Muddy Waters, Hard Again, 1977

Produzent/ Johnny Winter

Label/ Blue Sky

Es ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit ein Album aus der klassischen Rhythm & Blues-Ära als Meilenstein zu bezeichnen. Schon allein die beschämende Aufnahmetechnik verbietet es mir, das Wort „Meilenstein“ in den Mund zu nehmen. Schallplatten wurden gemacht um Geld zu verdienen und in Ermangelung finanzieller Möglichkeiten in wenigen Stunden auf Tonkonserve gepresst. Mit viel Pech wäre uns der Rhythm & Blues der 40er Jahre nur noch als verrauschtes Zeitdokument für die Archivkeller der kunsthistorischen Bibliothek in Erinnerung.

Muddy Waters hatte 1977 seine kreative Blütezeit schon lange hinter sich. Doch der texanische Blues-Albino Johnny Winter nahm den bei seiner alten Plattenfirma nicht mehr erwünschten 71-Jährigen für das Label Blue Sky unter Vertrag und zeigte wie Karriere-Revitalisierung richtig funktioniert. Als leidenschaftlicher Blues-Fanatiker kommt Winter erst gar nicht in Versuchung, die archaische Musik Muddys für den Mainstream zu verwässern oder gar dem Zeitgeist zu genügen. So werden alte Klassiker wie „Mannish Boy“ oder Willie Dixons‘ „I Want To Be Loved By You“ zu neuem Leben erweckt, mit einem unerschöpflichen Eifer und Engagement vorgetragen und von einem regelrecht aufblühenden Muddy Waters, dessen Gesang seit fast 10 Jahren nicht mehr so durchdringend klang.

„Hard Again“ spiegelt den urbanen Blues so, wie er geklungen haben muss, als die Musiker in den 40er Jahren, aus dem Süden an die South- und Westside zogen und begannen ihre Instrumente über Verstärker laufen zu lassen – derb, laut, dissonant; es dröhnt und scheppert. Aber – das hier ist keine Pop-Musik, das ist Blues. Genau so ist das gemeint.

29 Gedanken zu “

    1. Thanks for the coverinformation, Doc. I think „Hard Again“ lives up to its title. Muddy Waters really ups the ante with a slamming rocking set and an all star blues cast including legendary blues pianist Pinetop Perkins and Johnny Winter on slide guitar.

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  1. Muddy Waters musikalische Blues-Aura strahlt bis in unsere Gegenwart hinein. Meine beiden Kinder waren kürzlich in einem coronabeschränkten Konzert der Münchner Gruppe Muddy What?, die auf dem Label Howlin‘ Who veröffentlicht. Dank der Live-CD, die mir die zwei mitgebracht haben, kann ich einmal mehr den stets aufs neue erfrischenden Zauber des Blues genießen.

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    1. Kein Zweifel, Muddy Waters gilt als einer der wichtigsten Musiker in der Geschichte des Blues. Der altmodische ländliche Blues wäre wohl längerfristig hinweggespült worden, hätte ihn nicht Waters in Chicago elekrifiziert. Es wundert also nicht, dass Musiker wie Johnny Winter Muddy Waters in seinen letzten Lebensjahren unterstützten.

      Schön zu hören, dass der Blues auch heute noch in der bayerischen Hauptstadt gelehrige Schüler hat.

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  2. Ooh, yeah, ooh, yeah
    Everythin‘, everythin‘, everytin’s gonna be alright this mornin‘
    Ooh yeah, whoa
    Now when I was a young boy, at the age of five
    My mother said I was, gonna be the greatest man alive
    But now I’m a man, way past 21
    Want you to believe me baby,
    I had lot’s of fun

    „Mannish Boy“ ist einfach eines der coolsten Blues Stuecke ueberhaupt. Mit einem schreienden Johnny Winter im Hintergrund. Priceless!

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    1. „Mannish Boy“ war Muddy Waters Antwort auf Bo Diddleys „I’m A Man“. Beide Versionen waren 1955 Hits in den R&B Charts. Das Blue Sky Remake von 1977 beeindruckt vorallem durch seine Leidenschaft und Spielfreude.

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    1. Absolutely! Great cooperation between Muddy Waters and Johnny Winter. With the help of Bob Margolin (g), Willie, Big Eyes‘ Smith (dr), Pinetop Perkins (p), Charles Calmese (b) and the great James Cotton on the harp they made a Chicago blues album, how I never heard before in this intensity and power.

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    1. Eine starke Bluesplatte. Man hört in jedem Ton den Spass und die Freude die die Musiker hatten. Aber es gibt bestimmt Leute, die sich bei dieser Musik schwer tun, mit dem offensichtlichen Mangel an Kontrasten und den immer selben Harmonien.

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