Van Morrison and The Chieftains, Irish Heartbeat, 1988

Produzent/ Van Morrison, Paddy Moloney

Label/ Mercury

„Besondere Lage“ und ein herumwirrendes Virus, das uns zu distanziertem Handeln zwingt. Die Gesichter verschwinden hinter Hygienemasken, und wir sprühen unsere Hände mit Desinfektionsmittel ein. Das muss so sein, das wird noch eine Weile so bleiben. Und wir halten uns daran, auch jetzt, wo uns der Herbst bewegt. Das raschelnde Laub, die gerösteten Kastanien und die schweren Rotweine. Gelassenheit in dicken Jacken und Wollmützen.

Womöglich unterschätzt ein Künstler wie Van Morrison seinen eigenen Einfluss, wenn er in seinen kürzlich veröffentlichten Protestsongs gegen die Corona-Politik der britischen Regierung  „No More Lockdown“ fordert – bloss keine Berühmtheiten mehr, die uns sagen, was wir fühlen sollen. Auf dem Programm steht hier aber das Album „Irish Heartbeat“ von Van Morrison mit den Chieftains aus dem Jahr 1988. Es sind grösstenteils melancholische Balladen über das Abschiednehmen, wie etwa „Carickfergus“ über einen heimwehkranken Menschen kurz vor dem Tod oder „Tá Mo Chleamhnas Déanta“ über einen Mann, der die wahre Liebe sucht, nur um dann festzustellen, dass die zu ihm passende Frau schon über den Ozean ausgewandert ist.

In diesem Kontext entfalten dann auch ein paar von Van Morrisons eigenen Songs eine neue und unerwartete Schönheit. Der Titelsong etwa war schon 1983 auf „Inarticulate Speech Of The Heart“ erschienen. Dort allerdings ging das Lied ziemlich unter. Hier mit ganz anderem musikalischen Kleid stellt man fest: Musikalisch ist Van Morrison niemals wirklich aus Irland weggegangen, egal welche Musik er auch spielte. Auf „Irish Heartbeat“ hat das Lied den Raum, um sich neu und ohne Ballast zu entfalten. Ein wunderbarer Moment! Hier ist Van Morrison noch der grosse arme kleine Mann, der im Wind steht, der über grosse und kleine Inseln fegt, Nebel vor sich hertreibend.

15 Gedanken zu “

    1. „Irish Heartbeat“ is a great album, because here are experienced musicians who create wonderful Irish folk songs in their own way. Beautiful, expressive and with joy of playing.

      I can understand that a lockdown could kill live music. But at Van Morrison is it actually egoism how he denies facts from his privileged position.

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  1. Irish folk – not my cup of Hefeweizen. Das Gefiddle und Geflöte geht mir nach max. 6 Minuten aller nervigst auf den Docht. Warum 6 Minuten: Shenandoah von Van Morrison mit den Chieftains ist ungefähr so lang. Der Song bewog mich einst auf die Suche nach der Platte/CD zu gehen. Ich erwarb dann ungehört so eine CD der Chieftains mit lauter Promi-Gästen – Sinead O’connor, Joni Mitchell, Mick Jagger … aber bereute den Kauf.

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    1. Das mit dem Weizen kann ich ja verstehen! Ich habe die Musik von Van Morrison aus den 80er Jahren nicht unbedingt gemocht. Einige Alben klangen mehr nach New Age als nach Soul, Jazz und Folk. Die strengen musikalische Formen der Chieftains hatten immerhin dem stimmlichen Egoismus Morrisons eine Autorität entgegengesetzt, die ihn daran hinderte, schlechtgelaunt und perfektionistisch über sich zu sinnen, und erst dort, wo es angebracht ist, mit der Stimme zu improvisieren.

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      1. Naja, die Liebe zu Van Morrison ist ein Auf und Ab.
        Er hat gefühlt mehrere hundert Alben gemacht und das sind einige dabei, die man liebt und etliche, die man einfach nicht verknusen kann.

        Mit dem Irish Folk schließe ich mich @Bludgeon an… nach zwei Minuten hat mich das Gefiedel und Geflöte geschafft… vielleicht weil ich kein Ire bin… 😉

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      2. Van Morrisson war schon immer ein komplizierter Eigenartling. Je nachdem enstanden dabei interessante oder langweilige Platten. „Irish Heartbeat“ ist halt irische Folklore unter den Harfenfingern der Chieftains. Die Platte konnte dem Irish-Folk-infizierten Rabaukentum der Pogues, The Men The Couldn’t Hang etc. in jenen Jahren die filigraneren Momente dieser Volksmusik entgegensetzen.

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    1. I like The Chieftains and I like Van Morrison but I really love this album. Beautiful without being kitschy, expressive and with joy of playing. I’ll never be able to speak or sing Gaelic, it’s just too intricate! But when I listening to this album I feel the Irish heart and soul pulsating inside me

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      1. „Irish Heartbeat“ is for me the best Van Morrison album since „Veedon Fleece“. The man is here completely with himself, interprets the songs with an enthusiasm and freshness, as if he has discovered that apart from serenity there could be another view on the world.

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      2. Van Morrison has become a grumpy old man. He is now releasing a number of „coronavirus protest songs“. I love Van Morrison’s music, but I don’t like him for his personality or opinion on anything.

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      3. That’s good, CB! I’ve seen a lot of big names in my time and I soon found out that meeting your heroes isn’t always what it’s cracked up to be. The „Belfast-Cowboy“ has improvisational skills but communication with the audience was never his strength.

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