Steppenwolf, 1968

Produzent/ Gabriel Mekler

Label/ ABC Dunhill

„Born To Be Wild“ – ich war keine 15, da hörte ich den Song zum ersten Mal. Machte gewaltigen Eindruck auf mich. Wie auch der Film „Easy Rider“, der damals im Kino „Capitol“ gezeigt wurde und in dem ich den Song zum ersten Mal hörte. Dieses Lied gab meiner dörflichen Welt den Tritt in den Arsch, den es brauchte, um ihr entkommen zu wollen. Am besten auf so einer Harley, wie sie Mr. Hopper fuhr. Die „Captain America“, so hiess das Motorrad von Peter Fonda, hatte einen zu hohen Lenker. Der wirkte zu unbequem, um eines Tages in Richtung Sonnenuntergang das Dorf zu verlassen. Mein erstes Töffli mit einem 2 Gang Sachs-Motor war ein Monat später ein „Pony Junior“. Die Platte von Steppenwolf habe ich mir dann bei „Musik Hug“ gekauft.

Viele Jahre später macht die erste Scheibe von Steppenwolf immer noch weit mehr Spass, als ich erwartet hatte. Die meisten der elf Songs dieser LP verraten schon im Titel, dass sich Steppenwolf thematisch mit den Aussenseitern beschäftigen, die draussen auf den Strassen Amerikas ihre Freiheit suchen, weil sie in den guten Stuben der schweigenden Mehrheit im Mief ersticken; und mögen solche Bilder inzwischen auch Klischee sein – die rauhe Herzlichkeit, die die Stimme John Kays ausstrahlt, wirkt noch immer echt, als hätte die Band erst gestern „Born To Be Wild“ aufgenommen.

Mit „The Pusher“ befindet sich ausserdem ein weiterer Song aus „Easy Rider“ auf dem Album. Anzunehmen ist, dass die Substanzen und Typen die in dem Song auftauchen, der Band nicht gänzlich unbekannt waren. Das Lied gefällt mir heute um Längen besser als „Born To Be Wild“. Ja, „The Pusher“ ist ein Monster und hat eine Anziehungskraft, der man sich kaum entziehen kann. Die schleppende und leicht psychedelische Stimmung bohrt sich ins Gemüt, ob man will oder nicht.

34 Gedanken zu “

  1. Für mich war „The Pusher” von Anfang an der Easy-Rider-Song schlechthin. Er verleiht dem Film vom ersten Akkord an seine typische Stimmung, die bis zum tragischen Ende (das es, nebenbei, eigentlich nicht braucht) durchträgt.

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    1. Im Film wird ja mit „The Pusher“ eindrucksvoll ein Drogen-Deal untermalt, dessen Gewinn in Form von Dollar-Noten symbolträchtig in dem mit der US-Flagge bemalten Benzintank versteckt wird.

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      1. Ich muss ja zugeben, dass mich die Inhalte mangels Englischkenntnisse kaum interessiert haben. Aber die Stimmung hat mich angezogen, und die bringt dieser Song wunderbar zum Ausdruck. Allerdings steht ihm ein „Wasn’t born to follow” in nichts nach. Ach, der ganze Soundtrack dieses Films ist einfach genial.

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      2. „The Pusher“ war bestimmt auch eine eindringliche Warnung an die Hippiegemeinde. “Wasn’t Born To Follow“ ist im Original von Carole King, aber die Version der Byrds mit dem herrlichen Gitarren-Fingerpicking und den wunderschönen Gesangsharmonien gefällt mir viel besser.

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  2. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mir bisher nie die Mühe gemacht hatte, das Original von „Desperation“ zu hören. Ich kannte nur die Version von Calvin Russell, die er auf seinem gleichnamigen Album von 1997 besungen hat.
    Aber das Original ist genauso wunderschön.

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  3. Love the background info… The Pusher is my goto song by them…I like a lot of their music… „Don’t Step On The Grass Sam“ is another one from later on that I liked.
    One of my proud moments…I was doing IT work at a bus rental company…I shook hands with John Kay.

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    1. I don’t know all Steppenwolf albums. I know „Monster“, „Live“ and „Magic Carpet Ride“. But their debut is still here, even if it sounds pretty scratchy after more than 50 years. Hope you had a nice talk with John Kay?

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      1. It was around 10 minutes but yea…I did the „John Kay“ and he stuck out his hand. We talked about computers…which was pretty cool. He was really nice.

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      2. I’ve always liked John Kay. You probably know the story about his escape from the GDR. After the end of Steppenwolf, he and his wife builted up an orphanage for baby elephants in Kenya. I think the man is still „Born To Be Wild“.

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    1. Probably I still haven’t said goodbye to the illusion of being “Born To Be Wild”. Even if the Rock-Steppenwolf, who has already turned gray, offers his old paw to his literary namesake. But after all, we should know from our experience that not everyone is allowed to realize what his “born” for.

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      1. You know, I always liked „Easy Rider“ because it’s a movie where the young rebelled against the old. But the real subject is tolerance between people. It’s about the longing for freedom and Steppenwolf got to the point with „Born To Be Wild“.

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  4. „Born to be Wild“, most definitely a classic rock tune if there ever was one. The genesis…perhaps…of Heavy Metal as it mentions „…heavy metal thunder…“ and a great group that also brought us many other fine „classic rock“ tunes. Lovely post and all the best,
    FBC

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    1. Thanks Francisco. „Born To Be Wild“ is an absolute cult classic, pop culture and entertainment industry spreaded the song en masse. There is probably no biker-movie without the anthem. But the greatest irony of all is, that the Steppenwolf singer John Kay never learned how to ride a motorcycle.

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      1. „Born To Wild“ is riff-heavy hard rock. You can hear the song on a motorcycle or car ride, even when you work in the garden, there is also something born to be wild …

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  5. Auch wenn ich den Song sehr haeufig gehoert habe bleibt er nach wie vor ein Klassiker, der Spass macht. Ein tolles Stueck zum Autofahren wie „Highway Star“ von Deep Purple, wobein man bei diesen Songs aufpassen muss, nicht in einen Geschwindigkeitsrausch zu geraten. „The Pusher“ ist ebenfalls ein cooler Song. Selbiges gilt fuer „Sookie Sookie.“

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    1. Danke, Christian. Auch wenn „Born To Wild“ immer wieder mit dem Motorrad- und Autofahren in Verbindung gebracht wird, dürfte in dem Song auch von einer Freiheit die Rede sein, die auf Höheres verweist. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Geschichte von dem Steppenwolf-Leadsänger John Kay (Joachim Fritz Krauledat), der zwar nie Motorrad fahren gelernt hat, aber als fünfjähriger Junge mit seiner Mutter von der DDR in den Westen geflohen war, und von dort nach Amerika. Als Steppenwolf sich Mitte der 70er aufgelöst hatten, ging Kay mit seiner Frau nach Kenia um ein Waisenhaus für Elefantenbabys in Kenia aufzubauen. Noch heute setzt sich Kay mit seiner Stiftung für die Elefanten und die Wildheit Afrikas ein: https://mauekay.org/

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      1. Naja, John Kay hat nie Motorrad fahren gelernt, weil er mit 21% Sehfähigkeit faktisch blind ist.

        Davon ab ist die Steppenwolf Platte ein tolles Album.
        Mein Lieblings-Song war und ist seit frühester Jugend „Madig Carpet Ride“ vom zweiten Album…

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      2. Stimmt, John Kay ist halb blind und konnte nie Motorrad fahren. Er sagt auch, es sei die Ironie seines Lebens, dass er mit dem Easy-Rider-Titelsong den Durchbruch geschafft habe.

        „Magic Carpet Ride“ kommt auch ganz gut rüber, vorallem die Hammond-Orgel und die verzerrte Gitarre heben das Stück heraus.

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      3. Sicherlich hast Du recht, dass man den Song etwas trivialisiert, wenn man ihn auf das Auto- oder Motorradfahren beschraenkt. Die heissen Feuerstuehle von Easy Rider sind ein Symbos des Traums von der Freiheit, den wohl die meisten Menschen haben – einfach raus aus dem Scheiss, mit dem man sich jeden Tag herumschlaegt, haeufig ohne zu gewinnen. Fuer ein schweres Motorrad waere ich allerdings ein zu grosser Angsthase. Aber einen offenen Mustang Bullit a la Steve McQueen oder ein anderes schickes Convertible koennte ich mit schon vorstellen!

        Die Hintergrundsgeschichte von John McKay kannte ich nicht. Sie klingt interessant!

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  6. A band that I’ve never really spent enough time listening to. It was Blind Melon’s The Pusher that turned my head towards them and I bought a cheap looking compilation at one point (possibly called Born to be Wild) but I have no idea what happened to that. I knew the Born to be Wild, obviously. It’s intro instantly recognisable.

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    1. Steppenwolf are a nice, rocking music experience from my youth in the late 60s. In terms of power, the later albums don’t come close to the debut for me. Probably every generation believes in its youth to be „Born To Be Wild „. Therefore can every youth identify with this song He never gets old

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  7. Yep. Einmal hören und es zündet! Nur: Weg von zuhause wollte ich trotzdem nie. Also ich meine: Eigener Haushalt und Familie schon – aber eben in der Heimatstadt. Hat nicht sollen sein. Von Steppenwolf kenne ich bis heute nur eine handvoll Songs, keine LP. Irgendwie rutschten sie bei der Suche nach Musik-Drogen immer wieder durchs Raster.
    Aber Prinzip spielten die Nummer hier hinter der Mauer immer live – geil – mit Mikroständerschlingern, heroischen Gitarristenverrenkungen und allem was dazugehört.
    Die späten Renft spielten die Nummer auch – und weil ihr Gitarrist Pitti Piatkowski alles kann, gibt es dann reichlich Zitate anderer Gitarrenschulen im Intro und im Mittelteil.
    Das haucht der nun doch bissel abgedroschenen Hymne neues Leben ein.

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    1. Mit der weichen, idyllisch-sanften Natur- und Blumenmystik der Hippies, für die übrigens auch Dennis Hopper im Film keine Sympathie empfindet, verträgt sich der Song nicht. Im Gegenteil: „A true natures child“ ist „born, born to be…“ (richtig!).

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  8. Ein Killeralbum auch nach den Jahren noch immer. Auch bei mir war „Born to be wild“ nur in der Jugend der Top-Titel. Desperation, The Pusher oder The Ostrich lassen noch heute mein Herz klingeln und die Füsse wippen. „Magic Carpet Ride“ nicht bis zu vergessen oder „Monster“.

    Ach, schöne Erinnerungen – schönen Dank dafür … ich werde jetzt mal „At your Birthday Party“ laufen lassen.

    PS: Mir gefiel die Harley von Dennis Hopper auch viel besser als Peter Fondas „Captain America“. Obwohl Harley – da hatte ich nie irgendwelche Ambitionen. Ich bin lieber italienische Motorräder gefahren.

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    1. Danke, Robert! Für mich nach wie vor die beste Scheibe von Steppenwolf. Bunt gekleidete Hippies auf dem Cover. Der Film „Easy Rider“. Das Gefühl, dass unsere Freiheit immer mehr eingeengt wird. Dass in der Schweiz die Sonne nicht scheint. Dass ich es vielleicht irgendwann einmal nach L.A. schaffen würde. Dorthin, wo es nie regnet.

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