Frank Zappa, Hot Rats, 1969

Produzent/ Frank Zappa

Label/ Bizarre/Reprise

1969 löste Zappa die Ur-Mothers auf, und machte als Komponist und Interpret einen scharfen Richtungswechsel in seiner Karriere. „Hot Rats“ ist ein Produkt von ihm und der Mit-Mutter Ian Underwood, der Saxophon, Klarinette, Flöte, Orgel und Klavier spielt. Das Album ist die Jazz-Rock-Fusion par excellence; die „Zappa-Scheibe für Leute, die Zappa nicht mögen“, ohne parodistische Attitüde, dafür mit langen Improvisationen und teilweise erstaunlich gefälligen, geradezu mitpfeifbaren Melodiebögen. Captain Beefheart singt auf dem einzigen Vocal-Stück „Willie The Pimp“, bevor Zappa zu einem ausufernden Gitarren-Solo ansetzt, in dem er die Beherrschung des Wah-Wah-Pedals sowie eine intelligente Fingerfertigkeit demonstriert.

Die „Gumbo Variations“ sind sehr lang und sehr gut. Underwood spielt hier ein fantastisches Tenorsax-Solo, und bei dem Solo des Geigers Sugar Cane Harris bleibt einem der Atem stehen. Wie Harris hier wie ein Derwisch gegen die Basslinien von Paul Humpfired anspringt, dürfte zu den besten Momenten auf der Platte gehören. Das letzte Stück „It Must Be a Camel“ steht im Gegensatz zu den fünf anderen Stücken. Hier zeigt sich, dass Zappa seine frühere Kompositionstechnik der überladenen Anleihen aus der zeitgenössischen Musik aufgegeben hat und mehr Originalität an den Tag legt. Über einem mittelschnellen Rock-Beat werden zwei- und dreistimmige, rhythmisch verschobene und zuweilen dissonante Melodiebögen gelegt. Die Instrumentation wechselt ständig. Underwoods Klarinette und Saxophon beleben die ineinandergeschobenen Akkordblöcke immens.

36 Gedanken zu “

    1. Ja, damals tat der finster dreinblickende Bürgerschreck Zappa seinen Fans auch noch den Gefallen, deftige Polit-Parolen zu verbreiten. Von seinen Ansichten zu Sex ganz zu schweigen. So einen hängte man sich gerne aufs Klo.

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  1. Zappa war, bayerisch gesagt, a Hundling. Allerdings stehe ich, seit sich die Zusammenstellung seiner Gitarrensolos in meiner Sammlung befindet, in Bezug auf seine diesbezüglichen Künste, skeptisch.

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    1. Zappa hat vieles auf die Spitze getrieben. Man muss ihn nicht lieben, darf ihn unhörbar, abscheulich, krank, sexbesessen usw. finden. Aber man darf nicht vergessen, dass er es – im Gegensatz zur Oberfläche seiner teils infantilen, teils böse treffenden Gags und Obszönitäten – ernst meinte.

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    1. Zappa hat viele aufregende Soli gespielt, die aber oft nicht im Zusammenspiel mit der Gruppe aufgefangen werden, sondern mittendrin abbrechen. So etwas wie eine durchgehende Rock-Nummer gibt es bei ihm nicht, auch wenn er Riffs gespielt hat, die den Vergleich mit den Stones aushalten.

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      1. Wenn ich an die „Trilogie“ Overnite Sensation, Apostrophe (‚) und One Size fits all denke, dann fallen mir schon durchgehende Rocknummern ein. Beispielsweise Dirty Love, Excentrifugal Forz, Can’t Afford No Shoes… Wahrecheinlich meinen Sie aber auch das klassische Schema zwei Strophen Text, eine Instrumental und wiederum eine Strophe mit Text.
        Das hat Zappa öfter konterkariert. Die Beispiele dafür sind Legion.

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      2. Wenn sich Zappa mit vergleichsweise simplen Rock-Rhythmen zufrieden gab, dann in der Regel deswegen, um die eingefahrenen Hörgewohnheiten der Pop-Konsumenten enttäuschen zu können. Zappa hatte die einzelnen Stücke immer sorgfältig arrangiert, insofern sind sie mehr oder weniger die systematische Entfaltung seiner Ideen und Vorstellungen, deshalb hat sein Werk auch Züge eines elitären Kunstbegriffs, der eigentlich nichts mit Rock- und Pop-Musik zu tun hat.

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    1. Danke! Ich kenne nur die „Gumbo Variations“ auf der Original-LP. Vor ein paar Jahren ist ja von den „Hot Rats“-Sessions auch eine 6 CD Box mit über 7 Stunden Material erschienen.

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  2. Interessanterweise sagten einige seiner Mitmusiker über ihn (als er schon tot war, und sie nicht mehr nett hätten sein müssen, daß er ein ziemlich genialer Gitarrist gewesen war, weil (George Duke)…er während der Improvisation kompositorische Bögen schlug. Er sagte es voller Bewunderung, was ein großes Kompliment für einen Absolventen eines Klassik Studiums und genialen Jazzer ist. Auch Steve Vai rühmte Zappa als einen Gitarristen mit viel Übersicht. Ich habe allerdings auch die „Shut up and play your guitar“ und manchmal kommt es mir vor als wenn er „is flogging a dead horse“.
    Nichtsdestotrotz mag ich gerade seine relativ frühen Rock Soli, seziell das eine von „Montana“ aus der Overnite Sensation, das nach vielleicht 20 Takten plötzlich nur noch gleiche Noten und deren Oktaven besteht – Aberwitzig und immer wieder schön. Auch das Solo von „I’m the slime“ (gleiche LP) ist super.

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    1. Das beeindruckende an Frank Zappa sind diese fast widersprüchlichen musikalischen Sichtweisen, mit denen er seine Kompositionen auf der einen Seite und sein Gitarrenspiel auf der anderen zu betrachten schien. Komposition war für ihn ein fast wissenschaftlicher Prozess, den er mehr als Handwerk denn als Kunst ansah. Ganz anders hingegen sein Gitarrenspiel, das roh, wild und mit viel Mut zu spieltechnischen Unreinheiten daherkommt. Allerdings muss man sagen, dass Zappa auch hier einen musikalisch fundierten Background hatte.

      So hatte er den Blues meist witzig und satirisch aufgefasst, wie etwa bei dem sexuell gefärbten „Road Ladies“ auf „Chunga’s Revenge“; der kurioseste befindet sich auf dem Doppelalbum „Playground-Pschotics“, er beschreibt, wie die Band den Umstand feierte, dass man gerade einer Diphterie-Epidemie in San Antoino entkommen war: https://www.youtube.com/watch?v=xGcQDp_JCkc

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    1. Ende der 60er Jahre gab es eine Menge Jazz-Rock – Blood, Sweat, Tears, Chicago, Miles Davis, Tony Williams’ Lifetime – aber kein Album hat so einen stetigen Beat, packenden Groove und rasende Improvisationen wie „Hot Rats“. Das Riff von „Willie The Pimp“ besteht ja nur aus zwei Akkorden und wird über ganze neun Minuten gespielt. Es ist interessant wieviele Harmoniefolgen hier Zappa rausholt und was für ein bemerkenswerter Gitarren-Improvisator er gewesen ist.

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      1. Es war das erste Zappa Album, das ich durchgängig mochte. Alles klang so einfach strukturiert und war doch kaum zu greifen. „Zwo Riffs – ist doch ganz einfach“ – denkste!
        Ausserdem gefielen mir damals schon die Geigen von Don Sugarcane Harris und Jean-Luc Ponty . . .
        Hot Rats – Hot Zitz – Hot Wrists – – –

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      2. Zappa Alben sind grundsätzlich sehr spezielle Alben. Aber ich denke auch, dass „Hot Rats“ einer der besten Zugänge ins nicht immer einfach zu verstehende Zappa Universum ist. Captain Beefheart’s Vocal Part in „Willie The Pimp“ ist natürlich einzigartig und bestätigt seinen Ruf als hervorragender Sänger. Vielleicht wäre das Album damals sogar ein Hit geworden, wenn die anderen Stücke nicht gesangslos geblieben wären.

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      3. Interessant ist Ihr Gedanke bezüglich der Instrumentalstücke. Ein früherer Bekannter und ausgewiesener Zappakenner meinte vor vielen Jahren bereits, dass Zappa mehr Breitenwirkung hätte, wenn seine zahlreichen Instrumentalstücke auf vielen Alben auch betextet worden wären…

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      4. Für Zappa waren Texte schon wichtig; sie waren mehr ein integraler Bestandteil der Musik, wie etwa bei „Willie The Pimp“. Er hat auch viele Wortspiele und Verballhornungen gemacht. Für ihn als Satiriker mit Hang zum Zynismus war Sex ein grosses Thema. Heute weiss man, dass dieses verschwooft-doofe „Bobby Brown“, dass damals hierzulande unkontrolliert im Radio gespielt wurde, ziemlich „explicit“ war und bis heute ist.

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      5. Da stimme ich Ihnen zu, Herr Ärmel! Zappas Wahrnehmungen über den politisch-öffentlichen Diskurs in den USA waren sehr genau. Ebenso registrierte er die Verschiebungen der Sozialstrukturen.

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      6. Der Austausch ist anregend, wenn ich auch nicht viel beitragen kann. Dafür habe ich mich zu wenig intensiv mit Zappas Werk beschäftigt.
        Dennoch fiel mir ein, dass im Korpus seiner Texte eine Struktur erkennbar ist.
        Neben den vielen gesellschafts- bzw. kulturkritischen (z.B. I´m the Slime, Call any Vegetable etc.) gibt es zahlreiche sexuell orientierte (z.B. Titties´n´Beer, Dirty Love, Catholic Girls). Da kann ich Sinn und Zweck der Texte gut nachvollziehen.
        Andererseits erzählte er Geschichten, bei denen ich mich frage, was ihn dazu wohl motiviert haben mag (The Illinois Enema Bandit, Eddie are you kiddin´). Bei manchen dieser Geschichten habe ich den Eindruck, dass zur Musik ein Text gedichtet worden ist (Montana)
        Nur einige Beispiele, die für viele stehen.

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      7. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, Herr Ärmel! Um Zappas Texte wirklich verstehen zu können, reicht Schulenglich nicht immer aus. Wie bereits erwähnt, kommen in seinen Texten oft sexuelle Anspielungen und Hinweise auf Orte und Personen in der US-amerikanischen Öffentlichkeit vor. Darüber hinaus gibt es phonetische Falschschreibungen und Wortkreationen.

        Urban Gwerder, ein ehemaliger Bekannter, der leider vor ein paar Jahren verstorben ist, hatte sich sein Leben lang für Frank Zappa engagiert. Er war Herausgeber der Zeitschrift „Hotcha“ und „Hot Raz Times“, hatte ein umfangreiches Frank-Zappa-Archiv und kannte den Maestro persönlich.

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  3. As much as I respect Zappa as an artist…and I do…not to mention he was a brilliant guitarist, musician, arranger, and writer…I like him in doses…I like this album. It’s been years since I heard it in its entirety.

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    1. Probably Frank Zappa’s most accessible album, loud, lary and lots of fun. I had his album when I was young, now a pensioner this music still turns me on. It’s truly a „movie for your ears“.

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    1. Not everything from Zappa has aged so well for me. Some of his misogyny is hard to take. But „Hot Rats“ is a truly joyful album. I was highly impressed when it came out, and I’m still impressed today from the instrumental aspect of it. Sugar Cane Harris is absolutely great on „The Gumbo Variations“. This is high live, more, than the violin ever has been before. I also like some of his solo albums, for example „Fiddler On The Rock“.

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      1. Like I said I was stuck on this a while ago, Harris’s sound and musicianship come through. Frank knew what he was doing bringing him on board.
        I have listened to some of his solo stuff, will give that one a go. Thanks Fox. Good stuff again.

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    1. Pink vinyl that’s great! On the cover is Christine Frka, a member of the GTOs (Girls together outrageously – these were groupies accepted by Zappa) in an empty swimming pool in Beverly Hills.

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