The Rolling Stones, Salt Of The Earth, 1968

Text/Musik/ Jagger/Richards

Produzent/ Jimmy Miller

Label/ Decca

Es ist der erste bedeutende Auftritt des Stones-Gitarristen Keith Richards als Sänger, und es ist sein schönster. Mit rauchig-zerbrechlicher Stimme singt, haucht, flüstert er: „Lets drink to the hard working people / Lets drink to the lowly of birth / Raise your glass to the good and the evil / Lets drink to the salt of the earth.“  Und dann übernimmt Jagger befremdet und nachdenklich den Gesang: „Say a prayer for the common foot soldier/ Spare a thought for his back breaking work/ Say a prayer for his wife and his children/ Who burn the fires and who still till the earth.“

Tatsächlich mögen den Jet-Setter die „hard working people“ fremd gewesen sein, und doch schwingt in Richards Text, wie er später in einem Interview sagte, eigentlich „zynisch“ gemeinten Text und vor allem in seinem Gesang auch eine sehnsuchtsvolle Wärme mit – als wären sie diesem „Salz der Erde“ (das auf ein Bibelzitat zurückgeht) unter anderem Umständen gern etwas näher gewesen – oder als wüssten sie um ihr Privileg, nicht dazu gehören zu müssen.

22 Gedanken zu “

  1. Naja, sie stammen ja schließlich von da. (Okay Jagger als Lehrerkind bissl näher an der Mitte, aber Teachers sind nicht das, was sie in Dtl – mal waren.)Wenn ich mich mal wieder aufs Lästern verlege, dann ist das ein typisches SPD Album: Erst ma‘ tapfer loswettern: Zeit ist reif für Palastrevolution; aber nee lieber doch nich. … lieber herumvö++++; und dann Stößchen für all die Armen in der Welt. Schließlich weiß man ja, woher man stammt.

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    1. Die Stones stammen aus der englischen Mittelschicht, Keith Richards war immer der proletarischste, ewiges Kind, Enfant terrible. Sie spielten Rock’n’Roll und sie standen auch bei der Jugendrevolte 1968 nicht ausserhalb ihrer Zeit. Es gibt Leute, die sagen, dass das Album „Beggars Banquet“ vom ersten Song „Symphaty For The Devil“ bis zu dessen letzter Song „Salt Of The Earth“ zynisch sei. Für mich mich ist der Text von „Salt Of The Earth“ nicht zynisch, ich sehe darin mehr den Widerspruch, wenn ein sehr reicher Mensch aus der Sicht sehr armer Menschen berichtet.

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  2. Ein schlichtes Video. Schön finde ich das Quasiduett von Richards / Jagger. Hat dieses Video etwas mit dem Rock´n´Roll Circus zu tun? Fein auch, wie sich Pete Townshend und Keith Moon danebenbenehmen.

    Das Album Beggar´s Banquet hat Mick Jagger schon vor Jahrzehnten entmystifiziert. Und Marianne Faithfull äusstere sich in ihrer Autobiographie noch deutlicher. Ob Keith Richards den Text zynisch meinte, vermag ich nicht zu beurteilen. Er stammt jedenfalls von den besungenen hard-working-people ab. Mick Jagger dagegen verbrachte einige Zeit auf der LSE. Wenn man bedenkt, dass derzeit ein Semester etwa 30000 Pfund kostet, war es auch Ende der neunzehnhundertfünfziger Jahre keine Schule für die Kinder armer Eltern.
    Zur Zeit von Beggar´s Banquet waren die Jungs bereits ordentlich arriviert. Keith Richards fuhr seinen feinen Bentley Continental über den Kiesweg zu seinem Cottage Redlands. Und Brian Jones hatte sich den Landsitz Cotchford Farm von A.A. Milne gekauft… Soviel zu den Streetfighting Men und dem Salz der Erde.

    Dennoch ist das Album sehr gelungenen. Mit ihm liessen die Rolling Stones ihre Frühphase hinter sich und steuerten danach mit einigen Alben auf ihre künstlerischen Höhepunkte zu…

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    1. Das Video ist aus „Rock’n’Roll Circus“. Es macht Spass Keith, Mick & Co anno 68 anzuschauen.

      Für mich war „Beggars Banquet“ immer ein sehr gutes Stones Album; es ist in einer Zeit erschienen, in der von der Produktion her immer kompliziertere Ansprüche entwickelt wurden. Mit dieser Scheibe haben sich die Stones quasi durch einen Rückgriff auf ihre musikalischen Wurzeln neu erfunden. Den Text von „Salt Of The Earth“ sehe ich vorallem im gesellschaftlichen Kontext der Zeit (ähnlich wie etwa den von „Street Fighting Man“). Neben Zynismus war da auch viel Banalität dabei, etwa wenn Jagger singt: „And when I search a faceless crowd / A swirling mass of gray and / Black and white / They don’t look real to me / In fact, they look so strange“. Und später heisst es dann: „ Spare a thought for the stay-at-home voter/ His empty eyes gaze at strange beauty shows/ And a parade of the gray-suited grafters/ A choice of cancer or polio.“

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      1. Ende der 60er Jahren wurde die „wirkliche“ Lebensführung der Stones immer wieder von den Medien verbreitet. Ihre politische Glaubwürdigkeit und die Rebellen-Attitüden wurden als Sprachrohr ihrer Generation verstanden. Dieser Mythos wird auch heute noch gerne verbreitet. Für mich waren die Stones immer nur eine gute R&B-Band und ein paar von ihren Alben, wie „Beggars Banquet“ oder „Let It Bleed“ hatten auch das gewisse Etwas.

        Danke für den Link! Die Four Seasons habe ich in Erinnerung, als eine Gruppe, die zwar durchaus hörbare aber weitesgehend banale Popliedchen trällerte

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  3. Mein lieber Schwan, da wurden aber eine Menge „bewusstseinserweiternder“ Substanzen gereicht!
    So what, das war halt der Zeitgeist… 😉

    Naja… die Nähe zuer Arbeiterklasse geht dir spätestens dann verloren, wenn Du nicht mehr um fünf aufstehen und keinen Kleinkredit aufnehmen musst, wenn dein Bentley streikt. 🙂

    Sinéad O’Connor hat wohl mal sinngemäß gesagt, Bono von U2 fährt ein paar mal mit seinem Jaguar über sein T-Shirt, damit er etwas abgerissener aussieht…

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    1. Die waren alle bekifft unter ihren gelben und orangefarbenen Ponchos und Hüten und ausserdem ziemlich müde, denn die Aufnahmen für „Salt Of The Earth“ fanden um vier Uhr morgens statt. Aber Brian Jones scheint das Lachen nicht vergangen zu sein und auch Townshend und Keith Moon albern mit den Sitzkissen auf dem Kopf immer noch im Publikum herum.

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  4. Beggars Banquet remains my favorite Stones album. I’m writing up my personal top 10 Stones albums now…this will be #1. Is it critically their best album? No…that would be Sticky Fingers or Exile but this one resonates with me…although I was far too young (1 year old)to remember the time.

    The Stones were more middle class while the Beatles with the exception of Lennon (who came from middle class) were more working class… but usually only a rich person with an outlet will be heard singing/talking about the working class struggle… I never thought it was cynical.

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    1. Thanks Max! „Beggars Banquet“ is a very good album from the first song „Sympathy For The Devil“ to the last „Salt Of The Earth“. I don’t think „Salt Of The Earth“ is arrogant or cynical either. The song walks on the fine line between contempt and empathy. Definitely more honest than a work song that has been written in a penthouse. In addition, on have to see „Salt Of The Earth“ in a temporal context. At that time, especially in UK, were social issues always focused on classes.

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    1. Keith Richards war Jaggers rechte Hand und er kam erst spät auf den Geschmack zu singen. Für mich hat Richards seine schönsten Songs auf dem Solo-Album „Talk Is Cheap“ veröffentlicht. Auf den neueren Stones Alben gibt’s auch ein paar gute Songs von ihm, wie z.B. die weltmüde Ballade „Losing Touch“.

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  5. Toller Song! Danke für das Daran-Erinnern! Es gibt – wesentlich ! – bessere Versionen: Keith älter, die Stimme reifer und – wenn ich es recht erinnere – singt Jagger nur im Hintergrund. Und nicht dieses (peinliche) Outro, irgendwo zwischen „Sympathy for the Devil“ und „Give Peace A Chance“ . Ich bin froh, dass ich diesen Song zuerst in anderen Aufnahmen (Atlantic City Bootleg?) gehört habe. In dieser Version wäre er mir nicht so aufgefallen. Für mich ist Bill Wyman der Stone No. 1 (zur richtigen Zeit raus und seither ehrliche Arbeit abgeliefert, auch wenn es mich persönlich meist nicht vom Hocker reißt, aber kein Kalkül, nur Ich-mache-jetzt-das-was-ich-will), dann Keith,, dann Charlie Watts – Jagger ist die Stimme, das Aushängeschild, das habe ich alles verstanden, aber irgendwie fand ich ihn nie besonders. Und dass er hier seinem bandmate Keith keinen Freiraum lässt weist in dieselbe Richtung

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    1. Bill Wyman und Charlie Watts sind zwei grundanständige Typen. Watts trommelte auch in seiner Freizeit in einer Blues-Session-Kapelle. Wyman eröffnete nach seinem Abgang bei den Stones, ein Restaurant in London und schrieb seine Autobiografie. Eine nette, saubere Tätigkeit. Sein „Si, Si, Je Suis Un Rockstar“ ist witziger als viele Stones-Produkte in den letzten Jahre.

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