Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity, 1975

Produzent/ Giorgio Gomelsky

Label/ Polydor

Julie Driscoll aus London brachte es Ende der 60er Jahre gemeinsam mit Brian Auger und der Trinity zu einigem Weltruhm als extravagante Allroundsängerin mit auffälligen modischen Marotten. Scharen von Fotografen begehrten die Engländerin für Musik- wie Modejournale in ganz Europa abzulichten, und auf der Bühne – gleich, ob im United Kingdom, in den Vereinigten Staaten, Frankreich oder Deutschland – verausgabte sie sich bei intensiven Darbietungen. Lange hielt Driscoll den Rummel um ihre Person nicht aus. Bereits 1971 sagte sie der kommerziellen Pop-Szene Lebewohl. Danach widmete sie sich, als Julie Tippett mit ihrem Mann Keith Tippett, dem Ensemblegeist verpflichtet, sowohl avantgardistischen als auch pädagogischen Musik-Projekten.

Dieses Album vereint eine Auswahl von Liedern ihrer Singles sowie ihrer beiden LP’s „Streetnoise“ und „Open“, die sie zusammen mit Brian Auger aufgenommen hat (1967-1968). Alle Nummern sind grossartig und dokumentieren den Übergang der puren Lebenslust der Hippiezeit zur artifiziellen Selbstinszinierung. Alle Hits von Julie Driscoll und Brian Auger sind hier zu finden, ebenso kongeniale LP-Tracks.

Die etwas zickige Hammond-Orgel von Brian Auger mag einem heute gelegentlich auf die Nerven gehen. Aber Julies Stimme ist geschmeidig, stilistisch elegant, nuanciert und eindringlich; intim und verletzlich pendelt sie zwischen Soul, Blues und Jazz. Schon allein die Coverversionen von „Wheels Of Fire“ und „Season Of The Witch“ bewiesen damals, dass sie wohl die einzige britische, weisse Sängerin war, die die Fähigkeit besass, Soul und Blues zu singen, wie er eben auch klingen muss. Höchst authentisch!

17 Gedanken zu “

  1. Neben Tim Hardin war es vor allem Brian Auger, der die Orgel als bedeutsames Instrument der Rockmusik in mein Aufmerksamkeitsspektrum gerückt. Wie so oft hat auch hier Mike Leckebuschs Beat Club bleibende Verdienste erworben. Die Stimme von Julie Driscoll hast du treffend beschrieben.

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    1. An den Auftritt von Julie Discroll mit „This Wheel’s On Fire“ im Beat-Club kann ich mich auch noch erinnern. Viele Songs von Brian Auger & The Trinity waren halt sehr verkannt und wahrscheinlich zu jazzig angehaucht für ein Massenpublikum.

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  2. Habe ein paar Platten von Auger und auch eine mit Auger und Driscoll. Dort sind beide erwähnten Songs auch drauf. Mein Lieblingsstück ist tatsächlich Season of the Witch. Wie sie das singt, würde ich als „haunting“ bezeichnen, dabei ist es fast hypnotisch mit ihrer den Text dehnenden Stimme. Hier zeigt sich, ähnlich wie bei Interpreten von Dylan, wieviel besser ein Lied werden kann, wenn ein guter Interpret sich um einen guten Titel kümmert. Als Junge mochte ich zwar Donovan ganz gern, jetzt finde ich ihn sehr ausdrucksschwach.

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    1. „Season Of The Witch“ ist im Original schon ganz ok, aber was Julie Driscoll und Brian Auger daraus gemacht haben, ist eine fast eine magische Version. „Tramp“ ist auch so ein Song, der mir in der Version von Julie Driscoll besser gefällt, als im Original von Carla Thomas und Otis Redding.

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  3. Mit Road to Cairo flog sie in meinen musikalischen Kosmos. Season of the Witch kannte ich nur von Donovan. Und Streetnoise gehört noch heute zu meinen Inselplatten…

    PS: Spencer Davies ist gestorben und Manfred Mann feiert heute seinen 80.
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    1. Vielen Dank, Herr Ärmel! Das Spencer Davis gestorben ist, habe ich mitbekommen. Mir ist der Mann vorallem als Pionier der britischen Folk- und Beat-Szene Anfang der 60er Jahre bekannt. Von dem Donovan-Lied „Season Of The Witch“ gibt es ja tonnenweise Cover. Für mich schneidet die Version von Julie Driscoll und Brian Auger vorallem wegen dem überzeugenden Gesang und dem Instrumentalpart gut ab: https://www.youtube.com/watch?v=LGp4rTEw7z4

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      1. Ich finde bereits das fast fünfminütige Original von Donovan sehr gelungen. In der Version von Julie Driscoll und Brian Auger wird “Season Of The Witch“ psychedelisch arrangiert und gespielt auf knapp acht Minuten ausgedehnt, ohne langweilig zu werden.

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      2. Richtig, es gibt viele Versionen von Season of the Witch. Auch mir gefällt die Version von Julie Driscoll am besten.
        Dann kommt für mich lange keine vergleichbare. Und dann vielleicht noch die von Vanilla Fudge…

        Schönen Dank für den Link 😉

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    1. Wie psychedelisch „Wheel’s On Fire“ auch immer von Brian Auger arrangiert und gespielt worden sein mag – ohne Julie Driscolls einmaliger Interpretation wäre dieser Song längst in der Versenkung verschwunden.

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