsteen hier wütend ist auf die Politik und die Finanzhaie in den USA und über das Schicksal der Verlierer der Krise singt. Er zeigt damit treffend die Differenz zwischen dem „American Dream“ und der amerikanischen Realität. Einen schönen Tag wünsche ich Dir!

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    1. I like the protest and the anger of old Bruce Springsteen. When he sings in “Death To My Hometown” about the war and mixes this message with the lively sounds from an Irish pub, then the ambivalence between music and text certainly makes you think.

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  2. Drei Wochen Griechenland, 7000km und eine Cassette : „Born in the USA“ , das Echo der Reise hallt heute noch nach … 😉 Griechenland und Bruce Springsteen sind damit für immer und ewig verbunden!

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    1. Als 1984 der Song „Born In The U.S.A.“ erschien, war ich in New York, und ich habe schnell gemerkt, dass dieser Song in Amerika sehr zwiespältig interpretiert wurde. Springsteen beschreibt darin, das Schicksal eines Vietnam-Heimkehrers, der nicht mehr in die zivile Gesellschaft zurückfindet. Wenn man aber nun bis auf den Refrain den Text weggelässt, kann das Lied auch republikanisch-patriotisch umgedeutet werden. Das ist bei „Death To My Hometown“ offensichtlich anders, der Song handelt von denjenigen, die ihre Jobs verloren haben und in eine ungewisse Zukunft blicken.

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      1. Dagegen ist nichts einzuwenden, nur dass es, zumindest was die Bedeutung von Songs angeht, zu einem Un-, Miss- oder Nichtverständnis kommen kann. Reagan hatte ja damals „Born In The U.S.A.“ für seinen Wahlkampf verwendet, bis Springsteen rechtliche Schritte gegen ihn einleitete.

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